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Hayri Senol kümmert sich als Migrationsbeauftrager um Menschen anderer Herkunft

Bildung ist der Schlüssel

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Hersfeld-Rotenburg. Hayri Senol war bereits deutscher Polizeibeamter, bevor er seinen türkischen Pass gegen die deutsche Staatsbürgerschaft eintauschte. Leute wie er, die aufgrund ihrer Herkunft eine Brücke schlagen können zu anderen Kulturen und Sprachen, sind mittlerweile gefragt in vielen deutschen Institutionen.

Hayri Senol (rechts) war schon bei der Polizei, bevor er die deutsche Staatsbürgerschaft angenommen hatte. Als Migrationsbeauftragter kümmert er sich darum, dass es gut klappt zwischen Menschen deutscher und anderer Herkunft. Foto:  Selzer

Hayri Senol (rechts) war schon bei der Polizei, bevor er die deutsche Staatsbürgerschaft angenommen hatte. Als Migrationsbeauftragter kümmert er sich darum, dass es gut klappt zwischen Menschen deutscher und anderer Herkunft. Foto:  Selzer

Senol ist 33 Jahre alt, verheiratet, spricht ein akzentfreies und ausdrucksstarkes Deutsch. Man glaubt ihm kaum, wenn er sagt, dass er mit dieser Sprache erst im Kindergartenalter in Berührung kam. Er ist in Bad Hersfeld aufgewachsen, wohlbehütet im Kreis seiner vier Geschwister.

Noch keine Schulpflicht

Über die Lebensgeschichte seiner Eltern, seine Wurzeln, weiß er viel und kann gut erzählen, wie das damals war, als sein Vater in der Türkei Schafe hütete und sich nebenbei das Lesen und Schreiben selbst beibrachte. Denn eine Schulpflicht gab es zu dieser Zeit in der Türkei nicht, beide Eltern haben nie eine Schule besucht. Die einzige Chance auf Erwerbstätigkeit lag darin, sich Geld zu leihen, um sich auf die große Reise in die Hauptstadt zu machen und sich dort als Tagelöhner zu verdingen.

Als dann in der Türkei Gastarbeiter für Deutschland angeworben wurden, nutzte sein Vater die Chance und ging in das fremde Land.

Hayri Senol erzählt das alles, als wäre er dabei gewesen. Man spürt, dass ihm diese Geschichte wichtig ist. Die Gastarbeiter waren willkommen, sie wurden freundlich aufgenommen, denn Deutschland brauchte sie. In der ersten Zeit wohnte die Familie in Weißenhasel, dort hatte man guten Kontakt mit den deutschen Nachbarn. Die Mutter sprach in dieser Zeit mehr Deutsch als später in Bad Hersfeld.

Die Eltern erkannten, wie wichtig deutsche Sprache und Schulbildung für die Kinder waren, und schickten die drei jüngeren Geschwister in den Kindergarten. Dies ermöglichte ihnen einen guten Start auf der Bildungslaufbahn. Vorher waren die türkischen Kinder in separate Vorschulklassen gesteckt worden, um die deutsche Sprache zu lernen, wo sie wiederum unter sich waren.

Senol absolvierte eine kaufmännische Ausbildung und entschied sich dann, zur Polizei zu gehen. Nach einigen Jahren beim Staatsschutz in Wiesbaden ist er jetzt als Migrationsbeauftragter für das Polizeipräsidium Osthessen tätig. Auch seine Geschwister stehen im Berufsleben. Ein Bruder bildet sich nach der Meisterschule zum Techniker weiter.

Kollegial und freundlich

Den Umgang im beruflichen Alltag schildert Hayri Senol als kollegial und freundlich, nur vereinzelt spürt er versteckte Ablehnung, die er auf seine Herkunft zurückführt. Er erzählt von einem Nachbarn seines Bruders, der in der Anfangszeit ständig nach Gründen suchte, sich über die „ausländischen“ Nachbarn zu beschweren. „Eines Tages lud mein Bruder ihn zu sich in die Wohnung ein und sprach ihn auf sein Verhalten an, seitdem ist der Umgang miteinander zwar nicht herzlich, aber höflich.“

Anders ist es auf der Straße, in Geschäften, bei der Begegnung mit fremden Menschen. Da hat er oft das Gefühl, argwöhnisch beäugt zu werden, - „vor allem, als ich noch jünger war, mittlerweile lässt auch das nach.“ Er spürte das Misstrauen der Verkäufer im Rücken, wenn er im Kaufhaus die Regale entlang schlenderte. Auch bei der Wohnungssuche fiel meist die Klappe, wenn die potenziellen Vermieter feststellten, dass er Türke war, Moslem obendrein.

Senol bezeichnet sich als gläubigen Muslim, „leider werfen viele Menschen die Begriffe muslimisch und islamistisch in einen Topf“. Er weist darauf hin, dass er ebenso wie die meisten Christen keine radikalen Ansichten vertritt.

Wenn er von seiner Familie erzählt und dem Umgang miteinander, der geprägt ist von Respekt vor allem gegenüber Älteren, geht einem durch den Kopf, dass es vor einigen Jahrzehnten in deutschen Familien noch ganz ähnlich zuging. Die hierarchische Ordnung lebt fort in den Großfamilien, doch hat diese neue Generation ein anderes Wertesystem. „Einen guten Beruf lernen, Sicherheit, Partnersuche, den eigenen Weg gehen, das sind die Ziele, die wir haben, darin unterscheiden wir uns nicht von den hier geborenen Deutschen“, sagt Senol.

Von Martina Selzer

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