Bald Zentrum für Alterstraumatologie

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Prof. Dr. med. Werner Konermann, Chefarzt der Klinik für Orthopädie, Unfallchirurgie und Rehabilitative Medizin am RKH Kassel

Der Kooperationsvertrag zwischen Orthopädie und Geriatrie ist unterzeichnet – Zertifizierung zum Zentrum für Alterstraumatologie für das Rote Kreuz Krankenhaus (RKH) Kassel und die Deutsche Rote Kreuz Klinik (DRK) Kaufungen läuft.

Etwa 30 Prozent der Personen über 65 Jahre und etwa 50 Prozent der über 80-Jährigen, die allein zu Hause leben, stürzen mindestens einmal pro Jahr. Schon jetzt zählen Knochenbrüche zu den häufigsten Akuterkrankungen älterer Menschen.

Zur besseren Versorgung von älteren Sturzpatienten hat die Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU) im März 2014 das Zertifizierungsverfahren „AltersTraumaZentrum DGU®“ gestartet. Die Zertifizierung für das Rote Kreuz Krankenhaus (RKH) Kassel und die Deutsche Rote Kreuz Klinik (DRK) Kaufungen ist jetzt beantragt als eines der ersten Zentren für Alterstraumatologie in Hessen.

Die beiden Leiter des Zentrums, Prof. Dr. Werner Konermann (RKH Kassel) und Dr. Jürgen Sasse, Chefarzt der DRK-Klinik in Kaufungen, haben im Juli gemeinsam mit den Klinik- Geschäftsführern einen Kooperationsvertrag zur interdisziplinären Versorgung unterzeichnet, ein wichtiger Schritt für die laufende Zertifizierung.

Abgestimmte und altersgerechte Behandlungsprozesse

Ziel des geplanten „Zentrums für Alterstraumatologie Nordhessen“ ist es, die Arbeit der Orthopädie und Geriatrie eng aufeinander abzustimmen, um eine optimale Therapieplanung und Betreuung älterer Patienten zu gewährleisten. „Wir möchten unsere Patienten so gut wie möglich wieder in ihre häusliche und soziale Umgebung integrieren. Mit Physiotherapie und gezielten Schulungen können wir neuerlichen Verletzungen vorbeugen“, erläutert Prof. Dr. med. Werner Konermann, Chefarzt der Klinik für Orthopädie, Unfallchirurgie und Rehabilitative Medizin am RKH Kassel.

Im Zentrum für Alterstraumatologie werden alle Patienten von Unfallchirurgen, Internisten, Geriatern, Physio- und Ergotherapeuten sowie speziell ausgebildeten Pflegekräften betreut. Nicht nur die akute Verletzung (z.B. Sturz) wird behandelt, auch vorhandene Grunderkrankungen wie z.B. Diabetes, Bluthochdruck, Osteoporose oder Demenz werden berücksichtigt. Das RKH Kassel übernimmt den Part der unfallchirurgischen Versorgungseinheit, die DRK-Klinik in Kaufungen die internistisch-geriatrische. Behandlungsschwerpunkte in Kassel sind dabei Brüche des Handgelenkes, des Oberarmkopfes, der Wirbelkörper sowie hüftgelenknahe Oberschenkelbrüche und Frakturen im Prothesenbereich.

Nach dem Sturz schnell wieder auf den Beinen

In der Vergangenheit wurden ältere Patienten mit Knochenbrüchen erst chirurgisch versorgt und anschließend bei Bedarf auf andere Stationen verlegt. „Alte Menschen befinden sich nach einer Operation durch den Eingriff und den Ortswechsel oft in schwierigen Situationen", sagt der erfahrene Chirurg Prof. Konermann. „Deswegen bekommen alle Patienten bei uns an Ort und Stelle ein Screening auf Delir,- Sturzund Dekubitusrisiko, sowie auf eine mögliche Ernährungsstörung. Ebenfalls erhalten Sie eine Osteoporosediagnostik mit der jeweils entsprechenden Therapie. Eine Verlegung auf andere Stationen ist in den meisten Fällen nicht erforderlich, bei Bedarf kann eine geriatrische Weiterbehandlung bei unserer Partnerklinik in Kaufungen erfolgen.“

Die Ärzte der beiden Kliniken halten einmal wöchentlich eine interdisziplinäre unfallchirurgisch-geriatrische Teamkonferenz ab. Zweimal wöchentlich treffen sie sich zur gemeinsamen Visite. „Die interdisziplinäre Versorgung bringt wesentliche Vorteile für die betagten Patienten", erklärt auch Dr. Jürgen Sasse, Facharzt für Innere Medizin/ Klinische Geriatrie und Chefarzt der DRK-Klinik in Kaufungen.

 „Geriatrische Patienten sind neben dem höheren Lebensalter durch eine geriatrietypische Multimorbidität (Vielfacherkrankung) bzw. alterstypische erhöhte Instabilität gekennzeichnet. Dies bedingt ein deutlich erhöhtes Risiko für das Auftreten von Komplikationen und Folgeerkrankungen wie beispielsweise Delir, Druckgeschwüre, Muskelabbau und Lungenentzündung, was schließlich zu einer dauerhaften Einschränkung der Mobilität und zum Verlust der Selbständigkeit bis hin zu einer dauerhaften Pflegebedürftigkeit führen kann. Um diesen Besonderheiten geriatrischer Patienten gerecht zu werden, wird die Fachkompetenz der Altersmedizin benötigt.“ (nh)

Quelle: HNA

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