Mexikos Umgang mit Guzmán

Wann wird "El Chapo" ausgeliefert?

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Joaquín „El Chapo“ Guzmán bei seiner Festnahme in einem Hotel in Los Mochis im Nordwesten Mexikos.

Mexiko-Stadt - Nach der erneuten Festnahme des mexikanischen Drogenbosses Guzmán soll dieser an die USA überstellt werden. Das dürfte aber dauern.

Die mexikanische Generalstaatsanwältin Arely Gómez befürwortet eine Auslieferung des Drogenbosses Joaquín „El Chapo“ Guzmán an die Vereinigten Staaten. „Es gibt Personen, die bereits festgenommen sind, aber nichts mehr zu den Ermittlungen der Generalstaatsanwaltschaft beitragen können, während sie in anderen Ländern noch von Nutzen sein können“, sagte Gómez am Montag im Radiosender Fórmula.

Die Vereinigten Staaten haben die Auslieferung des Chefs des Sinaloa-Kartells beantragt. Die US-Behörden werfen ihm unter anderem Mord, Drogenhandel, Bildung einer kriminellen Vereinigung und Geldwäsche vor. Guzmán kann nun Einspruch gegen die Auslieferung einlegen. Nach dem juristischen Prozedere liegt das letzte Wort beim mexikanischen Außenministerium.

Die Überstellung dürfte mindestens ein Jahr dauern. „Wir haben schon Verfahren gehabt, die vier, sechs Jahre gedauert haben, abhängig von den Rechtsmitteln, die die Verteidigung einlegt“, sagte der Abteilungsleiter für internationale Verfahren der mexikanischen Generalstaatsanwaltschaft, José Manuel Merino.

Denkbar wäre auch eine vorübergehende Auslieferung, bei der Guzmán an die USA überstellt und dort vor Gericht gebracht wird. Danach müsste er für die noch anhängigen Prozesse wieder nach Mexiko geschickt werden. Dieses Verfahren haben die US-Behörden bislang aber nicht beantragt.

Nach seinem spektakulären Ausbruch aus einem Hochsicherheitsgefängnis vor einem halben Jahr war „El Chapo“ am Freitag erneut gefasst worden. Bei dem Einsatz in der Stadt Los Mochis im Westen des Landes kamen fünf mutmaßliche Bandenmitglieder ums Leben, sechs weitere wurden festgenommen. Ein Soldat wurde angeschossen.

Der Fernsehsender Televisa zeigte am Montag Videoaufnahmen, die ein Marineinfanterist bei der „Operation Schwarzer Schwan“ mit einer Kopfkamera gemacht hatte. Darauf ist zu sehen, mit welch starker Gegenwehr die Soldaten zu kämpfen hatten. Bei dem Zugriff in einem Haus geraten sie immer wieder unter heftigen Beschuss.

Guzmán und sein lokaler Statthalter Iván „El Cholo“ Gastélum konnten zunächst noch durch die Kanalisation fliehen und ein Auto stehlen. Später wurden sie jedoch an einer Ausfallstraße gefasst und in ein Motel gebracht, wo die Sicherheitskräfte auf Verstärkung warteten.

Nach der Festnahme veröffentlichte die Zeitschrift „Rolling Stone“ ein Interview, das Sean Penn und Kate de Castillo im Oktober vergangenen Jahres mit „El Chapo“ geführt hatten. Die Kommunikation zwischen den Schauspielern und den Anwälten von Guzmán half nach Angaben der Ermittler bei der Ortung des Drogenbosses.

Wegen ihres Kontakts zu „El Chapo“ wird jetzt aber auch gegen Penn und De Castillo ermittelt. „Wir müssen sehen, welche Absprachen bei den Treffen gemacht wurden“, sagte Generalstaatsanwältin Gómez. „Das kann ein kleines Vergehen wie Begünstigung oder auch etwas Schwerwiegendes sein.“

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dpa

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