Zehn unangenehme Mundkrankheiten

Auch im Mund können einige Krankheiten lauern. Von Mundgeruch über Parodontitis und Zahnfehlstellungen bis hin zu Warzen und Speichelsteinen reichen die Beschwerdebilder. Die Erkrankungen haben meist vielfältige Ursachen, sind in den meisten Fällen aber gut behandelbar. 

Wie es zu den Erkrankungen im Mund kommen kann und welche Therapien eine schnelle Linderung verschaffen, erläutert Dr. Marcus Parschau, Zahnarzt und geprüfter Experte der Implantologie.

1. Mundgeruch

Ursache/Auslöser: Vor allem bestimmte Lebensmittel wie Knoblauch, Zwiebeln, aber auch Tabak, Essensreste in den Zahnzwischenräumen, Karies oder eine geringe Speichelproduktion verursachen Mundgeruch. Dauerhaft schlechter Atem kann allerdings auch durch Magen- oder Nierenerkrankungen sowie Störungen in der Speiseröhre entstehen.

Therapie: In den meisten Fällen hilft gründliche Zahnhygiene: Fluoridhaltige Zahnpasta, Mundwasser und Zahnseide sowie ein spezieller Zungenschaber sollten mehrmals täglich zum Einsatz kommen. Eine jährlich durchgeführte professionelle Zahnreinigung durch den Zahnarzt beugt zusätzlich schlechtem Atem vor. Wenn der Mundgeruch trotz der genannten Maßnahmen nicht verschwindet, liegt der Verdacht anderer Erkrankungen nahe. In diesem Fall sollten Betroffene ihren Arzt kontaktieren.

2. Mundfäule

Ursache/Auslöser: Fast jeder Mensch trägt den Herpes-Simplex-Virus in sich. Während er bei Erwachsenen meistens nur den berüchtigtenLippenherpes  hervorruft, kann vor allem bei jüngeren Kindern Mundfäule auftreten, die schwere Infektionen des Rachenraums auslöst. Die Übertragung des Virus erfolgt über Schmier- oder Tröpfcheninfektion. Erste Anzeichen zeigen sich in Form von kleinen, schmerzhaften Bläschen auf Zunge und Mundschleimhaut, die sich im weiteren Verlauf auch im Rachenraum sowie an Zahnfleisch und Gaumen ausbreiten. Weitere Symptome können hohes Fieber, vermehrter Speichelfluss und säuerlicher Mundgeruch sein.

Therapie: Erwachsene mit akutem Lippenherpes sollten gemeinsames Benutzen von Besteck und Gläsern sowie Küsse mit ihren Kindern und Partnern möglichst meiden. Meist heilt Mundfäule nach einer Woche von selber wieder ab. Wenn jedoch eine Nahrungsaufnahme nicht mehr möglich ist oder das Fieber bedrohlich steigt, sollte dringend ein Arzt aufgesucht werden. Gewöhnlich kommen schmerz- und fiebersenkende Medikamente sowie desinfizierende Mittel zum Einsatz.

3. Knirschen

Ursache/Auslöser: Immer mehr Menschen knirschen nachts unbewusst mit den Zähnen. Häufiger Grund: schlecht sitzende Prothesen, Füllungen oder Kronen. Aber auch psychische Ursachen wie unterdrückte Aggressionen, Stress oder Trauer können nächtliches Knirschen verursachen. Am nächsten Morgen leiden viele wegen des enormen Drucks an einem knackenden Kiefer und schmerzenden Kaumuskeln. Mit der Zeit kommt es zu abgeriebenen Kauflächen und im Zahnschmelz können Risse entstehen, welche die Zähne schmerzempfindlicher und anfälliger für Bakterien machen.

Therapie: In vielen Fällen verhindert eine maßgefertigte Aufbiss- oder auch Knirschschiene aus Kunststoff die mechanische Belastung der Zähne und entlastet somit die Kiefergelenke. Wenn schlecht sitzender Zahnersatz die Probleme verursacht, hilft der sogenannte T-scan, welcher die Fehlstellung von Kronen oder Füllungen lokalisiert und dem Zahnarzt hilft, sogar kleinste Unebenheiten zielgenau zu korrigieren. Bei psychischen Ursachen empfiehlt sich die Untersuchung durch einen Psychologen. In einigen Fällen hilft auch der Wechsel eines unliebsamen Jobs oder eine Veränderung im privaten Umfeld.

