Forsa-Umfrage

Fast ein Viertel der Lehrer werden bedroht und beschimpft

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Beunruhigende Zahlen. Lehrer stehen immer häufiger am Pranger und werden Opfer von Gewalt und Beschimpfungen.

München - Fast ein Viertel der Lehrer in Deutschland ist nach eigenen Angaben schon einmal beschimpft, bedroht und gemobbt worden. Das ergab eine Umfrage.

23 Prozent gaben einer Forsa-Umfrage zufolge an, dass sie an ihrer Schule selbst Opfer psychischer Gewalt durch Schüler, Eltern oder Kollegen geworden seien, wie der Verband Bildung und Erziehung (VBE) am Montag in Düsseldorf mitteilte. Sechs Prozent Prozent wurden sogar schon körperlich angegriffen.

Insgesamt berichtete rund jeder fünfte befragte Lehrer (21 Prozent) von Fällen körperlicher Gewalt gegen Kollegen in den vergangenen fünf Jahren, etwa durch Schlagen, Treten, Boxen oder geworfene Gegenstände. Mehr als jedem Zweiten (55 Prozent) sind aus den vergangenen Jahren Bedrohungen, Beleidigungen und andere psychische Attacken gegen Lehrer bekannt.

Gewalt geht hauptsächlich von Schülern aus

In erster Linie ging die Gewalt demnach von Schülern aus. Das Risiko, angegriffen zu werden, ist von Schulform zu Schulform aber offenbar unterschiedlich. Von psychischer Gewalt wurde demnach am häufigsten an Förder- und Sonderschulen sowie an Hauptschulen berichtet, von körperlichen Übergriffen an Förder- und Sonderschulen sowie an Grundschulen. Die wenigsten Vorfälle gibt es demnach an Gymnasien.

Der VBE sprach von einem "Alarmsignal". Gewalt gegen Lehrkräfte dürfe nicht als deren Privatproblem abgetan werden. "Es ist skandalös, so zu tun, als sei es Bestandteil des Berufs, sich beleidigen, belästigen und körperlich angreifen zu lassen", erklärte der Verbandsvorsitzende Udo Beckmann.

Das Problem werde viel zu oft klein geredet. Wenn sechs Prozent von eigenen körperlichen Gewalterfahrungen berichteten, dann entspreche dies 45.000 Lehrern von insgesamt knapp 755.000 an allgemeinbildenden Schulen. Dies seien keine Einzelfälle, kritisierte Beckmann.

Gewalt an Lehrer bleibt Tabuthema

Auch Cybermobbing wird der Umfrage zufolge ein immer größeres Phänomen. 77 Prozent der Lehrer sehen eine Zunahme von Mobbing über das Internet. Fast jeder Dritte berichtete von Fällen an der Schule. Selbst betroffen waren aber nur zwei Prozent der Befragten.

Viele Lehrer halten Gewalt an der Schule immer noch für ein Tabuthema. 15 Prozent gaben an, dass sie bei psychischen Attacken durch Schüler nichts unternahmen, bei Angriffen von Eltern verzichteten sogar 35 Prozent auf eine Meldung. Dem Verband zufolge stecken dahinter häufig fehlende Unterstützung der Verantwortlichen, Zweifel an den Erfolgsaussichten und Angst vor Konsequenzen.

Der VBE forderte daher eine verpflichtende Dokumentation von Vorfällen, "die volle Unterstützung des Dienstherrn" sowie ein breites Fortbildungsangebot. Befragt worden waren vom 19. September bis 25. Oktober bundesweit insgesamt etwa 1950 Lehrer.

afp

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