Winter in St. Moritz: Show im Schnee 

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Eine Tradition seit 1907: An den ersten drei Sonntagen im Februar galoppieren die Rennpferde beim "White Turf" über den zugefrorenen St. Moritzer See.

Die Berge sind unfassbar schön, die Pisten anspruchsvoll: Auch wenn in St. Moritz der Wintersport wohl erfunden wurde, fahren die wenigsten Urlauber Ski. Der Jetset genießt das Panorama eher mit Champagner. 

Bühne der Eitelkeiten: Das Einkaufen ist vielen Urlaubern in St. Moritz mindestens ebenso wichtig wie das Skifahren.

Teure Sportwagen, Kaviar- und Champagner-Gelage in Luxushotels, reiche Herren mit schönen Damen, und sogar die Ski-Lehrerinnen fahren in Prada-Jacken. Im Winter erfüllt St. Moritz als Bühne der Eitelkeiten alle Klischees einer internationalen Jetset-Hochburg. Dann bezeichnet sich der Schweizer Nobelskiort selbst als “Top of the World“, als Spitze der Welt. Das kann man überheblich finden oder aber zutreffend: Denn unabhängig von dem Schaulaufen der High Society ist der Ort im Oberengadin für viele tatsächlich das schönste Wintersportgebiet der Welt.
Mächtige Bergmassive fassen das 57 Kilometer lange Hochtal auf der Südseite der Graubündner Alpen ein. Diese Kombination von Weite und spektakulären Gipfeln wie dem 4049 Meter hohen Piz Bernina sind so außergewöhnlich wie das trocken-kalte, aber sonnige Klima. Italien ist nur einen Katzensprung entfernt. Das beschert dem auf 1800 Metern Höhe gelegenen Kurbad durchschnittlich 322 Sonnentage im Jahr.

Zum Glück, denn die Pisten auf den beiden 3000 Meter hohen Hausbergen Corviglia und Corvatsch liegen fast alle oberhalb der Baumgrenze. Schlechtes Wetter bedeutet Blindflug. Und der macht keine Freude, auch nicht auf den von modernsten Liften erschlossenen Pisten. Voll sind diese selten. “Nur 40 Prozent der Gäste in der Hauptsaison gehen überhaupt zum Skilaufen“, erzählt Skilehrerin Susi Wiprächtiger.

Besonders viel Platz haben Skifahrer auf der neuen "Chill Out"-Piste.

So hat man auf den enorm breiten Abfahrten auf der Corviglia viel Platz und Muße - vor allem auf der neuen “Chill Out“-Piste. Hier kann man besonders lässig dahingleiten und sich zwischendurch mal auf einer der Sessellift-Bänke ausruhen und das Panorama bewundern: Der Blick schweift über die Villen der Guccis, Agnellis und Heinekens hinüber zum schiefen Kirchturm von St. Moritz und zum zugefrorenen St. Moritzer See, auf dem das Pferderennen “White Turf“ und das Winterpolo ausgetragen werden. 

Die Corviglia ist der Genießerberg von St. Moritz, hier tummelt sich auch der Jetset, der für ein Gläschen “Delamain Le Voyage Cognac“ in einem der Luxushotels bis zu 4200 Schweizer Franken (umgerechnet rund 3200 Euro) zahlt. Die finanzkräftigen Gäste sind vor allem bei Reto Mathis zu finden, der in der Bergstation der Gondelbahn auf 2468 Metern das höchstgelegene Feinschmeckerrestaurant Europas betreibt.

Die schönste Anreise: Mit den roten Züge der Rhätischen Bahn

Verglichen mit der eher sanften Corviglia ist der 3451 Meter hohe Corvatsch gegenüber der anspruchsvollere und spektakulärere Berg. Auch der Blick in den sogenannten “Festsaal der Alpen“ ist atemberaubend: Piz Bernina, Piz Palü, Monte Rosa und Matterhorn. Ebenso beeindruckend ist die vier Kilometer lange Hahnenseeabfahrt. Sie endet hinter dem Kempinski Grand Hotel des Bains neben der Mauritius-Quelle, nach der St. Moritz benannt ist. In dem Luxus-Hotel kocht der Deutsche Mattias Roock. Der jüngste in der Riege der Engadiner Star-Köche hat für seine drei Feinschmecker-Restaurants insgesamt 43-Gault Millau-Punkte eingeheimst.

Die roten Züge fahren durch die Dörfer, Wälder, Wiesen und Schluchten des Engadin. Bereits 1903 eröffnete die Rhätische Bahn die Albula-Strecke bis St. Moritz und gab dem jungen Wintertourismus damit einen enormen Schub. Der Hotelier Johannes Badrutt hatte ihn 1864 “erfunden“. Damals wettete er mit seinen englischen Sommergästen, dass es im Winter in St. Moritz noch viel schöner sei. Sollten sie nicht zufrieden sein, erstatte er ihnen die Reisekosten.

 Noch skeptisch, reisten die Engländer zu Weihnachten an. Sie blieben bis Ostern und berichteten in der Heimat überschwänglich vom Engadiner Wintermärchen. Danach gab es kein Halten mehr: Winter für Winter folgten mehr reiche Briten den Pionieren.

Bernhard Krieger, dpa

REISE-INFOS ZU ST. MORITZ

Umzingelt von mächtigen Bergen: St. Moritz liegt in einem 57 Kilometer langen Hochtal auf der Südseite der Graubündner Alpen.

ANREISE: Bequem und umweltschonend ist die Anreise mit der Bahn. Mit dem Nachtzug erreichen deutsche Urlauber Zürich, den letzten Abschnitt im Kanton Graubünden bedient die Rhätische Bahn. Mit dem Auto reist man aus Norden über Chur oder Landeck an. Bürger aus EU-Staaten benötigen nur einen gültigen Personalausweis zur Einreise.

REISEZEIT: Die Skisaison dauert von Ende November bis Anfang Mai. Die beste Reisezeit ist von Mitte Dezember bis Ende März. Die Durchschnittstemperatur im Winter beträgt minus neun Grad Celsius.

PREISE: Die zum Winter 2010 renovierte Jugendherberge bietet ein Doppelzimmer pro Nacht schon für 59 Euro an. In einer Frühstückspension zahlt man ab 60 Euro, in einem Mittelklasse-Hotel zum Beispiel 164 Euro inklusive Frühstück. Fünf-Sterne-Häuser verlangen zum Beispiel ab 329 Euro inklusive Frühstück. Der Tourismusverband bietet ein Ski & Snowboard-Special ab 180 Euro pro Person. Es beinhaltet 2 Übernachtungen inklusive Frühstück im Dreisternehotel, Skipass und freie Nutzung des öffentlichen Verkehrsmittel.

GELD: Ein Euro entspricht 1,33 Schweizer Franken (Stand 11/2010).

MEHR INFOS: Engadin St. Moritz im Internet unter www. engadin.stmoritz.ch und bei Schweiz Tourismus unter www. myswitzerland.com

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