4. Orale Candidose (Zungenpilz)

Ursache/Auslöser: Jeder Mensch beherbergt den Hefepilz Candida im Mundraum, der sich bei einer gesunden Mundflora nicht weiter ausbreitet. Wird dieses Gleichgewicht jedoch durch ein schwaches Immunsystem, Infektionen, bestimmte Allergien oder Unverträglichkeiten gestört, vermehren sich die Hefepilze ungehindert und verursachen Zungenpilz. Ein typisches Symptom ist der weiße Belag auf der Zunge, einhergehend mit heftigem Brennen. Bei fortgeschrittener Erkrankung folgen Schluckbeschwerden, Geschmacksstörungen und Mundgeruch.

Behandlung: Bereits bei den ersten Anzeichen einen Arzt konsultieren, da sich die Krankheit bis in die Blutbahnen ausbreitet und zu Folgeschäden führen kann. Außerdem sollten Betroffene wenn möglich den Kontakt zu Säuglingen, Kleinkindern oder älteren Personen meiden, weil diese besonders anfällig für Infektionen mit dem Hefepilz sind. Gegen Schmerzen helfen zusätzlich desinfizierende Lutschtabletten.

5. Kondylome (Warzen)

Ursache/Auslöser: Kondylome oder auch Feigwarzen gehören zu den meistverbreiteten Geschlechtskrankheiten und treten vornehmlich im Genital- und Analbereich auf. Durch Oralverkehr können Humane Papillomviren jedoch auch in den Mund- und Rachenraum gelangen und dort Warzen-ähnliche Veränderungen, sogenannte Papillome, hervorrufen. Diese Form ist äußerst selten, bleibt meist unbemerkt und ist zunächst nicht gefährlich. Befinden sich die Papillome jedoch auf Kehlkopf oder Atemwegen, können vermehrt Heiserkeit und Kurzatmigkeit auftreten.

Behandlung: Betroffene brauchen nicht unter Schamgefühlen zu leiden. Stattdessen gilt es, unbedingt einen Arzt aufzusuchen. Unter örtlicher Betäubung oder Vollnarkose werden die Feigwarzen mittels CO2- oder Elektrolaser, meist narbenfrei, entfernt. Um erneuten Infektionen vorzubeugen, ist es ratsam, den Partner in die Behandlung einzubeziehen.

6. Zahnfehlstellungen

Ursachen/Auslöser: Viele Fehlstellungen sind angeboren, aber auch dauerhaftes Lutschen an Daumen, Schnuller oder Flasche begünstigen diese. Nuckeln führt häufig zum sogenannten „offenen Biss“, bei dem die Zähne nicht mehr am richtigen Platz im Zahnbogen stehen und deshalb nicht mehr aufeinandertreffen. Neben ästhetischen Problemen können Fehlstellungen auch größere Kieferprobleme auslösen, weil die Zähne nicht mehr korrekt aufeinanderbeißen und deshalb die Kiefergelenke unnatürlich stark belasten.

Therapie: Eine Korrektur kann sowohl bei Jugendlichen als auch bei Erwachsenen erfolgen. Während es in jungen Jahren oft als „cool“ gilt, eine feste oder herausnehmbare Spange zu tragen, scheuen sich Erwachsene häufig noch, eine sichtbare Spange zu tragen. In diesen Fällen lassen sich Fehlstellungen mittels unsichtbarer Techniken wie transparenter Zahnspangen oder der Lingualtechnik, bei der sich Brackets und Bogen auf der Rückseite der Zähne befinden, behandeln.

7. Parodontitis

Ursache/Auslöser: Parodontitis ist eine bakterielle, ansteckende Entzündung des Zahnhalteapparates. Unbehandelt zerstört sie nach und nach Bindegewebe und Kieferknochen. Im schlimmsten Fall führt dies zu Lockerung sowie Verlust der Zähne. Zu den ersten Symptomen zählen Zahnfleischbluten, geschwollenes Zahnfleisch und die Bildung vonZahnfleischtaschen.

