AKW wohl nicht beschädigt

Fukushima: Schweres Erdbeben - Tsunami-Warnung aufgehoben

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Ein schweres Erdbeben hat die japanische Katastrophenregion Fukushima erschüttert. Das Foto zeigt den Atomreaktor an der Küste von Fukushima.

Tokio - Vor der Küste von Fukushima bebt die Erde. Der Tsunami wird aber dann doch nicht so hoch wie erwartet. Der erste Schreck ist überwunden.

Das Erdbeben im Meer traf die japanische Nordostküste.

Knapp sieben Stunden nach dem schweren Erdbeben hat die japanische Zivilschutzbehörde die Tsunami-Warnung für die Ostküste wieder aufgehoben. Die Gefahr durch Flutwellen infolge der Erdstöße bestehe nicht mehr, erklärte die Behörde am Dienstag. Das Beben hatte zuvor einen leichten Tsunami ausgelöst: An der Küste beim Katastrophenreaktor Fukushima erreichten die Wellen rund einen Meter Höhe, an anderen Küstenabschnitten waren sie rund 1,40 Meter hoch.

Größere Schäden wurden zunächst nicht bekannt. In einer ersten Warnung war von der Gefahr durch drei Meter hohen Flutwellen die Rede gewesen. Die Bewohner der betroffenen Küstenabschnitte wurden aufgefordert, in höher gelegene Regionen zu fliehen. Das Epizentrum des Bebens lag unter dem Meeresboden vor Fukushima.

Atomkraftwerk Fukushima: Kühlung fällt zwischenzeitlich aus

Im Atomkraftwerk Fukushima Daini sei zwischenzeitlich die Kühlung eines Abklingbeckens ausgefallen, hieß es. Wie der Fernsehsender NHK am Dienstag unter Berufung auf den Atombetreiber Tepco meldete, sei der Kühlmechanismus im Reaktor drei des AKW wieder am Laufen. 

Es befindet sich etwa zwölf Kilometer von der Atomruine Fukushima Daiichi entfernt, wo es bei der Erdbeben- und Tsunami-Katastrophe vor fünfeinhalb Jahren zu einem Gau gekommen war. In der Atomruine selbst habe es keine weiteren Schäden gegeben, hieß es unter Berufung auf den Atombetreiber Tepco. Auch in dem in der Nachbarprovinz Miyagi gelegenen Atomkraftwerk Onagawa seien keine Unregelmäßigkeiten festgestellt worden, hieß es.

Die Region im Nordosten des Landes war am 11. März 2011 von einem heftigen Erdbeben und einem gewaltigen Tsunami heimgesucht worden. Dabei starben mehr als 18.000 Menschen. Zusammen mit dem Atom-Unfall kam es zur Dreifachkatastrophe.

Flutwelle nicht so hoch wie angekündigt

Diesmal drohe eine Flutwelle von bis zu drei Metern Höhe, hieß es. Der Nachrichtensprecher bei NHK forderte die Bewohner der Region an der Pazifikküste mit erregter Stimme immer wieder auf, sich sofort auf Anhöhen in Sicherheit zu bringen. Sie sollten zudem noch Schlafende aufwecken.

„Plötzlich wurde das Wackeln ganz heftig. Es war beängstigend. Es hat mich an das große Beben (von 2011) erinnert“, erzählt ein Beamter in Fukushima später mit zitternder Stimme. Auch in der 250 Kilometer entfernten Hauptstadt Tokio gerieten Gebäude ins Schwanken. „Wir sind in Tokyo davon aufgewacht, es geht uns gut“, schreibt ein deutscher Diplomat auf Facebook. Eine andere Deutsche beeilt sich ebenfalls, um über Twitter Freunden und Angehörigen zu versichern, dass ihr nichts passiert sei. Diesmal kommen die Bewohner der drittgrößten Volkswirtschaft der Welt noch mal mit dem Schrecken davon

In einer Petroleum-Anlage in Fukushima brach laut Medienberichten ein Feuer aus, das aber schnell gelöscht werden konnte. Der Betrieb von Hochgeschwindigkeitszügen im Osten des Inselreichs wurde teilweise gestoppt.

