Dabei ist der bodenständige Familienvater gar nicht gern Respektsperson. Ältere Bürger, „die mich kennen, seit ich im Kinderwagen gelegen habe“, fragen den Herrn Bürgermeister jetzt vorsichtig, ob sie denn noch Du sagen dürften. Da hat der Verwaltungschef gar nichts dagegen. „Man sitzt als Bürgermeister wie in einem Kokon“, hat Grunwald im ersten Vierteljahr an der Spitze erfahren. „Viele trauen sich jetzt nicht mehr, mich anzusprechen.“
Dabei „bin ich doch ein Vereinsmeier“, sagt Grunwald, der auf Förmlichkeiten nicht so viel Wert legt. „Das muss ich noch lernen“, räumt der Bürgermeister ein. Als Mensch hat er sich nicht verändert durch den neuen Job. „Aber der Blick auf meine Person“, weiß Grunwald: „Das Ansehen ändert sich“.
Er möchte nicht nur Lob hören, sondern auch mal Kritik und wissen, wo seine Mitbürger der Schuh drückt. Kritik ist freilich selten zu hören am neuen Chef im Rathaus. Das hat sicher damit zu tun, dass er nicht versucht hat, das einst rote Rathaus nun schwarz anzustreichen. Der Christdemokrat hatte zu seinem Amtsantritt versprochen, kein parteipolitisches Personalkarussell anzustoßen und hat sich daran gehalten.
Am 15. Tag im neuen Amt wurde seine Tochter Josephine geboren, das dritte Kind der jungen Familie. Doch Zeit für die Liebsten bleibt derzeit wenig. Nach jedem Arbeitstag gibt es eine Menge Abendtermine, „ich war fast überall“. Und wenn er endlich nach Hause kam, „habe ich eine total entspannnte Familie vorgefunden“, freut sich der 35-Jährige. „Ich habe meine Frau unterschätzt“, sagt Christian Grunwald, „ich glaube, ich muss ihr eine Bronzestatue in den Garten stellen.“



























