Kinostart von Martin Campbells Film „Auftrag Rache“ mit Mel Gibson: Chronik eines angekündigten Amoklaufs

"Auftrag Rache": Chronik eines Amoklaufs

010.03.1010.03.10|Kino|
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Es ist die Chronik eines angekündigten Amoklaufes: „Auftrag Rache“. Nach fast achtjähriger Pause kehrt Mel Gibson als zu allem entschlossener Vater auf die Kinoleinwand zurück.

© ap

Rache für den Mord an der Tochter: Mel Gibson kehrt als Polizist Craven nach acht Jahren in einer größeren Rolle auf die Leinwand zurück.

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Die Entscheidungen, die man im Leben treffen muss, sind nicht leicht, aber einfach. So sieht das Polizist Thomas Craven, der sich nach der Ermordung seiner Tochter zum Rachefeldzug aufmacht: Man müsse wählen, ob man gekreuzigt wird oder die Nägel einschlägt. So schlicht, so unverrückbar und so schrecklich ist das. Mel Gibson spielt diesen Thomas Craven, und er gibt diesem Racheengel sein entschlossenes und gleichzeitig melancholisches Gesicht.

Männer, die einsam und unerbittlich ihren Weg gehen, hat Gibson immer schon gerne und gut gespielt, aber bei seinem ersten großen Auftritt nach achtjähriger Pause verzichtet er auf Manierismen, mit denen er seinen Furor mit jungenhaftem Charme abmilderte. Gibson spielt nun so lakonisch und zurückgenommen wie Clint Eastwood, und das tut dem Film gut. Es gibt Humor in diesem düsteren Moralstück, aber der ist beunruhigend grimmig.

Regisseur Martin Campbell misstraut Ironie. Soweit es die Schilderung von Gewalt angeht, hat er Recht damit. Campbell nimmt seine Geschichte gebührend ernst und hat nicht einfach nur einen Thriller nach bekanntem Muster inszeniert. Er lässt sich Zeit und zeigt die Eruptionen blanker Gewalt eher verstörend beiläufig. Ihn interessiert der Mann, der glaubt, aus Vergeltung töten zu dürfen, nicht das Töten selbst. Es ist die Chronik eines angekündigten Amoklaufes. Das Faszinierende daran ist die unterschwellige politische Botschaft. Denn aus der Verzweiflung über den Tod der Tochter wird rasende Wut, als sich herausstellt, dass sie das Opfer wirtschaftlicher Erwägungen war. Sie hat entdeckt, dass ihr Arbeitgeber sein Geld mit illegalen Waffengeschäften macht und dabei von der Politik gedeckt wird.

Craven ist ein Mann des Systems. Er hat seinem Land erst als Soldat, dann als Polizist gedient. Er glaubt an Institutionen und das Recht. Aber wenn die Reichen und Mächtigen den Gesellschaftsvertrag einseitig kündigen, um noch reicher und mächtiger zu werden, fühlt er sich auch nicht mehr an Regeln gebunden. Wie in einem Drama von Shakespeare sind alle Figuren zum Untergang verdammt – wegen eines Mannes, dem alles egal geworden ist. Das ist der subversive Sprengsatz des Films: Die Mehrheit mag sich von der Elite regieren lassen. Aber ständig betrogen und vorgeführt zu werden, das geht nicht. Ein fast meditativer Blick ins Herz der Finsternis, der nicht zuletzt wegen des metaphysischen Finales irritiert. Hier ist wirklich nichts so, wie man es erwartet.

von Zoran Gojic

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