Unesco-Welterbe

Opernhaus in Bayreuth wird restauriert

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Die Restauratorin Melissa Speckhardt erläutert im Markgräflichen Opernhaus in Bayreuth an den Logenbrüstungen den Zustand vor und nach abgeschlossener Konservierung.

Bayreuth - Das Markgräfliche Opernhaus in Bayreuth gehört zum Weltkulturerbe der Unesco. Seit 2012 wird das hinter einer schlichten Sandsteinfassade verborgene barocke Schmuckstück restauriert - eine Mammutaufgabe.

Die Pracht des Markgräflichen Opernhauses in Bayreuth lässt sich zurzeit nur erahnen. Der Zuschauerraum mit seinen Logen ist komplett eingerüstet, Belüftungsanlagen und Werkzeugtische sind aufgebaut. Seit vier Jahren wird das Barocktheater, Teil des Unesco-Weltkulturerbes, saniert. Im Frühjahr 2018 soll die Großbaustelle beendet sein - pünktlich zum 270. Geburtstag des 1748 eröffneten Opernhauses. Eigentlich sollten die Arbeiten schon früher fertig sein, doch nach einem Wasserrohrbruch musste die Wiedereröffnung verschoben werden. Die Sanierung kostet rund 32,3 Millionen Euro.

Elf Restauratoren versetzen die wertvollen Malereien in ihren Ursprungszustand zurück - auf etwa 2500 Quadratmetern Fläche, wie Chef-Restauratorin Melissa Speckhardt schätzt. Mit kleinen Schwämmen reinigen die Fachleute Zentimeter um Zentimeter und bessern einzelne Stellen mit schmalen Pinselstrichen behutsam aus. Es ist ein Mammutprojekt. „Etwa 40 Arbeitsstunden pro Quadratmeter.“

Originale werden freigelegt

In den 1930er und -70er Jahren wurden die Gemälde übermalt und in den 1960er Jahren mit Holzschutzmittel besprüht. Sie sollten geschützt und die Holzkonstruktion des Zuschauerraumes vor Ungeziefer bewahrt werden. Das wäre jedoch gar nicht notwendig gewesen, denn: „Es gibt nur minimale Spuren eines ehemaligen Insektenbefalls.“ Auch die Übermalungen hält die Expertin für unnötig. „Die originale Malerei auf Leinwand und Holz ist hervorragend erhalten.“ Nun soll sie freigelegt und so konserviert werden.

An einigen Stellen habe die später aufgetragene Farbe den Originalen sogar geschadet: „Die dick aufgetragenen Farb- und Bindemittelschichten verursachen eine hohe Spannung und reißen die untersten Schichten bis auf das Holz mit ab.“ Die Restauratoren tauchen ihre Schwämme in ethylacetathaltiges Lösungsmittel und tupfen die neueren Farbschichten ab. Das erfordert Fingerspitzengefühl und Erfahrung, schließlich soll die unterste Farbschicht erhalten bleiben.

Für die freiberuflichen Restauratoren - Melissa Speckhardt leitet das Team gemeinsam mit ihrem Kollegen Martin Hess - bedeutet die staatliche Großbaustelle für mehrere Jahre eine sichere Auftragslage bei einem guten Stundensatz. So gesehen sei es ein Traumjob, sagt Speckhardt. Andererseits wiederholen sich viele Arbeitsgänge auf den riesengroßen Flächen und werden dadurch monoton. Und: „Im Logenhaus gibt es kein Tageslicht, man trägt Schutzanzug und Maske und die Lüftungsanlage macht Lärm.“

Ohne diese Sicherheitsvorkehrungen wäre die Arbeit jedoch gar nicht möglich. Die Dämpfe des einstmals tonnenweise aufgetragenen Holzschutzmittels gefährden die Gesundheit. Die Raumtemperatur soll nicht mehr als 22 Grad betragen. Die Blutwerte der Restauratoren werden vom Arbeitsmedizinischen Dienst regelmäßig überprüft. Der Job erfordert Idealismus.

"Nutzungsspuren großartig"

Belohnt werden die Handwerker mit dem Ergebnis, das jeden Tag wächst. Quadratmeter für Quadratmeter kommen die Originalmalereien zum Vorschein. Die ursprünglich matten und deshalb empfindlichen Oberflächen sind insbesondere innerhalb der Logen abgerieben oder verrußt vom einstigen Kerzenlicht. „Wir finden die Nutzungsspuren ganz großartig“, sagt Speckhardt. „Die Geschichte des Hauses soll wieder lebendig werden. Hier waren Leute drin, die sich über die Brüstung oder an die Rückwände gelehnt haben. Hier wurde früher gegessen. Das alles kann man an den Spuren sehen.“ Durch Überpinseln werde das Original vernichtet.

Die promovierte Restauratorin ist gespannt, wie die Besucher auf das neue alte Opernhaus reagieren werden. Die Menschen von diesem Restaurierungs- und Konservierungskonzept zu überzeugen, sei nicht ganz einfach. Da werde es sicher Erklärungsbedarf geben, vermutet sie. „Anderswo glitzert und glänzt alles nach der Restaurierung.“ Im Opernhaus in Bayreuth nicht. Deswegen könne es durchaus passieren, dass die Leute zunächst enttäuscht seien. Denn: „Hier erstrahlt nichts in neuem Glanz.“

Hintergrund: Markgräfin Wilhelmine von Bayreuth

Das Markgräfliche Opernhaus in Bayreuth wurde von 1744 bis 1748 gebaut. Seit 2012 gehört es zum Unesco-Weltkulturerbe und gilt europaweit als einer der wenigen Theaterbauten dieser Zeit, die nahezu vollständig erhalten sind. Bauherrin war Markgräfin Wilhelmine von Bayreuth (1709-1758), eine Schwester Friedrichs des Großen. Sie hatte das Opernhaus anlässlich der Hochzeit ihrer Tochter Elisabeth 1748 einweihen lassen.

Wilhelmine war nach ihrer Hochzeit mit Markgraf Friedrich von Brandenburg-Bayreuth zunächst nicht begeistert vom Landleben in Franken. Die Preußen-Prinzessin war schockiert von dem in die Jahre gekommenen Schloss, in dem es am Himmelbett nicht einmal Vorhänge gab, wie sie in ihren Memoiren klagt.

In gut 20 Jahren erschuf sie sich in und um Bayreuth ein kleines Potsdam mit einem Schloss, der Parkanlage Eremitage samt Orangerie und Wasserspielen, dem Opernhaus, dem Felsengarten Sanspareil und der Sommerresidenz Schloss Fantaisie. Die schöngeistige Markgräfin gab zudem mit ihrem Mann den Anstoß für die Errichtung der Universität Erlangen-Nürnberg, sie musizierte, komponierte, schrieb Opernlibretti und pflegte eine enge Freundschaft mit Voltaire.

Gut 100 Jahre nach dem Tod Wilhelmines entdeckte Richard Wagner - auf der Suche nach einer Spielstätte - das Opernhaus in Bayreuth. Es schien ihm dann zwar doch nicht geeignet, doch er fand Gefallen an der Stadt und errichtete dort sein eigenes Festspielhaus.

dpa

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