Erinnerung an die Grenze

Grenzmuseum in Philippsthal dokumentiert deutsche Teilung und Wiedervereinigung

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Herzstück des Philippsthaler Grenzmuseums ist ein Modell von Philippsthal sowie seinen thüringischen Nachbarorten zur Zeit der Teilung und verdeutlicht den Besuchern die Ausmaße der Sperranlagen. Elisabeth Herrmann führt ehrenamtlich die Besucher durch das Museum. Verschiedene Exponate erinnern an die Teilung Deutschlands.

Über Jahrzehnte war das Leben in Philippsthal geprägt von der unmittelbaren Nähe zur innerdeutschen Grenze. Das Bollwerk, das Deutschland in zwei Staaten und Europa in zwei Machtblöcke teilte, schnitt auch die Menschen im Werratal von ihren unmittelbaren Nachbarn ab. Das Grenzmuseum im Torbogenhaus des Philippsthaler Schlosses erinnert an diesen Abschnitt der deutschen Geschichte.

Die Anfänge des kleinen Museums liegen in der Zeit, als die Teilung noch Alltag im Werratal war. Denn trotz des Schreckens, den Minenfelder und Wachtürme mit sich brachten, übte die Grenze auf westlicher Seite eine gewisse touristische Anziehungskraft aus. Um die Besucher über die Sperranlagen der DDR informieren zu können, eröffnete die Zollverwaltung im Februar 1967 die Ausstellung als Grenzinformationsstelle. Nach der Widervereinigung wurden die Exponate von der Gemeinde übernommen und durch Schautafeln zur Grenzöffnung im Philippsthaler Weidenhain ersetzt.

Auch heute, 20 Jahre nach der Wiedervereinigung, zählt Elisabeth Herrmann jährlich rund 1000 Besucher. Die Vorsitzende des Ortsverbandes der Arbeiterwohlfahrt führt ehrenamtlich die Gäste durch die Schau. Viele Schulkassen seien darunter, berichtet sie. Aber auch Fahrradtouristen, Wanderer und ganze Reisegruppen, die etwa auf dem Weg zum Erlebnisbergwerk in Merkers einen Zwischenstopp in der Werragemeinde einlegen. Auch zahlreiche ausländische Gäste, zum Beispiel aus England, den Niederlanden und Frankreich, ziehe es in die Erinnerungsstätte. So viel Zuspruch mag auf den ersten Blick verwundern. Denn anders als in den großen Gedenkstätten gibt es im Torbogenhaus keine spektakulären Exponate wie Panzer oder Hubschrauber. Doch vermutlich ist gerade die fast schon familiäre Atmosphäre das Geheimnis der drei Zimmer und ein Treppenhaus umfassenden Ausstellung. Jede Besuchergruppe, ob nur eine Hand oder eine Busladung voll Menschen bekommt hier eine individuelle Führung. Und dabei wird den Gästen eindrucksvoll vermittelt, was die Grenze speziell für die Menschen im Werratal bedeutete: Filme, die in mehreren Landessprachen vorliegen, schildern den Weg der Grenzbefestigungen vom Stacheldraht- zum Metallgitterzaun. Schautafeln, Zeitungsausschnitte und Fotos sowie Nachbauten von Wachtürmen, Grenzpfählen und einer Selbstschussanlage dokumentieren die unmenschliche Entwicklung an der Trennlinie zwischen den beiden deutschen Staaten. Herzstück des Museums ist jedoch ein Sandkastenmodell, das Philippsthal und die thüringischen Nachbargemeinden vor der Grenzöffnung zeigt. Diese Modell-Landschaft helfe besonders der Nachwendegeneration, sich eine Vorstellung von der Grenzsituation zu machen, sagt Elisabeth Herrmann.

Das Grenzmuseum kann nach Voranmeldung bei Elisabeth Herrmann, Telefon (06620) 1432, oder der Gemeindeverwaltung, (06620) 92100 besichtigt werden. Die Führung dauert etwa eine Stunde und ist kostenlos.

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