Mutter von Feuerteufel erhebt Foltervorwüfe 

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Mit diesem Bild fahndete die Polizei von Los Angeles nach dem deutschen Feuerteufel.

Los Angeles- Die Deutsche, deren Sohn in Los Angeles Dutzende Brände gelegt haben soll, wirft der deutschen und der US-amerikanischen Polizei Misshandlung und Folter in Deutschland vor.

Vier Tage hielt eine Brandserie Hollywood in Atem, dann schien der Fall geklärt. Ein junger Deutscher wurde festgenommen und die Brände hörten schlagartig auf. Doch der Fall wird immer bizarrer. Von Folterung durch die Polizei in Deutschland berichtet die Mutter des Verdächtigen und redet von Nazis, die alles kontrollierten. Die US-Amerikaner sehen die Vorwürfe des psychisch kranken 24-Jährigen und seiner 53 Jahre alten Mutter mit großer Skepsis - und hören doch genau hin.

Am vorletzten Tag des Jahres 2011 hatte in Hollywood zunächst ein Auto gebrannt. Später waren es auch Garagen und Wohnhäuser. 52 Feuer ordneten die Ermittler dem zunächst unbekannten Brandstifter zu. Verletzt wurde niemand, aber der Schaden wird mit drei Millionen Dollar (2,3 Millionen Euro) beziffert. Schon vier Tage später wurde ein junger Mann verhaftet. Der 24-Jährige habe die Brände aus Wut gelegt, hieß es. Aus Wut, weil seine Mutter nach Deutschland abgeschoben werden sollte.

Der 24-Jährige hat in seinem jungen Leben schon viel ansehen müssen. Im armen Tschetschenien wuchs er auf und erlebte als Kind den Einmarsch der Russen. Später lebte er mit seiner Mutter in Frankfurt und wurde auch deutscher Staatsbürger, ein Teil der deutschen Gesellschaft aber nie. Vorbehalte gegenüber Einwanderern mögen eine Rolle gespielt haben, es lag aber auch an dem jungen Einwanderer selbst: Der Junge ist nach Angaben seiner Mutter autistisch.

Doch auch die 53-Jährige hatte Probleme und beide verließen das Land wieder. Weil sie verfolgt würden, sagt sie. Weil sie wegen 19 Straftaten, vor allem Betrug, gesucht wird, sagen die Behörden. In Kanada wollten beide Asyl - wegen Folter in Deutschland: “Die Wärter haben mich nachts aus der Zelle in einen Keller gebracht“, zitiert die “Los Angeles Times“ die Mutter aus den Akten. “Dann haben sie mich ausgezogen und mit Stromschlägen gefoltert. Sie wollten, dass ich ein Geständnis unterschreibe und alles zugebe, was sie mir vorwerfen.“

Die Kanadier schenkten dem ebenso wenig Glauben wie die US-Beamten. So bizarr klang dies alles, dass sie nicht einmal bei den deutschen Kollegen nachfragten. Es zeigt sich das tragische Bild zweier Menschen, die sich in einen Verfolgungswahn gesteigert haben. So schlief der 24-Jährige auf einer Matratze, die er aus Angst vor Eindringlingen gegen die Tür geschoben hatte. Und auch die Mutter sagte vor Gericht in Los Angeles, sie und ihr Sohn seien auf der Flucht vor Nazis, die heimlich Deutschland steuern und den beiden nach dem Leben trachteten.

Die Amerikaner schütteln darüber den Kopf, zumal die Mutter auch der Polizei dort gleich Misshandlung vorwarf. “Aber vielleicht ist doch nicht alles eingebildet“, überlegt die “LA Times“, schließlich seien in Deutschland “Diskriminierung und Belästigung von Russlanddeutschen weit verbreitet“. Die Justiz ist da skeptischer: Als die Frau sich vor Gericht als Naziopfer ausgab, herrschte Richterin Margaret Nagle sie an, sie solle sich setzen: “Das ist hier kein Theaterstück!“.

In drei Ländern interessiert sich die Justiz nun für Mutter und Sohn, denn auch in Kanada könnten Brandstiftungen auf das Konto der beiden gehen. In den USA ist sogar eine Mordanklage möglich, weil schlafende Menschen in Gefahr waren. Und ein abgebranntes Fachwerkhaus in Nordhessen könnte auch eine Verbindung nach Hollywood haben: Die Marburger Staatsanwalt prüft, ob der Sohn im Oktober kurz nach Deutschland gekommen war, um das Haus wegen eines Versicherungsbetruges anzuzünden.

dpa

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