Liebespaare zerrissen vom Bürgerkrieg

Leere Granate als Blumenvase: Valentinstag in Aleppo

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Alltag in Aleppo: Zerstörte Straßenzüge nach Luftangriffen auf die Stadt.

Aleppo - Valentinstag im syrischen Bürgerkrieg: Zahlreiche Liebende, die durch die Kämpfe getrennt worden sind, verbringen den Tag allein. Geschichten aus Aleppo.

In der umkämpften Stadt Aleppo hofft der 20-jährige Amir al-Halabi, seine Freundin Ranim zumindest über den Internetdienst Skype wiederzusehen. "Wir sind seit sechs Jahren verliebt", berichtet Amir, der im von Rebellen kontrollierten Ostteil der Stadt als Fotojournalist arbeitet.

"2010 und 2011 haben wir den Valentinstag noch zusammen gefeiert", erzählt Amir. Aber seit der Teilung der Stadt hat er seine Freundin nur noch auf Skype gesehen - Ranim sitzt im von den Regierungstruppen kontrollierten Westteil der Stadt fest. In diesem Jahr soll sie aber immerhin eine kleine Überraschung bekommen, die ein Freund über die Grenze geschmuggelt hat. Auf ihre Reaktion ist Amir sehr gespannt: "Ich hoffe, dass die Internetverbindung gut ist."

In einem Armeeposten außerhalb der belagerten Stadt Duma hat der Regierungssoldat Dschihad al-Aschkar den Namen seiner Frau Hijam in den Holzgriff seiner Waffe geschnitzt. Jetzt will er ihr davon ein Foto schicken. Bisher habe er den Valentinstag immer ignoriert, verrät der Soldat. Aber durch die Trennung von seiner Frau sei ihm die "Schönheit" dieses Tages bewusst geworden. Also habe er sich überlegt, ihr ein Foto zu schicken - "um sie glücklich zu machen".

Im Nebenraum will der 24-jährige Abdel Rahman eine leere Granate zur Blumenvase umfunktionieren. Er habe einmal einen Film gesehen, in dem der Held eine Granate mit Blumen gefüllt und seiner Freundin geschenkt habe. "Das will ich auch machen", erzählt der Soldat. Anders als viele andere kann er das Geschenk sogar persönlich überbringen. Er hat rechtzeitig Urlaub beantragt, um seine Liebste in der einstigen Rebellenhochburg Homs zu überraschen.
AFP

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