Hersfeld-Rotenburg. Die sibirische Kälte hat Waldhessen fest im Griff. Ein nachweisliches Opfer steht schon fest. Die digitale Temperaturanzeige vor der Tür der VR-Bank in der Bad Hersfelder Dudenstraße hat es dahingerafft.

Polier René Budnick hat sich mit Handschuhen, Mütze, langer Unterhose und zwei Jacken extra dick eingepackt. Sein Ohrring bleibt warm. Die Arbeiter der thüringischen Firma Thomas-Bau reißen derzeit den Hubertusweg auf. Fotos: Hornickel
Die Mitarbeiter sind ratlos, was mit den LED-Birnen passiert ist. Die Technik darf streiken, doch die Menschen müssen bei der eisigen Kälte draußen durchhalten.
„Wir machen Radarmessungen, um Hohlkörper im Beton zu finden“, erzählt der bibbernde Sebastian Krahle vom Amt für Straßen- und Verkehrswesen in Gelnhausen, als er das Messgerät über die Hochbrücke der Frankfurter Straße rollt. Seine Kollegen Joachim Dalitz und Jens Weiffenbach lenken den Verkehr. Dann vergraben sie schnell die Hände in den Taschen. Auch sie zittern und ihr Atem steigt in Schwaden gen Himmel. Seit 8 Uhr sind die Männer schon auf der Brücke, wie am Dienstag auch. „Und danach geht es ab in die Meisterei einen warmen Kaffe trinken“, freut sich Sebastian Krahle sichtlich.
Mit Heizlüfter, Heizstrahler und einer Plexiglasscheibe löst Jürgen Kimmel in seiner „Würstchenschmiede“ auf dem Rechberggelände das Kälteproblem. Den ganzen Tag von Montag bis Samstag verkauft er Würstchen und Kaffee. Von den Temperaturen lässt sich Jürgen Kimmel nicht beirren. „Auch wenn es minus 30 Grad sind, stehe ich hier“, erzählt Kimmel.
Für eine Kanalbohrung im Bad Hersfelder Hubertusweg schachtet Polier René Budnick von der Firma Thomasbau mit seinen Kollegen zwei Große Gruben aus. „Wenn man sich bewegt, dann gehts, aber die Hydraulikschläuche vom Bagger mussten wir heute morgen mit dem Gasbrenner erhitzen, weil sie festgefroren waren“, erzählt Budnick. Von Tagesbeginn bis Anbruch der Dunkelheit sind die Bauarbeiter draußen. Dafür benötigen sie warme Kleidung. „Ich trage zwei Pullover“, sagt der dick eingemummelte Ringo Schmidt, als er die Baggertür aufstößt. „Wir müssen arbeiten. Die Tunnelbohrmaschine können wir nur jetzt oder erst wieder im Juli mieten“, erklärt René Budnick während er seine Arbeitshandschuhe aneinander reibt, um die Finger zu wärmen.
Mit wärmender Mütze und Schal vor dem Mund und einer gelben Jacke läuft Philipp Stuckhardt zur Mittagszeit durch die zugige Hersfelder Innenstadt. Er trainiert jeden Tag für seine 5 000-und 10 000-Meter-Läufe. „Ich laufe 16 Kilometer“, sagt Stuckhardt, dem die Kälte in seiner dünnen Laufhose kaum etwas auszumachen scheint. Nur wenn er stehenbleibt, schnappt die Kälte nach ihm.
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Quelle: HNA Online


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