Welt der Wunder

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Wunderbare Natur: Der Tafelberg über Kapstadt zählt zu einem der sieben Naturwunder.

Wunder gibt es immer wieder. So muss er es sich gedacht haben, als Bernard Weber 2007 ein Remake der klassischen sieben Weltwunder auflegte. Ein weiteres Kapitel sind die neuen sieben Naturwunder. Abgestimmt wurde im Internet.

Was die einen als blanken Unsinn werten, die Unesco sogar als gefährlich, wird in denbetroffenenLändernsehr wichtig genommen. Sie erhoffen sich von den neuen Wunderlisten nämlich wundersame Erfolge im Tourismus. So sorgte der Schweizer Bernard Weber, der als Beruf „Abenteuerer“ angibt, mit der Online- Abstimmung über die neuen sieben Naturwunder für reichlich Wirbel.

Friedensnobelpreisträger und Bischof Desmond Tutu forderte seine Landsleute in ganzseitigen Zeitungsanzeigen und Fernsehspots zur Wahl des Tafelbergs auf, der als einer der Kandidaten nominert war. Und auch Tourismusminister Alan Winde scheute keinen Einsatz und segelte mit einem Gleitschirmflieger vom Signal Hill unterdemTafelbergherunter. Schließlich rechnete er bei einem Sieg mit zusätzlichen Einnahmen von umgerechnet 130 Millionen Euro und Arbeitsplätzen für 11 000 Menschen in Südafrika.

Wahl der Naturwunder: Das sind die Gewinner und Finalisten

Wahl der Naturwunder: Das sind die Gewinner und Finalisten

Aus 28 Finalisten konnten Menschen weltweit per Internet, Telefon und SMS ihre Favoriten wählen. Am Ende hatte es der Tafelberg geschafft und der Amazonas, die Iguazu-Wasserfälle an der Grenze von Argentinien und Brasilien, die Halong- Bucht in Vietnam, der indonesische Komodo-Nationalpark, und der unterirdische St. Paul River auf den Philippinen.

Der Schwarzwald dagegen ist ausgeschieden, der amerikanische Grand Canyon, die irischen Klippen von Moher und die Tropfsteinhöhlen von Jeita im Libanon, die als längster Höhlenkomplex im Nahen Osten gelten, ebenso.

Die Naturwunder sind Webers zweites Wunderwerk. Bereits 2007 ließ er die neuen Weltwunder wählen, als Antwort auf die antiken Highlights, die der Schriftsteller Antipatros von Sidon im 2. Jahrhundert vor Christus zusammengestellt hatte. Einen Reiseführer für das Mittelmeer und Kleinasien hatte der griechische Gelehrte damals geschrieben, und als wichtigste Sehenswürdigkeiten genannt: Die Hängenden Gärten der Semiramis in Babylon, den Koloss von Rhodos, das Grab des Königs Mausolos in Halikarnassos, den Leuchtturm auf der Insel Pharos vor Alexandria, die Pyramiden von Gizeh, den Tempel der Artemis in Ephesos und die Zeusstatue des Phidias in Olympia. Von diesen Weltwundern existieren heute aber nur noch die Pyramiden.

Weber hatte seine Privatstiftung New7Wonders im Jahr 2001 gegründet. Er will mit ihr, so sagt er, zum Schutz der Denkmäler und Naturschätze weltweit beitragen. Die Unesco als Hüterin des Weltnaturerbes geht auf Abstand: „Das ist eine reine PRAktion und vollkommen belanglos für uns“, erklärte der Pressesprecher des deutschen Unesco-Komitees, Dieter Offenhäußler. „Da kommt eine reine Volksstimmung zum Ausdruck.“ Die Wahl habe nichts mit wissenschaftlichen Standards zu tun. „Wenn wir uns mit Tourismus beschäftigen, dann mit nachhaltigem.“

Tatsächlich ist offen, ob eine wachsender Besucheransturm den nominierten Regionen gut tut oder eher schadet – gerade wenn die Natur dort ohnehin bedroht ist, wie etwa der Regenwald im Amazonasbecken.

Im Schwarzwald sind sie übrigens gar nicht traurig darüber, es nicht auf die Liste der neuen Naturwunder geschafft zu haben, ganz im Gegenteil: „Wir sind heilfroh darüber“, sagt Wolfgang Weiler, Sprecher von Schwarzwald Tourismus. Dass man zu den bedeutendsten sieben Naturwundern der Erde gehöre, sei nicht glaubwürdig zu vermitteln. „Sicher haben wir viele Stimmen aus Asien und Amerika bekommen. Für viele dort ist der Black Forest eine Marke.“ Man habe zwar wunderbare Natur zu bieten, sei aber eben kein Weltwunder.

CH/dpa

DIE WELTWUNDER

200 Jahre bevor Christus geboren wurde, hatte der griechische Gelehrte Antipatros von Sidon in einem reiseführer für den Mittelmeerraum und Vorderasien die liste der Sieben Weltwunder erstellt (sieben, weil diese Zahl in der Antike als vollkommen galt).

ANTIKE WELTWUNDER

1. Die hängenden Gärten der Semiramis in Babylon
2. Der Koloss von Rhodos
3. Das Grab des Königs Mausolos II. in Halikarnassos/Türkei
4. Der leuchtturm auf der insel Pharos vor Alexandria
5. Die Pyramiden von Gizeh
6. Der Tempel der Artemis in Ephesos
7. Die Zeusstatue des Phidias von Olympia

NEUE WELTWUNDER

Schon 2007 hatte Bernard Weber, initiator der Privatstiftung New- 7Wonders, im Internet zur Wahl der neuen Weltwunder aufgerufen. Das Ergebnis:

1. Chichén Itzá, die Maya-Ruinen von Mexiko
2. Die Chinesische Mauer
3. Die Christusstatue von Rio de Janeiro
4. Das Kolosseum in Rom
5. Die Inka-Ruinenstadt Machu Picchu in den Anden/Peru
6. Die Felsenstadt Petra/Jordanien.
7. Das Grabmonument Taj Mahal in Indien

SIEBEN NATURWUNDER

Vor wenigen Tagen hat Weber nun das Ergebnis der Internet-Wahl der sieben Naturwunder bekanntgegeben. Das Ergebnis:

1. Der Tafelberg in Kapstadt/Südafrika
2. Das Amazonasgebiet
3. Die Iguazu-Wasserfälle
4. St. Paul River auf den Philippinen
5. Vulkaninsel Jejudo, Südkorea
6. Die indonesische Insel Komodo, die Nationalpark ist.
7. Die Halong-Bucht von Vietnam.

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