Vor den Totengedenktagen werden die Gräber in kleine Kunstwerke verwandelt

Grabschmuck für den Winter

„Der Mensch ist erst wirklich tot, wenn niemand mehr an ihn denkt“. So formulierte der Dichter Honoré de Balzac die Tatsache, dass viele Menschen nach dem Tode weiterleben: in der Erinnerung derjenigen, die ihnen im Leben nahe standen. Zu keiner anderen Zeit wird dies deutlicher als im November, dem Monat der Totengedenktage.

Sichtbaren und lebendigen Ausdruck findet das Gedenken auf den Friedhöfen: Gräber werden liebevoll für den Herbst und Winter geschmückt, Lichter und Kerzen tauchen den Ort der Erinnerung in stimmungsvolles Licht.

Allerheiligen, Allerseelen, Totensonntag: Die Zeit vor den Gedenktagen ist für die Friedhofsgärtner eine große Herausforderung: „Schließlich werden die Gräber neben der herbstlichen Gestaltung und Schmückung auch winterfest gemacht und präsentieren sich dann zu den Gedenktagen in ihrem neuen Glanz“, beschreibt Roland Wagner, Marketingverantwortlicher beim Bund deutscher Friedhofsgärtner (BdF), das Aufgabenfeld. Für die Katholiken sind dabei Allerheiligen (1. November) und Allerseelen (2. November), für die evangelischen Christen ist der Totensonntag (21. November) ausschlaggebend für den Hochbetrieb auf dem Friedhof. Die Wechselbepflanzung wird mit Herbstpflanzen ausgestattet oder mit verschiedenen Edeltannen und Moos abgedeckt.

Über die Wechselbepflanzung hinaus stehen für den herbstlichen Grabschmuck viele Möglichkeiten zur Verfügung: von der Grabschale über das Gesteck bis zum Blumenstrauß. Und neben Heide, Veilchen & Co. kommen für die Herbstbepflanzung auch Pflanzen in Frage, die man eher aus Küche und Kräutergarten kennt.

Gegen das Vergessen

Der Salbei etwa, dessen Variante „salvia officinalis tricolor“ mit wunderschön grün-purpur gefärbten Blättern mit weißem Rand aufwartet, der sich bei niedrigen Temperaturen rosa verfärbt. Der Salbei bietet aber nicht nur den Augen etwas: „Früher wurde Salbei auf das Grab gepflanzt, weil sein Geruch die Trauernden wieder aufmuntert“, weiß Wagner. Auch die Persönlichkeit des Verstorbenen spielt bei der Grabgestaltung an den Trauertagen eine ganz besondere Rolle. Ob es nun Pflanzen sind, die der Verstorbene besonders mochte oder die die Hinterbliebenen an gemeinsame Urlaube erinnern; oder natürliche Materialien wie Steine, Holz oder Tannenzapfen, mit denen man auf verschiedene Weise Trauer und Erinnerung zum Ausdruck bringen kann. Viele Friedhofsgärtnereien bieten hierfür moderne und außergewöhnlich kreative Lösungen. Was macht die besondere Atmosphäre der herbstlichen Gedenktage aus? „Zu keiner anderen Zeit vermischt sich eine leichte Melancholie so sehr mit positiven Gefühlen wie Hoffnung und der Verbundenheit mit unseren Verstorbenen. Dann merkt man, was für eine große Bedeutung der Friedhof für die Menschen immer noch hat. Was kann einen Friedhofsgärtner mehr freuen?“ so Roland Wagner. BdF, Bonn

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