Therapie: Um der Entzündung erst gar keine Chance zu geben, gilt eine gute Mundhygiene als unverzichtbar. Haben Bakterien eine Entzündung ausgelöst, kommen häufig Antibiotika zum Einsatz. Bei fortgeschrittener Parodontitis setzen Ärzte zudem moderne Laser ein, die durch bestimmte Wellenlängen die Zellschicht der Erreger zerstören und sie abtöten. Eine besondere Reinigung unter örtlicher Betäubung erfolgt, wenn Zahnfleischtaschen sehr tief reichen. Um Folgeerkrankungen vorzubeugen, empfiehlt es sich, auch den Partner in die Behandlung einzubeziehen.

8. Nuckelflaschenkaries

Ursache/Auslöser: Viele kleine Kinder nuckeln zu lange an Flaschen mit süßen, zuckerhaltigen Säften, Tees oder Ähnlichem. Durch das andauernde Saugen werden die Zähne nicht mehr ausreichend von Speichel umspült, sodass dieser nicht mehr seine Funktion erfüllt, Säuren und Bakterien zu neutralisieren. Folge: starker Kariesbefall, Schwierigkeiten beim Kauen sowie Probleme der Sprach- und Gebissentwicklung.

Therapie: Zur generellen Vorbeugung von Karies empfiehlt es sich, bereits die ersten Zähne des Kindes vorsichtig mit Kinderzahnpasta zu putzen und Vorsorgeuntersuchungen beim Zahnarzt in Anspruch zu nehmen. Flaschen nur mit ungesüßten Getränken oder Wasser zu den Mahlzeiten oder zum Durstlöschen reichen. Sobald das Kind selbstständig sitzt, sollte der Wechsel von Nuckelflasche zu anderen Trinkgefäßen wie Becher oder Glas erfolgen. Sind die Milchzähne von ausgeprägtem Kariesbefall betroffen und zerstört, hilft häufig nur operatives Entfernen.

9. Erosionen

Ursachen: Nicht nur säurehaltige Lebensmittel wie Essig oder Fruchtsäfte, sondern auch Sodbrennen, chronische Magen-Darm-Erkrankungen sowie häufiges Erbrechen aufgrund von Magersucht oder Bulimie führen zu einer Übersäuerung im Mundraum. Im Normalfall remineralisiert Speichel angegriffenen Zahnschmelz, bei übermäßiger Säureeinwirkung wird die Schutzschicht jedoch zu stark aufgeweicht. Es droht akuter Schmelzabbau, die sogenannte Zahnerosion. Die Zähne wirken wie abgefeilt und es stellt sich eine gelbliche Farbe ein. Auch klagen Betroffene über eine erhöhte Schmerzempfindlichkeit.

Therapie: Um Zahnerosionen entgegenzuwirken, helfen eine Ernährung mit neutralisierenden und kalziumhaltigen Lebensmitteln wie Milch und Käse sowie eine gesunde Zahnhygiene. Süßgetränke, Fruchtsäfte und aufhellende Zahnpasten vermeiden, da diese den Schmelz zusätzlich angreifen und schädigen. Betroffene, die unter Bulimie oder Magersucht leiden, müssen sich unbedingt fachärztlicher Betreuung und Behandlung unterziehen.

10. Speichelsteine

Ursache/Auslöser: Die Bildung von Speichelsteinen resultiert aus einer veränderten Speichelzusammensetzung oder einem ständigen Sekretstau bei engen Drüsengängen. Ihre Größe variiert von wenigen Millimetern bis zu zwei Zentimetern. Verstopfen sie eine Speicheldrüse, vermehren sich im angestauten Speichel Bakterien sowie Viren und führen zu einer schmerzhaften, geschwollenen Entzündung der Drüse.

Therapie: Durch vermehrten Speichelfluss lassen sich kleine Speichelsteine nach außen befördern. Dafür reicht eine einfache Behandlung mit speichelbildenden Lebensmitteln, wie zuckerfreien Bonbons oder Kaugummis. In schwierigeren Fällen können manche Steine mithilfe von Ultraschall zerstört werden. Wenn dies nicht möglich ist, sich viele Speichelsteine gebildet haben oder ein Speichelstein die Größe von acht Millimetern übersteigt, ist eine operative Entfernung erforderlich. Nur in Ausnahmefällen wird dabei die gesamte betroffene Speicheldrüse entfernt. (nh)

Weitere Informationen unter www.dr-parschau.de

Quelle: HNA

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