Feelgood-Manager: Wie man Mitarbeiter ohne Gehaltserhöhung motiviert

Unmotivierte Mitarbeiter schaden der Produktivität eines Unternehmens und damit dem Umsatz und Erfolg. Besonders Startups versuchen daher, mit Hilfe von Feelgood-Managern die Zufriedenheit ihrer Mitarbeiter zu steigern. Das funktioniert meist ohne finanzielle Anreize.

In deutschen Unternehmen herrscht ein Motivationstief: Rund 68 Prozent der Angestellten in Deutschland leisten in ihrem Job so wenig wie möglich und machen nur Dienst nach Vorschrift. Weitere 16 Prozent empfinden gar keine emotionale Bindung zu ihrem Arbeitgeber und haben innerlich bereits gekündigt. Das ergab der repräsentative "Engagement Index 2015" des Berliner Beratungsunternehmens Gallup. Der Motivationsmangel führt jährlich zu Verlusten zwischen 76 und 99 Mrd. Euro, schätzt Gallup. Unternehmer suchen daher einen Ausweg aus der Motivationsfalle.

Steigert Geld die Motivation?

Geld ist selten die richtige Lösung, denn Gehaltserhöhungen oder Boni ermuntern nur weniger als ein Viertel der deutschen Arbeitnehmer dauerhaft. Besonders junge Unternehmen und Start-ups haben deshalb eine neue Motivations-Methode für sich entdeckt: Sie engagieren einen Feelgood-Manager. Da das keine geschützte Berufsbezeichnung ist, unterscheiden sich die konkreten Aufgaben von Unternehmen zu Unternehmen. Prinzipiell ist es seine Aufgabe, die Zufriedenheit der Mitarbeiter zu steigern und deren Identifikation mit dem Unternehmen zu erhöhen. Dadurch sollen Fachkräfte und High Potentials dauerhaft an das Unternehmen gebunden werden. Das gelingt sowohl mit materiellen als auch mit emotionalen Anreizen.

Mögliche materielle Anreize:

- Getränke wie Wasser, Tee und Kaffee sowie frisches Obst und/oder kleine Snacks stehen allen Mitarbeitern kostenlos zur Verfügung. Dabei sollte Wert auf Qualität gelegt werden, denn billig schmeckende Produkte schrecken ab. Statt Instant-Kaffeepulver anzubieten, können Unternehmen beispielsweise einen guten Kaffeevollautomaten kaufen oder mieten.

- Über Blumen oder kleine Geschenke zum Geburtstag oder zu besonderen Anlässen freuen sich viele Mitarbeiter. Das muss nicht viel kosten, denn entscheidend ist, dass sich die Kollegen wahrgenommen und geschätzt fühlen. Bereits ein kleiner Weihnachtsmann aus Schokolade oder eine persönliche Karte gelten als freundliche Geste.

- Sport- und Gesundheitsangebote fördern die Motivation. Ein Feelgood-Manager kann beispielsweise einen Kurs in der Mittagspause organisieren oder Angebote der Krankenkassen wie Massagen oder Yogakurse an die Mitarbeiter vermitteln.

Mögliche emotionale Anreize:

- Ein angenehmes Arbeitsklima und ein gutes Verhältnis zwischen den Kollegen sind vielen Arbeitnehmern wichtig. Als Ansprechpartner ist der Feelgood-Manager die Verbindung zwischen Mitarbeitern und Vorgesetzten. Er ist oft der erste Ansprechpartner bei Problemen und sollte ein offenes Ohr haben sowie bei Konflikten helfen.

- Bei seiner Arbeit lernt der Feelgood-Manager die Mitarbeiter und Teams gut kennen und weiß wie sie arbeiten. Das kann er sich beim Onboarding-Prozess zu Nutze machen. Neuen Mitarbeitern kann er zur Seite stehen und beim Integrieren in das Team unterstützen. Entweder agiert der Wohlfühl-Beauftragte selbst als direkter Ansprechpartner oder er wählt einen passenden Kollegen aus, der zu dem Neuen passt und ihm während der Eingewöhnungsphase hilft.

- Der Feelgood-Manager organisiert firmeninterne Events wie Weihnachtsfeiern, Jubiläumspartys oder Ausflüge für alle Mitarbeiter. Solche gemeinsamen Erlebnisse machen Spaß, stärken das Gemeinschaftsgefühl und beeinflussen das Arbeitsklima positiv. - Hilfe bei organisatorischen Aufgaben: Der Feelgood-Manager kann beispielsweise Kollegen bei jobrelevanten Behördengängen unterstützen, mit denen sich der Mitarbeiter nicht auskennt. Steht eine Geschäftsreise ins Ausland bevor, hilft der Feelgood-Manager zum Beispiel beim Beantragen eines Visums.

- Angenehme, freundliche Pausenräume und Räume wie Büroküchen, die ein informelles Zusammentreffen der Mitarbeiter ermöglichen, steigern das Wohlbefinden und damit die Produktivität. Sind solche Orte nicht vorhanden, kann der Feelgood-Manager herausfinden, was sich die Mitarbeiter wünschen, und eine neue Raumgestaltung anregen. Manchmal bewirken schon kleine Änderungen viel: Knapp ein Drittel der Angestellten sagt, dass Grünpflanzen im Büro ihre Stimmung heben.

Unternehmen, die einen Feelgood-Manager einstellen, setzen ein deutliches Zeichen: Ihre Mitarbeiter sind ihnen wichtig. Mit emotionalen und finanziellen Anreizen sollen Mitarbeiter motiviert werden. Das funktioniert, wenn sie ein Gefühl von Zugehörigkeit und Wertschätzung erleben. Davon profitieren letztendlich nicht nur die Mitarbeiter, sondern auch die Firma, denn motivierte Mitarbeiter sind meist leistungsfähiger und produktiver. Sie fehlen im Durchschnitt an weniger Tagen und bleiben ihrem Arbeitgeber länger treu.

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