Rund um den Monte Kali

Rund um den Monte Kali

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Landschaft im Werratal: Der Monte Kali bei Heringen ist Orientierungspunkt und bietet diese Ansicht von Kleinensee her.

Der Salzberg bei Heringen ist Wegweiser für eine abwechslungsreiche Fahrradtour

Heringen. Eine 30 Kilometer lange Radtour durch die Heringer Gemarkungen führt mich von der Stadtmitte rund um den Monte Kali.

Eine Besuchergruppe vor dem Werra-Kalibergbau-Museum wartet auf Einlass, als ich dort Richtung Lengers starte. Die lange Gerade hinter der Tankstelle bringt mich zügig zum Abzweig an der Zentralwerkstatt nach rechts in die Industriestraße. Für einige hundert Meter habe ich den Weg auf dem Hochwasserdamm für mich alleine. Am Wasserkraftwerk in Lengers lege ich den ersten Besichtigungsstopp ein. Geschickte Handwerker haben hier im Jahr 1912 ein Gebäude gemauert, das auch heute noch eine solide Optik ausstrahlt. Die Technik innen ist allerdings modern und liefert umweltfreundlichen Strom.

Über die Werrabrücke erreiche ich auf der L3306 Wölfershausen und biege in Ortsmitte am Imbissstand nach links ab. Dem verlockenden Duft kann ich jedoch nicht widerstehen und stärke mich erst einmal mit einer knusprigen Bratwurst.

Auf einem Wirtschaftsweg fahre ich nun nahe dem Herfabach aufwärts. Alsbald ist die Umzäunung des Schachtes Herfa-Neurode mein Wegbegleiter und ich schwenke am Casino-Parkplatz auf die L3255. Der lästige Verkehr spornt zu kräftigerem Pedaltritt an, so dass ich schon bald am Schild einer Bushaltestelle dem Wegweiser zum Waldlehrpfad nach rechts folge. Hier tauche ich nun auf einem gut befestigten Kalkschotterweg in den Seulingswald ein. Diese Streckenführung habe ich erst vor kurzem auf einer Karte gesehen und will sie nun auf Radfahrtauglichkeit testen.

Es geht nun stetig bergauf. Etwa fünf Prozent zeigt der Steigungsmesser am Lenker. Die passende Übersetzung hilft mir aber, zunächst im Sattel weiterzutreten. An der nächsten Biegung ist mein sportlicher Ehrgeiz jedoch aufgebraucht und ich schiebe das Rad. Allmählich wird der Weg wieder flacher und bekommt sogar Parkqualität. An einem Gedenkstein, der dem langjährigen Forstamtsleiter Ulrich Reinfurt gewidmet ist, lege ich eine Trinkpause ein. Der weitere Streckenverlauf belohnt meine Aufstiegsmühe, es geht nun stetig bergab auf die Ausflugsgaststätte Bodesruh zu. „Ruhetag“ lese ich enttäuscht. Dabei hätte mir ein kühles Bier jetzt gut getan. Denn das Mineralwasser in den mitgeführten Flaschen ist inzwischen nahezu körperwarm. Deshalb auch fällt der Aufstieg zur Aussichtsplattform am nahen Mahnmal diesmal aus.

Das Gefälle Richtung Kleinensee tröstet nur wenig über die entgangene Erfrischung. Im Ort orientiere ich mich nach den Schildern des Waldhessenradwegs (WH) R15 und rolle gemächlich durch erntereife Getreidefelder über zwei gelochte Betonstreifen in der Straße. Hier entlang zog sich noch vor 20 Jahren eine gut gesicherte Grenzanlage, die Deutschland und zwei Weltanschauungen voneinander trennte.

Ich befinde mich nun auf Thüringer Hoheitsgebiet. Dankmarshausen lag damals innerhalb der Fünf-Kilometer-Sperrzone und war selbst für DDR-Bürger ausweispflichtig. Mittlerweile ist es ein schmuckes Dorf geworden und nichts erinnert auf den ersten Blick an die unselige Zeit. Über die Landesgrenze geht es wieder nach Hessen zurück. Noch gut erinnere ich mich an jene bewegten Tage der Grenzöffnungen mit großen Reden bei kalten Füßen und an der Glühweintasse gewärmten Händen.

In Widdershausen biege ich hinter der Brücke nach rechts in den Werraradweg ein, der sich beidseitig dicht bewachsen alsbald auf Dschungelpfadbreite verengt. Der behördliche Naturschutz erlaubt wohl keinen verkehrsgerechteren Ausbau. Im Feuchtgebiet „Rohrlache“ bescheren die Vorschriften dem Radweg sogar einen Holzbohlensteg durch die Flussaue. Der rotmarkante Block des Heizkraftwerks und der weiße Kegel des Monte Kali geraten jetzt zunehmend stärker ins Blickfeld, als beim Heringer Festplatz wieder fester Straßenbelag unter den Rädern zu spüren ist. An den Fachwerkhäusern in der Fuldischen Aue vorbei erreiche ich über die Hauptstraße gleich darauf das Kalimuseum. Bei einer verdienten Erfrischung in Sam‘s Café fahre ich die 30 Kilometer in Gedanken noch einmal ab.

Von H.H. Hartmann

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