Wettlauf um den Globus: "Most Traveled People"

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Wettlauf um den Globus mit "Most Travelled People".

Dresden - “Most Traveled People“ ist ein virtueller Club für Reisewütige, die sich einen Wettlauf um den Globus liefern.

Die Mitglieder jagen 872 weltweiten Zielen hinterher - und viele wollen möglichst als Erster alle abhaken. Aktuell liegt Charles A. Veley mit 819 “Länderpunkten“ (Stand: 20. Mai) auf Platz eins der Rangliste der meistgereisten Menschen. Der ehemalige IT-Millionär aus Brooklyn (USA) gründete “MTP“ 2005 und gilt als Legende unter den “Vagabunden“. Mit René Stolle zählt auch jemand aus Sachsen dazu. Ärzte haben für Reisewütige bereits eine Diagnose gefunden: Dromomanie - krankhafter Lauftrieb. Stolle allerdings war nicht krank, der 36-Jährige wollte eine Zäsur setzen. “Vermutlich trägt jeder den Traum einer Weltreise in sich“, erzählte der Informatiker der Nachrichtenagentur dpa. “Mein Leben befand sich damals aber in einer Sackgasse“, beschreibt er die privaten Beweggründe, die ihn 2004 ins “Vagabunden“-Dasein trieben. Fast sechs Jahre war er unterwegs, seit drei Monaten lebt der in Glaucha geborene in Berlin.

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“Ich hatte gar nicht vor, so lange wegzubleiben“, sagte Stolle, der sich als einen “langsam Reisenden“ bezeichnet. “Ich wollte schließlich einen Eindruck von den Ländern gewinnen.“ Gerade diese Einstellung macht Stolle auch zu einem Kritiker des mehr als 8000 Mitglieder großen Netzwerks. “Das Konzept etabliert einen Wettbewerb unter den Reisenden, es sollte aber um individuelle Erfahrungen gehen“, betonte er. “MTP“-Gründer Veley ist sich bewusst, dass sein Club eine Konkurrenzsituation befeuert. “Wir fügen unserer Liste laufend neue Orte hinzu“, meinte er in der britischen Zeitung “Guardian“, deshalb werde wohl nie jemand alle Ziele erreichen. Vor allem, weil es sich dabei auch um sehr anspruchsvolle Ziele handelt - wie Scott Island. Laut Veley hätten erst sechs Menschen die neuseeländische Insel in der Nähe der Antarktis betreten. Um die Wahrhaftigkeit der Internet-Reiseeinträge zu überprüfen, verlangt “MTP“ Belege wie Beweisfotos, Pass-Stempel oder Flugtickets.

Abenteuer hatte Stolle, die deutsche Nummer 54, während seiner “Tour de World“ en masse, von Japan bis Panama kam er herum. Zweimal stand er sogar kurz vor schweren Unfällen, zum Beispiel, als auf dem Segelboot “Emma“ Feuer ausbrach und er eine Kohlenmonoxidvergiftung erlitt. Das sind Erfahrungen, meint Stolle. Daher ist es dann auch für ihn nicht wichtig, Deutschlands “MTP“-Tabellenführer Wolfgang Stoephasius, einen pensionierten Polizeibeamten aus München, einzuholen. “Jedes Land besitzt schöne und weniger schöne Seiten“, sagt Stolle, der während seiner Odyssee jährlich rund 6000 Euro Reisekosten hatte. Einen der wunderbarsten Strände fand er auf den Philippinen. Am White Beach, dem Strand von Boracay, gleitet das Auge über breite, weiße Sandflächen vor der Kulisse von Kokospalmen. “Für viele ist das der schönste Fleck auf Erden.“

dpa

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