Die Regierung in Tokio richtete einen Krisenstab ein. Auch in der rund 300 Kilometer entfernten Hauptstadt des Landes gerieten Häuser ins Wackeln. Das Beben ereignete sich in einer Tiefe von zehn Kilometern unter dem Meer vor der Küste Fukushimas.

Japan ist eines der am stärksten von Erdbeben betroffenen Länder der Welt. Im Frühjahr war erst der Süden Japans getroffen worden. Dabei hatte es Tote und schwere Schäden gegeben.

Im Fernsehen konnten die Bewohner am Dienstag live über eine Kamera eines Militärhubschraubers, der direkt über der Atomruine Fukushima kreiste, mit ansehen, wie die Flutwellen an die Küste schwappen. Doch die sind bei weitem nicht so hoch wie bei der Katastrophe 2011. Auch zeigt das Fernsehen Bilder eines Geschäfts, in dem die Waren aus den Regalen stürzte. Doch größere Schäden bleiben an diesem Tag aus. Dennoch hat das Beben den Inselbewohnern erneut gezeigt, welche Gefahren auf sie lauern. Starke Erdbeben können jederzeit kommen. Die nationale Wetterbehörde warnte die Menschen an der Pazifikküste vor möglichen weiteren Nachbeben in den nächsten Tagen. Und irgendwann, das fürchten viele, wird ein schweres Erdbeben auch Tokio treffen.

Schwere Erdbeben in Japan

Die verheerendste Erdbebenkatastrophe erlebte Japan im Jahr 1923, als Erdstöße der Stärke 7,9 Tokio und weite Teile Yokohamas in Schutt und Asche legten. Mehr als 140.000 Menschen kamen damals um. Andere schwere Beben:

März 2011: Ein Erdbeben der Stärke 9,0 und der folgende Tsunami reißen fast 19.000 Menschen in den Tod. Die Naturgewalten stürzen den Staat außerdem in eine atomare Katastrophe. Betroffen ist vor allem das Atomkraftwerk Fukushima.

Juni 2008: 13 Menschen kommen im Nordosten des Inselreichs bei einem Beben der Stärke 6,9 ums Leben. Mehr als 300 werden verletzt, fast 400 Gebäude beschädigt.

Juli 2007: Ein Beben der Stärke 6,6 reißt in den Provinzen Niigata und Nagano im Nordwesten zehn Menschen in den Tod und verursacht ein Leck in einem Atomkraftwerk. Radioaktiv verseuchtes Wasser fließt ins Meer.

Oktober 2004: Bei Erdstößen der Stärke 6,8 sterben in der Provinz Niigata 39 Menschen. In vielen Orten gibt es gewaltige Erdrutsche.

Januar 1995: Auf der Insel Honshu sterben bei einem Beben der Stärke 7,3 über 6400 Menschen. Mehr als 40.000 werden verletzt, über 240.000 Gebäude zerstört oder beschädigt. Besonders betroffen ist die Stadt Kobe.

Die Atomkatastrophe von Fukushima in Zahlen

Ein schweres Erdbeben und eine riesige Flutwelle haben am 11. März 2011 zum Atomunfall von Fukushima in Japan geführt. Die Katastrophe in Zahlen:

  • Eine Stärke von 9,0 erreichte das Beben. Damit war es das bisher schwerste in Japans Geschichte.
  • Bis zu 30 Meter hoch war der Tsunami, der mehr als 260 Küstenstädte verwüstete.
  • Mehr als 18.000 Menschen kamen durch die Flutwelle ums Leben oder werden bis heute vermisst.
  • Mehr als 1 Million Häuser wurden zerstört oder beschädigt.
  • Auf rund 210 Milliarden US-Dollar (ca. 190 Mrd. Euro) wurden die originären Schäden geschätzt.
  • Mehr als 100.000 Menschen mussten nach der Reaktorkatastrophe wegen der Strahlenbelastung in der Region ihre Häuser verlassen.
  • 30 bis 40 Jahre kann es nach Angaben des Fukushima-Betreibers Tepco dauern, bis das Kraftwerk endgültig gesichert ist.

dpa

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