Heinebach. Der vierjährige Noah im grün-weiß-gestreiften Pullover und Sandra Holzapfel sitzen sich gegenüber. Sie hält ihm eine schwarze Scheibe an einem Stab mal vors linke, mal vors rechte Auge und gibt Anweisungen: Nach links schauen, nach rechts, einmal der Taschenlampe folgen. Sandra Holzapfel und Valeria Gotwig sind Orthoptistinnen – also Fachkräfte der Augenheilkunde – und waren Gäste im Heinebacher Kindergarten. Dort testeten sie für die Aktion „Augen auf“ der BKK Wirtschaft und Finanzen Mädchen und Jungen auf Sehschwächen.

Etwa 40 Kinder wurden bei der Aktion „Augen auf“ im Heinebacher Kindergarten auf Sehschwächen getestet. Die Erwachsenen auf dem Bild sind von links die Orthoptistinnen Sandra Holzapfel und Valeria Gotwig, Thorben Weichgrebe von der BKK Wirtschaft und Finanzen, Traudl Godman von der BKK-Gesundheitsagentur Com Unicate, Alheims Bürgermeister Georg Lüdtke und Kindergartenleiterin Michaela Birnbaum. Fotos: Meyer
Was hier gerade geschieht, sei für die Kinder von unschätzbarer Wichtigkeit, erklärt Holzapfel. Denn sie und ihre Kollegin spüren Sehfehler auf, die sich jetzt noch beheben lassen, in wenigen Jahren vielleicht nicht mehr. Die beiden testen die Sehschärfe, die Augenstellung, die Beweglichkeit der Augen und ob das räumliche Sehen so funktioniert, wie es soll.
Valeria Gotwig nennt ein Beispiel: „Wenn ein Auge schielt, kann sich das schielende Auge nicht richtig entwickeln.“ Da das gesunde Auge die Aufgaben des schielenden Auges mit übernehme, falle das dem Kind nicht auf.
Die Behandlung gegen diese Art der Schwachsichtigkeit nennt sich Abklebetherapie. Mit einem bunten Augenpflaster wird das gesunde Auge lahmgelegt, das unterentwickelte Auge wird gefordert.
Regelmäßige Besuche beim Augenarzt seien deshalb so wichtig, weil dem Kind seine Sehschwäche oft nicht bewusst sei. Schließlich habe es keinen Vergleich und könne sich nicht so artikulieren wie ein Erwachsener.
Sandra Holzapfel hält Noah jetzt ein Bild mit vielen grauen Pünktchen vor die Augen, auf dem sich die Umrisse eines Elefanten und eines Autos dreidimensional abzuheben scheinen. Dass Noah die erkennt, belege, dass sein räumliches Sehen funktioniere, erklärt Holzapfel. Dann entfernt sich Holzapfel und präsentiert Noah Symbole. „Herz, Kreis, Dreieck, Kasten.“
Noah hat alles erkannt, und seine Augen verhalten sich genau so, wie es seinem Alter entspricht. „Unauffällig“, trägt Holzapfel in die Karte ein, die sie ihm für die Eltern mitgibt. Unter den 40 heute untersuchten Kindern waren sechs, denen die Orthoptistinnen empfehlen, gleich einen Augenarzt aufzusuchen. Für alle Eltern gilt die Empfehlung, an den gesetzlichen Vorsorgeuntersuchungen für Kinder teilzunehmen, ihr Kind im Alter von drei Jahren auf jeden Fall erstmals mit zum Augenarzt zu nehmen und das Verhalten des Kindes darüber hinaus genau zu beobachten – siehe Hintergrund.
Von Achim Meyer
Quelle: HNA Online


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