Heringen. Empört reagieren der Ortsbeirat Wölfershausen und Heringens Bürgermeister Hans Ries auf Aussagen des Landrats, wonach es an der Grundschule in Wölfershausen keinen Sanierungsbedarf gebe. Lediglich die Notwendigkeit eines Außenanstrichs wurde während der jüngsten Kreistagssitzung von Dr. Karl-Ernst Schmidt eingeräumt (wir berichteten).

Unansehnlich: Die Fassade der Grundschule in Wölfershausen ist alles andere als ein schöner Anblick. Archivfoto: Reymond
Ortsvorsteherin Helga Rüger kann den Ausführungen des Landrats nicht so recht folgen: „Mir wurde vertraulich mitgeteilt, dass die Sanierung der Grundschule in Wölfershausen 800 000 Euro kosten würde. Diese Zahlen stammen übrigens aus dem Immobilienmanagement des Landkreises“.
Auch die Stadt Heringen hatte vor einigen Jahren schon einmal rechnen lassen und war auf rund 480 000 Euro gekommen. Denn im Jahre 2006, als die Schule schon einmal zur Disposition stand, wollte die Werrastadt das Gebäude vom Landkreis übernehmen, um dort einen Zentralkindergarten einzurichten. „Das hat der Kreis seinerzeit mit Empörung zurückgewiesen“, berichtet Ries.
Nach einer Elternversammlung und dem Votum zum Erhalt der Schule hat die Stadtverordnetenversammlung am 30. September 2010 einstimmig beschlossen, den Landkreis zur Modernisierung der Schule aufzufordern.
Michael Kapuschowski, Leiter der Georg-August-Zinn Schule in Heringen zu der die Schule in Wölfershausen als Außenstelle gehört, versteht seinerseits das ganze Theater nicht. Natürlich benötige das Gebäude in Wölfershausen einen Außenanstrich, mehr jedoch nicht. Im Innern sei viel getan worden. „Es wurden teilweise die Fenster erneuert, die Böden wurden gemacht und die Wände neu gestrichen“, erklärt der Schulleiter. Er gehe davon aus, dass auch im kommenden Schuljahr in Wölfershausen unterrichtet werde. Dennoch dürfe man vor dem demografischen Wandel nicht die Augen verschließen. Wenn die Kinder einmal fehlen sollten, stünden vielerorts Schulen zur Disposition. Zu den jüngsten Diskussionen sagt Kapuschowski nur: „Die Stadtverordneten hätten sich ja vor Ort mal ein Bild machen können, bevor sie irgendwelche Beschlüsse fassen.“
Auf längere Sicht ist die Schule in Wölfershausen wohl nicht mehr zu halten. Das will auch die Ortsvorsteherin Mitte Januar vom Land- und Kreistagsabgeordneten Torsten Warnecke (SPD) erfahren haben. Nach dessen Ausführungen wolle der Landrat über kurz oder lang die Schule schließen. Und bei einem Telefongespräch mit der Ersten Kreisbeigeordneten sei dies auch dem Bürgermeister so bestätigt worden: „Ich habe Frau Künholz angerufen und die teilte mir mit, dass der Landrat erklärt habe, keinen Cent mehr in die Grundschule Wölfershausen investieren zu wollen.“
Von Mario Reymond
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