BKK-Studie

Ärzte verschreiben Antibiotika fast immer auf Verdacht

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Machen selten Antibiogramme: Ärzte verschreiben Antibiotika oft ohne Test.

Ärzte verschreiben ihren Patienten Antibiotika fast immer, ohne vorher einen Test durchzuführen. Das geht aus einer Studie der Krankenkassen hervor. Doch unter den Fachmedizinern gibt es große Unterschiede. 

Ärzte verschreiben ihren Patienten laut einer Krankenkassenstudie Antibiotika fast immer auf Verdacht. In 95 Prozent der Fälle verordnen Mediziner Antibiotika, ohne vorab durch einen Abstrich deren Wirksamkeit zu klären, wie die Zeitungen der Funke Mediengruppe am Freitag unter Berufung auf eine Erhebung der Betriebskrankenkassen Nordwest und Mitte berichteten. 

Vor allem Allgemeinmediziner verschreiben Antibiotika ohne genaue Untersuchung

Anhand eines Abstrichs beim Patienten - ein sogenanntes Antibiogramm - kann binnen 48 Stunden festgestellt werden, welches Antibiotikum die Infektion ausschalten kann. Umgekehrt zeigt der Test auch, auf welches Mittel verzichtet werden kann, weil die Keime dagegen bereits unempfindlich sind. Die BKK-Landesverbände werteten für ihre Erhebung die Daten von rund sieben Millionen Versicherten in 13 Bundesländern aus. Nur bei 3,6 Prozent der Patienten mit Infektionen wurde demnach vor der Antibiotika-Verschreibung ein Test vorgenommen. 

Am häufigsten wird das Antibiogramm demnach in der Urologie eingesetzt. Bei rund 207.000 Infektionen und damit in annähernd jedem vierten Fall veranlassten Urologen den Test. Bei den Internisten kamen der Studie zufolge auf fast 119.000 Infektionsfälle nur 30 Antibiogramme, bei den Allgemeinmedizinern fanden die BKK-Prüfer lediglich 15 unter mehr als 350.000 mit Antibiotika behandelten Infektionen, bei denen zuvor getestet worden war. Als Gründe für den weitgehenden Verzicht auf Antbiogramme nannten Ärzte nach BKK-Angaben die Erwartung einzelner Patienten an eine schnelle Antibiotikaverordnung, den zusätzlichen Zeitaufwand zum Beispiel für Urinproben, Unwissenheit, Sorge um Finanzierung der Untersuchung und das Vorliegen des Testergebnisses erst nach 48 Stunden. 

Antibiotika verlieren ihre Wirksamkeit

Der Bremer Gesundheitsexperte Gerd Glaeske sprach von einer "Therapie mit der Schrotflinte, breit gestreut statt zielgenau". Gerade bei Kindern, denen Antibiotika verschrieben werde, seien nur selten bakterielle Infektionen im Spiel. "Nur gegen solche Infekte helfen allerdings Antibiotika", sagte er der Mediengruppe. Antibiotikaresistenzen sind ein zunehmendes Problem vor allem in Krankenhäusern. Sie führen dazu, dass bakterielle Infektionen schwerer oder auch gar nicht mehr zu behandeln sind, weil Antibiotika ihre Wirksamkeit verlieren. Der übermäßige Einsatz von Antibiotika beim Menschen und in der Tiermast sowie eine unsachgemäße Einnahme der Medikamente fördert solche Resistenzbildungen.

AFP

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