Die Zahl der Schlaganfälle nimmt zu - So werden Patienten im Akutfall versorgt

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Neurologische Untersuchung: Chefarzt Andreas Ferbert demonstriert mit HNA-Volontärin Alia Shuhaiber den Ablauf der wichtigen Erstuntersuchung eines Schlaganfall-Patienten in der Zentralen Notaufnahme.

Es kann jeden treffen. Die Kabarettistin Gaby Köster hat diesen Satz in den vergangenen Wochen oft gesagt. Sie wurde in einer Schlaganfall-Einheit, einem Stroke-Unit-Zentrum behandelt. Eine solche Einrichtung gibt es in unserer Region auch am Klinikum Kassel. Wir sind den Weg von Schlaganfall-Patienten mitgegangen.

Notaufnahme

Notarzt und Krankenwagenbesatzung haben den nächsten Patienten für die Zentrale Notaufnahme (ZNA) bereits angekündigt: Herbert S. ist vermutlich vor rund einer Stunde bei der Gartenarbeit umgekippt, ist halbseitig gelähmt und kann kaum sprechen. Nachdem der Krankenwagen in der Liegendeinfahrt geparkt ist, wird der Patient sofort in einen der beiden benachbarten Schockräume gebracht. Man nimmt ihm Blutab und schiebt ihn gleich in den nächsten Raum, um mittels Computertomografie (CT) eine Röntgen-Schichtaufnahme des Kopfes zu machen. Weitere neurologische Untersuchungen folgen.

Behandlung

Kurze Zeit später ist klar: Der 67-Jährige hat einen „Hirninfarkt“ erlitten. Ein größeres Hirngefäß ist durch ein Blutgerinnsel verstopft, sodass Teile des Gehirns kaum noch durchblutet werden. Etwa eine Viertelstunde später wird dem Patienten ein Medikament (eine sogenannte Thrombolyse) gespritzt, das das Gerinnsel auflösen soll.

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Das Zeitfenster für diese Therapie betrage bis zu viereinhalb Stunden nach dem Beginn der Symptome, erläutert die Neurologin Dr. Kerstin von Stockhausen. Danach steige die Gefahr für eine Hirnblutung durch das Lyse-Medikament langsam an. Herbert S. hat gute Chancen, weil ihn seine Frau offenbar kurze Zeit nach dem Schlaganfall gefunden und sofort den Notarzt gerufen hatte. Wenn es gelingt, das Gerinnsel schnell aufzulösen und die Durchblutung wiederherzustellen, sind mit viel Glück auch die Folgeschäden nicht allzu groß.

Eventuell wird man noch einmal eine spezielle Untersuchung der Hirngefäße veranlassen. Denn in manchen Fällen, wenn das Blutgerinsel sehr groß ist, kann dieses durch ein spezielles Verfahren in der Neuroradiologie mit einem sehr feinen Katheter mechanisch entfernt werden.

Schlaganfall-Einheit

Herbert S. wird nun auf die Schlaganfall-Einheit verlegt, wo ihn speziell geschultes Personal in den ersten Tagen nach dem Schlaganfall überwachen und behandeln wird.

Krankengymnastik: Physiotherapeut Hubertus Stitz leitet Patientin Rosa Krüger bei den Bewegungsübungen an.

Rosa Krüger aus Baunatal wird hier seit fünf Tagen behandelt. Sie hat eine andere Art Schlaganfall erlitten: eine Hirnblutung. Auf dem Röntgenbild ist eine relativ große Blutung mitten im Gehirn zu sehen, die durch einen Riss einer Hirnarterie aufgetreten ist. „Es ist erstaunlich und wunderbar, dass sie so wenig Symptome hat“, sagt der Direktor der Neurologischen Klinik, Prof. Dr. Andreas Ferbert. Die Einblutung im Hirngewebe wird sich nach und nach zurückbilden. Ein operativer Eingriff ist in ihrem Fall nicht möglich, aber auch nicht nötig. Unterdessen wird die 78-Jährige überwacht und ihr zuvor entgleister hoher Blutdruck wird mit Medikamenten eingestellt, erläutert Oberärztin Dr. Susanne Köhler.

Normalstation

Danach wird sie vermutlich noch ein paar Tage auf der Normalstation bleiben, um sich weiter zu erholen und auch ihren Blutdruck weiter zu überwachen.

Reha

Die Rehabilitation eines Schlaganfall-Patienten beginnt bereits am ersten Tag: Physiotherapeuten kommen ans Krankenbett, um Bewegungsübungen zu machen. Logopäden behandeln Sprech- und Schluckstörungen, Ergotherapeuten helfen beispielsweise bei der Verbesserung der Grob-und Feinmotorik.

Acht bis zehn Tage bleiben die Schlaganfall-Patienten im Schnitt im Akut-Krankenhaus, danach werden rund 35 Prozent der Betroffenen in einer Rehabilitationsklinik weiter behandelt und auf dem Weg zurück in ein möglichst normales Leben vielseitig gefördert.

Von Martina Heise-Thonicke

Quelle: HNA

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