Das fängt ja gut an: Eigentlich habe die GDL die diesjährige Tarifrunde ja zügig abschließen wollen, lässt Gewerkschafts-Chef Claus Weselsky vor Beginn der Verhandlungen erklären. “Wenn sich die DB aber selbst beim ersten Angebot schon ziert, ist das kein gutes Zeichen.“ Seit Mittwoch sitzen die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) und die Deutsche Bahn nun zu neuen Tarifverhandlungen für rund 21 500 Lokführer zusammen.
Allein die Ankündigung weckt Erinnerungen an endlose Streikwellen, zermürbende Marathonverhandlungen, gescheiterte Schlichtungen, frustrierte Reisende. Stillstand auf der Schiene, so hieß es zuletzt in jeder Tarifrunde für die Lokführer. Der Konflikt mit der Deutschen Bahn 2007 dauerte fast ein Jahr. 2010 stand auch bei privaten Bahn-Konkurrenten alles still, häufig im morgendlichen Berufsverkehr. Müssen Millionen Bahnkunden jetzt wieder einen harten Tarifkampf befürchten? Diesmal könnte es einfacher werden, stellt Weselsky in Aussicht.
“In den letzten Runden hatten wir sehr komplexe Forderungen“, erläutert der Gewerkschafts-Chef. In einem fast ein Jahr dauernden Krimi hatten die Lokführer 2007/08 eine eigenständige Verhandlungsmacht erkämpft. In der nächsten Runde 2010/11 wurde mehr als neun Monate lang um einen Rahmentarifvertrag gestritten, also einheitliche Einkommen für alle Lokführer bei Deutscher Bahn und regionalen Bahnen. “Jetzt müssten wir nur über Prozente reden“, sagt Weselsky.
Die Forderung der Gewerkschaft sei “in der Marktsituation verankert“, betont Weselsky. Sieben Prozent mehr Gehalt - das fügt sich in die Tarifforderungen anderer großer Branchen ein. Die IG Metall verlangte im Februar ein Einkommensplus von 6,5 Prozent und erstritt 4,3 Prozent. In der Chemie-Industrie wurden 6 Prozent verlangt und 4,5 Prozent erreicht. “Da sind 7 Prozent keine utopisch hohe Forderung“, betont Weselsky.
Zur Begründung verweist die Gewerkschaft auch immer wieder auf den um 26 Prozent gestiegenen Gewinn der Deutschen Bahn und die Tarifrunde 2011, die mit einer Entgelterhöhung um zwei Prozent sehr moderat ausgefallen sei. Zugleich müssten viele Lokführer wegen eines permanenten Personalmangels ständig Überstunden machen - und das im Schichtdienst.
Sie seien bemüht, die Tarifrunde nicht von vornherein zu belasten, betonten die Lokführer vor dem Aufeinandertreffen. Auf ein wenig Säbelrasseln will die streikerprobte Gewerkschaft aber doch nicht verzichten. Und nach den Erfahrungen der vergangenen Jahre ist klar: Eskalieren die Verhandlungen, ist Chaos auf der Schiene programmiert.
dpa




