Wirksame Waffe gegen die Krebszellen

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Zusammen mit der Operation eines bösartigen Tumors und der Strahlentherapie ist die Chemotherapie eine der drei Säulen der Krebstherapie. Sie dauert meist mehrere Monate und findet häufig im Anschluss an eine Tumorentfernung statt.

Patienten und Angehörige haben viele Fragen rund um die Chemotherapie. Die häufigsten beantwortet Dr. Ulrike Söling, Fachärztin für Krebserkrankungen (Onkologie) in Kassel.

Was genau ist eigentlich Chemotherapie?

Unter einer Chemotherapie versteht man die Behandlung mit Chemotherapeutika. Diese künstlich hergestellten oder auch natürlich vorkommenden Substanzen können Tumorzellen, aber auch andere Krankheitserreger wie beispielsweise Viren oder Bakterien bekämpfen. Die chemotherapeutischen Arzneimittel werden auch als Zellgifte bezeichnet. Sie hemmen das Wachstum von Krebszellen und schädigen diese auch direkt. So kann die Ausbreitung von Krebs im Körper gestoppt werden.

Wann wird eine Chemotherapie angewendet?

Es gibt verschiedene Gründe für eine chemotherapeutische Behandlung. Zum einen die „vorbeugende“ (adjuvante) Therapie mit dem Ziel, nach einer Operation ein Wiederauftreten der Erkrankung oder das Entstehen von Fernabsiedelungen (Metastasen) zu verhindern. Als neo-adjuvant bezeichnet man die Therapie, welche das Ziel hat, einen Tumor im Vorfeld der Operation zu verkleinern, beispielsweise damit er besser operiert werden kann. Die palliative Chemotherapie soll bereits bestehende Metastasen und gestreute Tumorzellen am Wachstum hindern.

Woher weiß man, dass eine vorbeugende Chemotherapie notwendig ist, wenn es keinen Nachweis über die weitere Ausbreitung des Krebses im Körper gibt?

Neben der Untersuchung der Lymphknoten, welche bei einer Tumor-Operation ebenfalls entfernt und analysiert werden, stützen sich die Ärzte bei der Chemotherapie auf Erfahrungsdaten, die in Langzeitstudien erworben werden. Diese Studien werden ständig fortgeschrieben und erweitert, sodass sich die Mediziner bei der Behandlung von Krebskrankheiten auf immer mehr Daten stützen können. Die Fachgesellschaften versuchen, rund zehn Prozent unserer Patienten in derartigen Studien unterzubringen. Das ist allerdings ein sehr ehrgeiziges Ziel.

Welche Chemotherapeutika werden in welchem Fall eingesetzt?

Mittlerweile sind rund 80 verschiedene Chemotherapeutika im Einsatz. Deren Gabe wird für jeden Patienten individuell verordnet; immer abhängig von der Art des Krebses. Auch hierbei sind in Studien erworbene Daten von entscheidender Bedeutung.

Wie läuft die Chemotherapie ab und wie lange dauert sie?

In den meisten Fällen erfolgt die Chemotherapie intravenös. Die Medikamente werden mittels einer Infusion oder auch per Spritze direkt in die Venen des Patienten verabreicht. Die Dauer einer solchen Therapie richtet sich nach der jeweiligen Krebsart und dem physischen Zustand des Patienten. Üblicherweise erfolgt sie in Zyklen, die im Abstand von Tagen, Wochen oder Monaten liegen können. Durchschnittlich dauert eine Chemotherapie bei Dickdarmkrebs ungefähr fünf bis sechs Monate. In der nächsten Folge zu diesem Thema lesen Sie mehr zum praktischen Ablauf einer Chemotherapie und möglichen Nebenwirkungen.

Von Dagmar Buth-Parvaresh

Quelle: HNA

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