Der doppelte Afrika-Zauber

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Blick in eine rosige Zukunft: Das Urlaubsland Kenia hat die Krise überwunden. Afrikas Zauber, er wirkt wieder.

An die Schatten der Vergangenheit mag keiner mehr erinnert werden. An diese Zeit Anfang 2008, als politische Unruhen das Land beutelten und die Urlauber über Nacht plötzlich wegblieben.

Heute ist in Kenia wieder fast alles so, als ob nichts gewesen wäre, und eine neue Verfassung soll die Zukunft noch besser machen. Andreas Werner über ein Land, das seinen Zauber zurückgewonnen hat.

Wellness in der Wildnis

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Der Wüstenwind trägt die Funken des Lagerfeuers hinaus in die roten Sanddünen des Tsavo Ost. Stille herrscht, als die letzte Sonne die Wolken um den schneegekrönten Gipfel des Kilimandscharo rosa einfärbt. Am Horizont zeichnet sich die Silhouette einer Elefantenherde auf ihrem Weg zum Wasserloch ab. Postkartenidyll nennt man das, und Bob muss immer wieder schmunzeln, wenn die Touristen Abend für Abend die Ehrfurcht vor diesem Szenario packt. In ein paar Minuten werden die Sterne den Nachthimmel erhellen, und Bob wird den Besuchern die leuchtenden Formationen am Firmament erklären, wie immer, Abend für Abend. Vor 40 Jahren ist Bob aus Zürich nach Kenia ausgewandert. Das Satao Camp im Tsavo-Nationalpark ist sein Zuhause, hier betreut er Touristen. Nie hat er daran gedacht, zurück in die Schweiz zu gehen. „Schau dich um“, sagt er, „du musst bescheuert sein, wenn du das hier nicht gut findest.“

Ein paar Meter weiter am Lagerfeuer sitzt Mike. Ein Bär von einem Mann, geboren in Südafrika. Auch ihn hat es vor Jahrzehnten nach Kenia verschlagen. Er ist Chef des Satao Camps. Sein dröhnendes Lachen ist ansteckend. Und würde so ein Lagerfeuerabend ewig dauern, er hätte keine Probleme, die Ewigkeit mit Anekdoten aus dem Camp zu füllen.

Der Tsavo-Nationalpark ist so groß wie Israel

Zum Beispiel die von den Affen: Sie haben sich auf Zuckerdosen spezialisiert, klauen sie vom Tisch und verbuddeln sie in der Savanne. „Wenn jemand in 1000 Jahren hier mal Ausgrabungen macht und all die Zuckerdosen findet, wird er sich am Kopf kratzen und sich fragen: Was zur Hölle haben die damals bloß gemacht?“, sagt Mike und lacht sein dröhnendes Lachen. Satao bedeutet „Giraffe“, es stammt aus der Sprache der Wariangulo. 250 Mitglieder dieses Volksstamms gibt es nur noch, acht davon arbeiten im Camp. Mike versucht, die Menschen der Region in den Tourismus einzubinden.

Kenia zählt 42 Stämme. Die Probleme eines Vielvölkerstaates, die haben sie nicht. Sagen die Menschen heute. „Was 2008 passiert ist, hat die Kenianer selbst erschreckt“, meint Chris Modigell, der vor 30 Jahren aus Norddeutschland kam und inzwischen als Institution an Kenias Küste gilt. Modigell ist langjähriger Chef des Leopard Beach Resort, einer Luxusherberge mit Vorzeige-Charakter. Chris kann viel erzählen über die Vorzüge seiner Wahlheimat. Auf die Frage, was ihn an Kenia am meisten beeindruckt, nennt er nicht den Sonnenuntergang am Kilimandscharo, nicht die beispiellose Tierwelt oder das Türkis des Indischen Ozeans am weißen Diani Beach. „Es ist diese natürliche Freundlichkeit der Kenianer.“ In Suaheli, erklärt Modigell, bedeutet das Wort „Fremder“ gleichzeitig „Gast“. Und die Kenianer nehmen das wörtlich. „Hier ist jeder willkommen.“

Zurück in den Tsavo-Nationalpark, ein Stopp auf staubiger Piste. Am Wegrand sitzt Masud, 14, er geht in die siebte Klasse und schreibt seine Zensuren mit dem Finger in den Sand. Mathe 92 von 100 Punkten, Englisch 82 – er gehört zu den Klassenbesten. Bleibt er so fleißig, erhält er ein Stipendium für die Uni in Mombasa, erzählt er stolz, dann verschwindet er kurz hinter der Böschung. Zurück kommt er mit einem Modellauto, selbst gebastelt aus Draht und Dosen. Ein paar Fäden und noch mehr Fantasie halten das Konstrukt zusammen. Der Junge präsentiert es mit einem Lächeln, das man mit nach Hause nehmen möchte. Masud, mausarm in einer verschwenderisch schönen Landschaft, ist mit seinem Optimismus ein gutes Beispiel für ganz Kenia.

Strand: Diani Beach im Süden von Mombasa.

