Wiesbaden - Als Gast bei einer Diskussion im hessischen Integrationsministerium hat Bundesbank-Vorstand Thilo Sarrazin an seiner Kritik an Integrations-unwilligen Ausländern festgehalten. Er bezeichnete seine provokannte Aussage als nötigen "Paukenschlag".

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Thilo Sarrazin.
Packt Thilo Sarrazin wieder die Verbalkeule aus? Die Frage steht unausgesprochen im Raum, als der Bundesbank-Vorstand am Dienstagabend den historischen Saal im Wiesbadener Integrationsministerium betritt. Dort ist der frühere Berliner Finanzsenator mit dem Hang zu markigen Sprüchen zu einer Diskussion über Chancen und Grenzen von Integration eingeladen. Mit abfälligen Äußerungen über “Kopftuchmädchen“ und Ausländer in Berlin hatte der 65-Jährige in den vergangenen Monaten für viel Empörung gesorgt. Doch Sarrazin gibt sich an diesem Abend meist zahm.
Mit stoischer Miene nimmt er neben dem türkischstämmigen Medienunternehmer Kenan Kubilay und Hessens Integrationsminister Jörg-Uwe Hahn (FDP) Platz. Von seinen Äußerungen, die manche als rassistisch empfunden haben, rückt er im Laufe der Diskussion nicht ab, auch wenn er einräumt: “Über den Tonfall kann man immer reden.“ Der 65-Jährige will seine provokanten Sätze als Weckruf verstanden wissen. “Das ist wie beim Paukenschlag bei Haydn. Irgendwann müssen die Leute auch mal aufwachen. Danach kann man wieder ein bisschen weiterdudeln“, sagt er nach der Veranstaltung.
Minister Hahn hat allerdings Zweifel, ob dies der Debatte um die Integrationspolitik insgesamt eher genutzt oder geschadet hat. Als Politiker weiß er, dass in einer Mediengesellschaft oft nur die lauten und schrillen Töne Gehör finden. Dennoch fragt er: “Ist eine solche Überspitzung deshalb vielleicht schädlich, weil sie diejenigen, die wir eigentlich willkommen heißen wollen, abschreckt?“ Diese These unterstreicht der Medienunternehmer Kubilay, der die Wortwahl Sarrazins als erniedrigend empfindet. “Es ist eine Beschimpfung“, sagt der Sohn eines Gastarbeiters, der seit mehr als vier Jahrzehnten in Deutschland lebt.
Er halte sich doch nur an Fakten, entgegnet Sarrazin in seiner schnoddrigen Art. Dann rattert er Zahlenkolonnen über den Bildungsstand von Migranten herunter, die eines belegen sollen: Türkischstämmige Jugendliche machen im Verhältnis zu anderen Migrantengruppen deutlich seltener das Abitur und bleiben häufiger ohne Berufsausbildung. Sarrazins Schlussfolgerung: Nach dem Kindergarten müsse jedes Kind Deutsch können. Ein Satz, den wohl auch die meisten seiner Gegner unterschreiben würden.
Nur an einigen Stellen blitzt bei Sarrazin, dessen Einladung nach Wiesbaden für viel Kritik bei der Opposition gesorgt hatte, wieder die Lust an der Provokation auf. Als er etwa darüber räsoniert, warum die Deutschkenntnisse vieler türkischer Migranten nicht ausreichend seien. Das liege unter anderem daran, dass diese per Satellitenschüssel meist nur türkisches Fernsehen schauten: “Ich verfluche geradezu diese Schüsseln. Hätten wir sie nicht, wären wir schon weiter mit der Integration.“
dpa
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