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Ich bin ich - Porträt: Michael Schanze, der Tevje im Festspiel-Musical „Anatevka“

Ich bin ich - Porträt: Michael Schanze, der Tevje im Festspiel-Musical „Anatevka“

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AACHEN/BAD HERSFELD. Kurz vor Mittag bestellt sich Michael Schanze ein „Spätstück“, denn er hat bis spät in die Nacht für einen TV-Auftritt als Lord Dumbledore geprobt. Rühreier mit Schinken hätte er gerne, den Schinken nicht einfach obendrauf gelegt, sondern „wie bei Muttern“ schön mit dem Ei vermengt.

© Foto: Schönholtz

Mit dem Bildband der Bad Hersfelder Festspiele stimmte sich Michael Schanze schon einmal auf sein Gastspiel als Milchmann Tevje in der Stiftsruine ein.

Als ihm die Bedienung im Aachener Fünf-Sterne-Hotel „Quellenhof“ wenig später lediglich ein Rührei-Portiönchen serviert, verweist Schanze auf seinen beträchtlichen Leibesumfang und sagt im schönsten Münchnerisch: „Schaun’s mich doch an, ich brauch’ wenigstens a Semmel dazu.“

Zur Person
MICHAEL SCHANZE (65), wurde Mitte der 60-er Jahre als Schlagersänger mit der Single „Ich bin kein Lord“ bekannt und hatte mit „Oh wie wohl ist mir“ oder „Olé Espana“ weitere Hits. In den 70er- und 80er- Jahren war er im Fernsehen fast allgegenwärtig:Er moderierte die Shows „Hätten Sie heut Zeit für mich?“ und „Flitterabend“ sowie Kindersendungen wie „1, 2 oder 3“ und „Telefant“. Sein Markenzeichen war der Plop mit dem Finger in der Backe. Nach schwerem Skiunfall und Scheidung (2000) wandte sich Schanze dem Theater zu. Zuletzt spielte er am Ernst-Deutsch-Theater in Hamburg. Im März geht er mit der Komödie „Vier linke Hände“ auf Tournee. Schanze lebt in München und ist Vater von drei erwachsenen Söhnen. (ks)

Es kommt ein nacktes Brötchen, etwas Butter dazu. Das macht ihn sichtlich nicht glücklich, schmeckt aber nach dem ersten Probieren, und die gute Laune verdirbt es ihm schon gleich gar nicht. Im Gegenteil. Michael Schanze kalauert munter drauf los, spricht vom „Purzeltag“, wenn er seinen gerade abgefeierten 65. meint, und kündigt beim Telefonat mit der Hersfelder Festspielverwaltung launig an, die Bühne der Stiftsruine gelb anstreichen zu wollen, wenn er im Sommer in „Anatevka“ den Milchmann Tevje spielt.

„Smart ja – aber nicht wie der gegelte Herr Guttenberg.“ M I C H A E L S C H A N Z E

In diesen Momenten blitzt hinter der Gestalt des reiferen Herrn der smarte, ewig junge Bursche hervor, den Schanze als Schlagersänger und TV-Moderator viele Jahre verkörpert hat. Smart – diese Bezeichnung akzeptiert er. Allerdings nur, wenn man sie wie früher im positiven Sinne von pfiffig und clever versteht. Smart wie der gegelte Herr Guttenberg möchte er hingegen nicht sein. Denn im lustigen Michael steckt auch ein nachdenklicher, reflektierender Mensch, der einen flotten Spruch mit dem nächsten Satz einordnet und relativiert. „Das Bessere ist des Guten Feind“ ist ein Motto, das er sich zu eigen gemacht hat, doch er schiebt sogleich nach, dass dieses Credo „manchmal auch zur Unentschlossenheit führen kann“.

Beruflich sei er zwar „nie richtig abgestürzt“, doch nach privaten Turbulenzen gegen Ende der 90-er Jahre musste er sich hinterfragen und erkannte: „Auch wenn es phrasenhaft klingt, alles hat seine Zeit, und das Leben ist Veränderung.“ So landete Schanze beim Theater und imponierte eines Abends mit seiner „geballten Menschlichkeit“ auch „Anatevka“- Regisseur Stefan Huber. „Der glaubt, dass ich dem Tevje mit seiner Gefühlsamplitude von 360 Grad gerecht werden kann,“ erzählt der Schauspieler von seiner Verpflichtung.

Den Vergleich mit Wolfgang Reichmann, der in den 80ern in Bad Hersfeld drei Spielzeiten lang als Tevje gefeiert wurde, scheut er nicht. „Ich bin ich“, stellt Schanze fest, verweist darauf, dass die Verfilmungen seiner letzten Rollen von Sir Laurence Olivier und Michael Caine gespielt wurden, und sagt mit einem Augenzwinkern: „Und jetzt stelle ich mich dem Wolfgang“.

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