Verwüstungen in Haiti

Hurrikan "Matthew" stürmt durch die Karibik

Im Westen von Haiti und Teile der benachbarten Dominikanischen Republik standen zahlreiche Straßen unter Wasser, Bäume und Strommasten knickten um. Foto: Bahare Khodabande
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Im Westen von Haiti und Teile der benachbarten Dominikanischen Republik standen zahlreiche Straßen unter Wasser, Bäume und Strommasten knickten um. Foto: Bahare Khodabande
Vier Menschen kamen in Haiti ums Leben. Auch in der Dominikanischen Republik wurden nach Angaben des örtlichen Zivilschutzes vier Personen getötet. Mehr als 20 000 Menschen mussten dort ihre Häuser verlassen. Foto: Orlando Barria
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Vier Menschen kamen in Haiti ums Leben. Auch in der Dominikanischen Republik wurden nach Angaben des örtlichen Zivilschutzes vier Personen getötet. Mehr als 20 000 Menschen mussten dort ihre Häuser verlassen. Foto: Orlando Barria
Satellitenbild des Hurrikans über der Karibik vom Montag dem 4. Oktober. Das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen warnte, mehr als vier Millionen Kinder könnten von den Auswirkungen von "Matthew" betroffen sein. Foto: Eumetsat
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Satellitenbild des Hurrikans über der Karibik vom Montag dem 4. Oktober. Das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen warnte, mehr als vier Millionen Kinder könnten von den Auswirkungen von "Matthew" betroffen sein. Foto: Eumetsat
"Matthew" sollte nach der Prognose des US-Hurrikan-Zentrums am Donnerstag die Bahamas streifen und am Freitag an der Ostküste des US-Bundesstaats Florida vorbeiziehen. Foto: Orlando Barria
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"Matthew" sollte nach der Prognose des US-Hurrikan-Zentrums am Donnerstag die Bahamas streifen und am Freitag an der Ostküste des US-Bundesstaats Florida vorbeiziehen. Foto: Orlando Barria
Die Anwohner vom kubanischen Baracoa begutachten die aufgewühlte Karibische See. Mit Windgeschwindigkeiten von mehr als 220 Kilometern pro Stunde ist Hurrikan "Matthew" auf den äußersten Osten von Kuba getroffen. Foto: Alejandro Ernesto
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Die Anwohner vom kubanischen Baracoa begutachten die aufgewühlte Karibische See. Mit Windgeschwindigkeiten von mehr als 220 Kilometern pro Stunde ist Hurrikan "Matthew" auf den äußersten Osten von Kuba getroffen. Foto: Alejandro Ernesto
Überschwemmte Straße auf Haiti. Die wichtigste Brücke zwischen Haitis Hauptstadt Port-au-Prince und den Departments im Süden stürzte ein. Häuser und Felder wurden beschädigt. Foto: Bahare Khodabande
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Überschwemmte Straße auf Haiti. Die wichtigste Brücke zwischen Haitis Hauptstadt Port-au-Prince und den Departments im Süden stürzte ein. Häuser und Felder wurden beschädigt. Foto: Bahare Khodabande

Ein mächtiger Wirbelsturm bringt in Haiti, der Dominikanischen Republik und Kuba viel Regen und heftigen Wind. Im ohnehin katastrophengeplagten Haiti werden viele Tote befürchtet. Auch der Südosten der USA bereitet sich auf "Matthew" vor.

Baracoa (dpa) - Nach Verwüstungen und Toten auf mehreren karibischen Inseln nimmt Hurrikan "Matthew" Kurs auf die Bahamas und die US-Küste. Rund 1,3 Millionen Menschen mussten auf Kuba ihre Häuser verlassen. Für Haiti sagte die Europäische Union bereits 255 000 Euro Soforthilfe zu.

Der Sender CNN berichtete, dass es allein im Bundesstaat South Carolina nötig werden könnte, bis zu eine Million Menschen in Sicherheit zu bringen.

Hurrikan-Warnungen galten laut dem US-Hurrikan-Zentrum in Miami auch weiter für Haiti und Teile Kubas. Am Dienstagabend war "Matthew" mit Windgeschwindigkeiten von mehr als 220 Kilometern pro Stunde auf den äußersten Osten von Kuba getroffen.

"Wir haben Wellen von drei bis vier Metern Höhe. Außerdem heftigen Regen und leichte Überschwemmungen", sagte der Leiter des Zivilschutzes der kubanischen Stadt Baracoa, Tony Matos. Bäume stürzten um, Straßen wurden überschwemmt. Die kubanischen Behörden hatten die Bevölkerung in der Küstenregion aber bereits seit Tagen auf den Wirbelsturm vorbereitet. Die US-Streitkräfte zogen Teile ihres Personals von der Militärbasis Guantánamo ab.

