Porsche und VW: Fragen und Antworten zum Übernahme-Deal

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    • 05.07.12
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Fragen & Antworten zum Übernahme-Deal

Hochzeit auf Umwegen: So kam es zur VW-Porsche-Ehe

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Wolfsburg - Auf dem Kurs in den Hafen der Ehe mussten die Dauerverlobten Porsche und VW etliche Klippen umschiffen. Hier gibt's alle Antworten auf Fragen rund um den umstrittenen Übernahme-Deal.

© dpa

Für VW und Porsche hat der Übernahme-Deal enorme steuerliche Vorteile.

Lange schien ihr Ziel zu fern. Nun zündet eine einzige Aktie den Hochzeits-Turbo zwischen VW und Porsche. Was wirtschaftlich ein Geschenk des Himmels ist, soll auch für mehr Jobsicherheit sorgen.

Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Europas größter Autobauer Volkswagen hat für die lange blockierte Komplettübernahme des Porsche-Sportwagengeschäfts eine Lösung gefunden. Der Deal ist aus Sicht der Unternehmen ein Meisterstück, das Wirtschaftsgeschichte schreiben dürfte. Fragen und Antworten zu einer Hochzeit der besonderen Art:

Was ist der größte Vorteil der neuen Situation?

Mehr Geld. Bisher waren VW und Porsche im Alltag beim Autobauen noch keine vollwertigen Partner, da das Sportwagengeschäft nicht zu 100 Prozent unter dem Dach der Wolfsburger stand. Aus rechtlichen Gründen war daher vieles unmöglich. So liefert VW etwa Motoren für den Porsche Cayenne und den Panamera - doch Freundschaftspreise sind dabei verboten, da Aktionäre dagegen klagen könnten. Das bedeutete enorme Bürokratie: Bei der Entwicklung des neuen Porsche Macan beispielsweise greifen die Schwaben ins VW-Regal. Eine Kommission muss dabei jeden Schritt absegnen, um die Rechtssicherheit zu wahren. Das hat jetzt ein Ende. “Die Synergiepotenziale können von nun an in vollem Umfang genutzt werden“, sagt Porsche-Chef Matthias Müller. Es geht um mindestens 700 Millionen Euro Einsparmöglichkeiten pro Jahr.

Was war die Ausgangslage?

Vor rund vier Jahren griff die Porsche-Dachgesellschaft Porsche SE (PSE) nach der Macht bei VW. Doch die Schwaben verhedderten sich bei dem Übernahmeversuch im Dickicht heikler Finanzgeschäfte und türmten 11,4 Milliarden Euro Schulden auf. Am Ende war ausgerechnet VW die letzte Rettung. Die bizarre Folge: Bis heute hält die PSE haarscharf die Mehrheit an VW, musste sich aus Geldnot aber schon von knapp der Hälfte ihrer Kronjuwelen trennen: Ende 2009 verkaufte die PSE 49,9 Prozent des Porsche-Sportwagengeschäfts aus der Porsche AG an VW. Die einstigen Kontrahenten einigten sich auf eine gemeinsame Zukunft.

Und woran hakte es dann so lange Zeit beim Zusammenschluss?

Anfangs hatte es eine Fusion geben sollen, also eine komplette Verschmelzung zu einem neuen Konzern. Doch milliardenschwere Klagen aus der Finanzwelt vereitelten diesen ursprünglichen Plan. Anleger im In- und Ausland fühlen sich rückblickend während des Übernahmekampfes fehlinformiert und fordern Milliarden an Wiedergutmachung. Dieses Klagerisiko hätte sich VW mit der Fusion aufgehalst. Daher kam Plan B ins Spiel, nur die noch fehlende Hälfte der Porsche AG zu übernehmen.

Warum griff dieser Notfallplan nicht?

Es gab ein Dilemma. Der Kauf der zweiten Hälfte hätte enorme Steuerlasten ausgelöst. Diese Hürde wäre erst nach einer Wartezeit bis Mitte 2014 gefallen. Eine rasche Umsetzung des Plan B hätte also wegen der Steuerlast - es ging um bis zu 1,5 Milliarden Euro - in keinem Verhältnis gestanden zu den so gewonnenen Sparmöglichkeiten. Daher ließ das Duo monatelang fieberhaft nach Alternativen suchen.

Was war des Rätsels Lösung?

Die Verschachtelung von VW und Porsche macht - vereinfacht gesagt - alle Beteiligten zu einem Großunternehmen. Damit greifen Bestimmungen aus dem Steuergesetz, die ein Riesenvorteil sind. VW darf den grundsätzlich steuerpflichtigen Kauf der noch ausstehenden Hälfte der Porsche AG als eine Umstrukturierung ausweisen. Die ist steuerfrei.

Wie genau funktioniert dieses Kunststück?

Normalerweise fließt bei einem Deal dieser Art kein Geld, sondern es werden Anteile getauscht. Für das Sportwagengeschäft hätten also eigentlich VW-Aktien zum Gegenwert fließen sollen. Nun aber wandert eben nur eine Aktie plus 4,46 Milliarden Euro in den Süden. Es ist nämlich erlaubt, den Umbau statt mit Anteilen auch mit Geld zu verrechnen und Aktien und Bares dabei in der Waagschale zu variieren. Einzige Bedingung: Der die Anteile übernehmende Partner - in diesem Fall die PSE - muss nach dem Deal die Mehrheit am anderen Partner haben. Doch die PSE hielt diese Mehrheit ja sowieso schon vorher. Die geniale Folge ist damit: Eine einzige Aktie spendet den Ehesegen.

Werden Steuern komplett vermieden?

VW-Finanzchef Hans Dieter Pötsch sprach von gut 100 Millionen Euro Transaktionssteuern. Sie fielen trotz des genutzten Schlupfloches an - VW und Porsche sprechen bei dieser Lösung übrigens von einem “beschleunigten Integrationsmodell“. Das alles sei keine Trickserei.

Was haben die Mitarbeiter davon?

VW-Konzernbetriebsratschef Bernd Osterloh sieht viele Vorteile: “Nicht zuletzt entstehen auch durch die Zusammenarbeit zwischen Volkswagen, Audi und Porsche neue Arbeitsplätze bei der Porsche AG. Und unser Werk in Osnabrück wird beispielsweise durch die Produktion des Boxster besser ausgelastet.“ Osterlohs Kollege bei Porsche, Uwe Hück, betont: “Die Vorteile aus dem Gesamtkonzern, ergänzt um die Vorteile durch unsere Eigenständigkeit, sind für Porsche eine großartige Basis für eine erfolgreiche Zukunft. Wir sind sehr froh, diese Lösung, von der alle profitieren werden, beschlossen zu haben.“

dpa

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