„Sie können Optimismus an jeder Straßenecke sehen“, sagt Najib Balala. Der 42-Jährige ist ein smarter Kerl, indische Wurzeln, exakt getrimmter Bart, vitales Auftreten. Er war einst als Bürgermeister von Mombasa beliebt, nun ist er Tourismus-Minister und populärstes Mitglied des Kabinetts. Er spricht Missstände offen an – es vergehen keine drei Minuten, dann hat er selbst das Wort Korruption im Mund. Wenn man auf die Unruhen vor zwei Jahren zu sprechen kommt, wird er bestimmt: „Das passiert nicht noch einmal. Wir haben eine neue Verfassung verabschiedet, sie garantiert Stabilität.“ Bis 2012 will Najib Balala die Zahl der Touristen auf zwei Millionen pro Jahr bringen. Überlaufen wäre Kenia dann noch lange nicht.

Das Land hat Potenzial wie kaum ein anderes auf dem Kontinent. Der Tsavo-Nationalpark ist so groß wie Israel, hat aber nur eine Kapazität von 750 Gästebetten. Während sich die Touristen in Südafrika und Namibia die Weitwinkelobjektive gegenseitig in den Rücken rammen, um einen Löwen zu fotografieren, gehören einem die Tiere in Kenia fast allein. Dazu kann der Küstenstaat mit dem doppelten Afrikavergnügen – zu Lande und zu Wasser – werben, Strand und Safari in bemerkenswerter Kombination. Tagsüber eine Elefantenherde majestätisch am Auto vorbeiziehen sehen – und abends darüber bei einem Cocktail am Strand zu sinnieren.

Kenia

Zum Beispiel im Salama Beach Resort. Wer den Besitzer, Christian Bezner, auf das große Aquarium im Restaurant anspricht, bekommt eine faszinierende Lebensgeschichte zu hören. Schon als Junge funktionierte er den Keller seiner Eltern zum Zierfisch-Zucht-Bassin um. Später schlug er seine IT-Karriere in den Wind und gründete das kleine Hotel am Strand nördlich von Mombasa. Bei Ebbe nimmt er seine Gäste oft mit auf eine Riffwanderung. Es ist ein Erlebnis. Wer da draußen in die Hocke geht, sieht, wie der weiße Sand am Festland die Sonne reflektiert, im Hintergrund stehen sich sanft im Wind wiegende Palmen Spalier, und im Bassin zwischen Riff und Küste wandern vereinzelt ein paar Fischer. In der Ferne sehen die Männer aus, als würden sie übers Wasser laufen. Postkartenidyll nennt man das wohl, und ja: Man muss bescheuert sein, wenn man das nicht gut findet.

DIE REISE-INFOS ZU KENIA

REISEZIEL Der ostafrikanische Staat am Indischen Ozean teilt seine Grenzen mit Somalia, Äthiopien, Sudan, Uganda und Tansania. 39 Millionen Menschen leben in dem 582 650 Quadratkilometer großen Land (vgl. Deutschland: 357 000 Quadratkilometer). Hauptstadt ist Nairobi.

ANREISE Condor fliegt direkt von München nach Mombasa. Ab ca. 950 Euro. Für die Einreise genügt ein Reisepass, der noch sechs Monate gültig ist.

GESUNDHEIT Besonders in der Küstenregion Kenias empfiehlt sich eine Malaria-Prophylaxe.

REISEZEIT/KLIMA Kenia hat zwei Klimazonen: das Hochland um die Hauptstadt Nairobi mit relativ kühlen Temperaturen und die feuchtheiße Küste. Der meiste Niederschlag fällt von April bis Juni. Die trockensten Monate sind Januar und Februar. Hauptsaison für Safaris ist der europäische Winter, aber auch Juli und August, wo die große Migration, die Wanderung der Tiere, stattfindet.

WELCHER REISETYP Kenia ist Afrika für Einsteiger. Die freundlichen Leute erleichtern den Zugang zur fremden Kultur, in puncto Sicherheit gilt Kenia als vorbildlich.

KÜSTE/BADEN Am beliebtesten sind die Strände südlich und nördlich von Mombasa, allen voran der Diani Beach mit seinem blendend weißen Sand und den türkisfarbenen Wellen. Vom Flughafen in Mombasa dauert der Bustransfer zu den Strandgebieten rund 1,5 Stunden.

NATIONALPARKS Tsavo Ost und West ist der größte Nationalpark Kenias. Er erstreckt sich über 21 000 Quadratkilometer – ein Landstrich so groß wie Hessen. Der Tsavo Ost ist der größere Teil und erfreut sich großer Beliebtheit, weil das offene, freie Gelände gute Sicht auf die Tiere gewährt. Der Westteil ist hügeliger und hat eine üppigere Vegetation, was ihn landschaftlich reizvoll macht.

PREISBEISPIELE Fünf-Sterne-Hotel Leopard Beach, Diani Beach, zwei Wochen mit Flug und Halbpension ab 1293 Euro (buchbar bei Jahn Reisen).

Vier-Sterne-Hotel Salama Beach, zwei Wochen mit Frühstück ab 1719 Euro (Jahn Reisen).

Safari „Kenia Compact“ (zweieinhalb Tage) mit Anschlussbadeaufenthalt im Bahari Beach Club, zwei Wochen ab 1609 Euro (buchbar bei ITS) Drei-Sterne-Hotel Severin Sea Lodge mit drei Nächten „Wellness im Busch“ im Severin Safari Camp, zwei Wochen mit Halbpension pro Person ab 1811 Euro (buchbar bei Jahn Reisen).

WEITERE INFOS Kenia Tourist Board, über Travel Marketing Romberg in Mettmann, Tel. 02104/832919, im Internet: www.magical-kenya.de.

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