Zuvor war "Matthew" über den Westen von Haiti und Teile der benachbarten Dominikanischen Republik gepflügt. Zahlreiche Straßen standen unter Wasser, Bäume und Strommasten knickten um. Die wichtigste Brücke zwischen Haitis Hauptstadt Port-au-Prince und den Departments im Süden stürzte ein. Häuser und Felder wurden beschädigt. Tausende suchten Schutz vor Wind und Regen.

Zelte und Wellblechhütten, in denen zahllose Menschen seit dem verheerenden Erdbeben von 2010 gelebt hätten, seien einfach "weggeblasen" worden, berichtete der Leiter der deutschen Hilfsorganisation Humedica, Wolfgang Groß, aus Port-au-Prince dem Sender SWRinfo.

Nach Angaben des Radiosenders Metropole kamen drei Menschen in Haiti ums Leben. Die Regierung rechnete aber mit einer höheren Opferzahl. "Wir haben schon Tote gesehen: Menschen, die draußen auf See waren. Es gibt Vermisste. Es gab Leute, die die Warnungen ignorierten", sagte Haitis Interimspräsident Jocelerme Privert nach Angaben des US-Senders CNN.

In Haiti wurde mit schweren Schäden gerechnet. "Viele Regionen wurden stark gerodet. Der Hurrikan bringt mit bis 600 Millimeter pro Quadratmeter extreme Regenmengen mit, so dass neben Sturmschäden vor allem die Gefahr von Überschwemmungen und Erdrutschen extrem hoch ist", sagte der Leiter der Auslandshilfe des Arbeiter-Samariter-Bunds (ABS), Carsten Stork.

In dem völlig verarmten Karibikstaat wurden nach Angaben der Vereinten Nationen 1300 Notunterkünfte mit Kapazität für 340 000 Menschen eingerichtet. Allerdings sei fraglich, ob die Evakuierungszentren dem anhaltenden heftigen Sturm standhalten könnten. Die Europäische Union gibt 255 000 Euro Soforthilfe, auch das Caritas-Hilfswerk sagte der Region unmittelbare Unterstützung in Form eines Hilfsfonds zu.

Das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen warnte, mehr als vier Millionen Kinder könnten von den Auswirkungen von "Matthew" betroffen sein. "Das ist der schlimmste Sturm in Haiti seit Jahrzehnten und die Schäden werden zweifellos beträchtlich sein", sagte der örtliche Unicef-Vertreter Marc Vincent. Ein weiteres großes Problem könnte sich für das Land nach dem Sturm ergeben: Das viele stehende Wasser bildet eine perfekte Grundlage für die Ausbreitung von Seuchen.

Fraglich war, ob das Land angesichts der Verwüstungen die für kommenden Sonntag angesetzten Präsidentenwahlen abhalten kann. Sollte die Abstimmung abgesagt werden, sind Unruhen zu befürchten. Haiti ist politisch äußerst instabil, das Ergebnis der letzten Wahl wurde wegen Manipulationsvorwürfen annulliert.

Auch in der Dominikanischen Republik wurden nach Angaben des örtlichen Zivilschutzes vier Personen getötet. Auch auf der Inselgruppe St. Vincent und die Grenadinen soll ein Teenager laut CNN bei einem von den Ausläufern "Matthews" verursachten Erdrutsch ums Leben gekommen sein.

Der Wirbelsturm sollte nach der Prognose des US-Hurrikan-Zentrums noch die Bahamas erreichen und am Donnerstagabend nah an der Ostküste des US-Bundesstaats Florida vorbeiziehen. In Florida und South Carolina sowie Teilen von Georgia und North Carolina verhängten die Behörden den Notstand. US-Präsident Barack Obama sagte eine für heute geplante Wahlkampfveranstaltung in Florida ab. Er wollte sich stattdessen im Hauptquartier der nationalen Katastrophenschutzbehörde FEMA über die Vorbereitungen informieren.

Mitteilung US-Hurrikan-Zentrum

Zivilschutz Haiti auf Twitter

Mitteilung Zivilschutz Haiti zu Toten

Bericht Radio Metropole

Mitteilung UN

Zivilschutz Dominikanische Republik auf Twitter

Mitteilung Unicef

CNN Bericht

CNN Bericht zu US-Küste

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