Einfache Maßnahmen können viel helfen – Keine Angst vor falschen Handlungen

Jeder ist zu Erster Hilfe verpflichtet

Bei einem Verkehrsunfall brauchen die Verletzten schnelle Hilfe. Aber oft müssen auch die Augenzeugen eine Schrecksekunde überwinden, bevor sie helfen können. Und mancher traut sich nicht, weil der letzte Erste Hilfe-Kurs schon lange zurückliegt.

„Dabei ist nichts schlimmer, als gar nichts zu tun, denn man kann nicht viel falsch machen“, sagt Michael Katzer, Leiter der Abteilung Unfallanalytik bei DEKRA Fulda. Er kennt viele Fälle, in denen Passanten intuitiv richtig gehandelt haben, obwohl sie ihre Ausbildung schon vor mehr als zehn Jahren absolviert hatten.

Vier wichtige Regeln

Mit wenigen einfachen Maßnahmen können Ersthelfer schon viel erreichen. Das DRK hat die wichtigsten im Begriff HELD zusammengefasst: H steht für Hilfe herbeiholen, einen Notruf absetzen, E heißt Ermutigen und trösten. L bedeutet Lebenswichtige Funktionen erhalten, zum Beispiel einen Verletzten wiederbeleben, eine starke Blutung stillen oder einem bewusstlosen Motorradfahrer den Helm abnehmen. Und D erinnert daran, eine Decke unterzulegen und den Betroffenen zuzudecken.

Freiwillig ist die Hilfe im Notfall allerdings nicht. „Jeder, der zu einem Unfall kommt, ist verpflichtet, den Unfallort auch zur eigenen Sicherheit abzusichern und lebensrettende Sofortmaßnahmen einzuleiten“, erinnert Michael Katzer. Nach einem Verkehrsunfall muss jeder Beteiligte unverzüglich anhalten, den Verkehr sichern und bei geringfügigem Schaden sofort zur Seite fahren. Außerdem muss er sich über die Unfallfolgen Klarheit verschaffen und Verletzten helfen.

Wer nicht Erste Hilfe leistet, dem drohen laut § 323c Strafgesetzbuch bis zu einem Jahr Freiheitsstrafe oder Geldstrafe. Darüber hinaus müssen Führerscheinbesitzer nach § 40 der Fahrerlaubnisverordnung mit bis zu fünf Punkten im Verkehrszentralregister in Flensburg rechnen.

Per Gesetz verpflichtet

„Jeder ist nach dem Gesetz dazu verpflichtet, sofort die ihm zumutbare, bestmögliche Hilfe zu leisten“, erläutert der Rechtsexperte. Nur wenn der Retter sich selbst in erhebliche Gefahr bringen würde, ist er von der Rettungspflicht entbunden. Allerdings muss er auch dann umgehend die Rettungskräfte alarmieren. Ersthelfer müssen keine rechtlichen Konsequenzen fürchten, wenn ihre Bemühungen um das Leben des Verunglückten erfolglos bleiben. Das Gesetz verlangt nur, dass sie ihre physischen und psychischen Möglichkeiten der Hilfe ausgeschöpft haben. Wird der Hilfeleistende bei seinen Rettungsversuchen gar selber verletzt oder sein Eigentum beschädigt, sind diese Schäden in der Regel über die Haftpflichtversicherung des Verunglückten abgedeckt, denn der Helfer handelt zwar ohne Auftrag, aber im Interesse des Opfers.

Wer sich nicht zutraut, Erste Hilfe zu leisten, kann bei folgenden Einrichtungen einen (Auffrisch-)Kurs besuchen: Arbeiter-Samariter-Bund (ASB), Deutsches Rotes Kreuz (DRK), Johanniter Unfallhilfe (JUH) und Malteser-Hilfsdienst (MHD). Ein eintägiger Kurs kostet etwa 20 bis 25 Euro. Er sollte alle zwei Jahre besucht werden.

Was tun nach einem Unfall?

Unfallstelle sichern und Verletzte versorgen. Wer zu einem Unfall kommt, muss zunächst die Unfallstelle absichern, damit es nicht zu Folgeunfällen kommt. Das Warndreieck sollte mindestens 100 Meter – auf Schnellstraßen 200 Meter – von der Unfallstelle entfernt aufgestellt werden. Der richtige Abstand lässt sich anhand der Leitpfosten am Straßenrand bestimmen, die alle 50 Meter aufgestellt sind. Hilfeleistungen verteilen Sind mehrere Helfer am Unfallort, kann einer die Unfallstelle absichern, während sich ein anderer sofort um den Verletzten kümmert. Der Verletzte sollte, wenn nötig, wiederbelebt und verbunden, getröstet und zugedeckt werden. Weiterhin ist schnellstmöglich der Rettungsdienst zu benachrichtigen. Für einen präzisen Notruf (110) sind die Informationen der fünf W’s wichtig: Wo ist der Unfall geschehen? Was ist passiert? Wie viele Verletzte gibt es? Welcher Art sind die Verletzungen? Warten auf die Rückfragen des Rettungsdienstes.

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