Zecken können Krankheiten übertragen - Borrelien weitverbreitet

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Die Gefahr lauert auf Bäumen, in Sträuchern und im feuchten Gras. Sie ist klein, hat acht Beine und heißt Zecke. Sobald es warm wird und die Natur mit frischem Grün wieder zu Leben erwacht, beginnt die bis zum Herbst andauernde Saison der Spinnentiere, die gefährliche Krankheiten übertragen können.

Und da der Winter nicht sonderlich kalt war, rechnen Experten mit einem üppigen Vorkommen an Zecken.

Gefürchtet sind zwei Krankheiten: Die von Viren ausgelöste Frühsommer-Meningo-enzephalitis (FSME) und die Lyme-Borreliose (LB), die durch Bakterien hervorgerufen wird. Tückisch sind beide, sagt Dr. Karin Müller, Leiterin des Gesundheitsamtes Kassel.

Vor allem in Süddeutschland sind die Blutsauger zugleich Träger des Virus; zu den Risikogebieten in Hessen zählen acht Landkreise, die nördlichsten sind Marburg-Biedenkopf und Fulda. Der Landkreis Kassel ist nicht betroffen.

Dr. Karin Müller sind für Stadt und Landkreis Kassel keine Fälle bekannt, bei denen Menschen im vergangenen Jahr an der gefährlichen und meldepflichtigen Hirnhautentzündung erkrankten. Allerdings rät sie insbesondere Menschen zur Vorsicht, die sich häufig in Risikogebieten aufhalten, dort ihren Urlaub verbringen und viel in der Natur aktiv sein werden. Sie sollten sich impfen lassen. Die Grundimmunisierung beinhaltet drei Impfungen. Der ersten Injektion folgt nach vier Wochen eine zweite und nach einem weiteren Jahr eine letzte. Der Schutz hält zwischen fünf und zehn Jahre vor. Die allgemein gut verträgliche Prophylaxe wird auch für Kinder angeboten, lediglich bei Kindern unter drei Jahren könne es zu fiebrigen Reaktionen kommen. Die meisten Krankenkassen übernehmen die Kosten für die Impfung.

Bis 35 Prozent mit Borrelien

Im Unterschied zu den FSME-Erregern ist das Auftreten der Bakterien nicht auf bestimmte Gebiete beschränkt. Schätzungsweise fünf bis 35 Prozent der Zecken sind mit diesen Borrelien infiziert. Und: Gegen die Borreliose gibt es keinen Impfschutz. Bei einem Zeckenbiss können die Borrelien über den Speichel des Spinnentieres in die Blutbahn des Menschen gelangen und eine Borreliose verursachen. Dr. Karin Müller hat den Eindruck, dass die Zahl der Erkrankungen in den vergangenen Jahren zugenommen hat. Erkennbar ist sie an den typischen Symptomen wie eine Rötung um die Bissstelle. Sie breitet sich oft kreisförmig aus (Wanderröte). Fieber ist möglich, grippeähnliche Verläufe kommen vor, die Lymphknoten können anschwellen, Muskeln und Gelenke können schmerzen. Bei diesen Anzeichen sollte rasch ein Arzt aufgesucht werden, der die Erkrankung mit Antibiotika behandeln wird.

Rat und Hilfe: Borreliose Selbsthilfegruppe Kassel Stadt und Land, Tel. 05 61/ 78 80 68 81, www.borreliose.de

Hintergrund:

Zecken entfernen

Zecken sind blutsaugende Parasiten, die Menschen und Tiere befallen können. Sie leben bevorzugt auf hohem Gras, Farnen, Sträuchern im Wald, aber auch auf Feldern, in Parks und Gärten. Wenn sie im Vorübergehen abgestreift werden, setzen sie sich meist nicht gleich fest, sondern suchen häufig Körperstellen mit dünner, warmer Haut wie die Leistengegend, Achseln, Kniekehlen oder den Haaransatz.

Schützen können Kleidung und auch spezielle Insektenabwehrmittel. Wichtig ist es aber vor allem, nach dem Aufenthalt im Freien den Körper gründlich auf Zecken abzusuchen und diese möglichst schnell zu entfernen. Dabei darf die Zecke in keinem Fall gequetscht oder beträufelt werden. Am besten fasst man das Tier am Kopf nah an der Haut mit einer feinen spitzen Pinzette, zieht es heraus und desinfiziert anschließend die Einstichstelle. (hei)

Quelle: HNA

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