Werben um den kranken Scheich - Wie Patientenvermittler arbeiten

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Jochen Baumgartner, Gründer und Geschäftsführer der Wiesbadener Firma Quartana

Wenn sich reiche Ausländer in Hessen behandeln lassen, sind bisweilen andere Dienstleistungen gefragt als nur medizinische: ein Landeplatz für den Privatjet, das Nachbar-Krankenzimmer für den Leibwächter und eine Rheinschifffahrt für mitreisende Angehörige.

Bisweilen checken Patienten in hessischen Kliniken unter falschem Namen ein. Nicht, dass sie die Rechnung prellen wollen - am nötigen Kapital für eine Privatbehandlung mangelt es den wohlhabenden ausländischen Gästen am wenigsten. Eher am Vertrauen in das heimische Gesundheitssystem und die Diskretion des medizinischen Personals. Mancher russische Politiker oder arabische Geschäftsmann lässt sich daher lieber in Frankfurt oder Wiesbaden behandeln als in Moskau oder Dubai.

Damit diese finanzstarke Kundschaft den Weg nach Hessen findet, hat sich ein eigenes Dienstleistungsgewerbe entwickelt. Patientenvermittler bieten sich als Makler zwischen Patient und Klinik an. 20 bis 25 solcher Firmen gibt es im Bundesland, schätzt Burkhard Bigalke vom Medical Network Hessen. Wie viele Patienten sie vermitteln weiß niemand, die Kliniken schweigen sich aus. Der Wirtschaftswissenschaftler Jens Juszczak aus Sankt Augustin sieht Bayern als Vorreiter.

Die Vermittler profitieren vom guten Ruf deutscher Ärzte im Ausland. Eine von ihnen ist die Wiesbadener Firma Quartana. Sie vermittelt seit acht Jahren ausländische Patienten rund um den Frankfurter Flughafen, auch an bayerische und rheinland-pfälzische Kliniken. „Der Kontakt kommt meist über die Ärzte im Heimatland zustande“, berichtet Firmengründer und Geschäftsführer Jochen Baumgartner. Um sich dort bekannt zu machen, wirbt Quartana auf Medizinmessen für seine Dienste. Ärzte, die ihren Patienten Quartana empfehlen, bekommen dafür „eine kleine Provision“. In Deutschland zahlen manche Privatkliniken bisweilen „eine Aufwandsentschädigung“. Eigentlich trage die Kosten ausschließlich der Patient, betont Baumgartner. Und die sind nicht ohne: Für einen dreitägigen Aufenthalt mit Herz-OP können da schon 2500 bis 3000 Euro zusammenkommen. Fünf bis zehn Patienten pro Monat betreut das Fünf- Mann-Unternehmen. „Das geht damit los, dass wir vom Heimat-Arzt den Patientenbericht zugeschickt bekommen“, erklärt Baumgartner. Quartana übersetzt, sucht die passende Klinik und den besten Arzt, ermittelt die Kosten und vereinbart einen Termin.

Das klingt nach „Fall gelöst“, ist aber erst der Anfang. Denn der Vermittler besorgt auch das Visum, bucht Hotel und Flug und stellt dem Patienten einen „Manager“ zur Seite, der die jeweilige Sprache spricht, 24 Stunden telefonisch erreichbar ist und den Kranken zu allen Arztterminen in Deutschland begleitet. Die Betreuung der Kunden sei durchaus „anspruchsvoll“, sagt Baumgartner, „die müssen bemuttert werden und wollen nur „high end"“. Wenn es Klagen gebe, dann selten wegen der medizinischen Leistung. Eher schon, weil das Luxushotel in Wiesbaden nicht fein genug ist oder das Nachtleben in Frankfurt zu unspektakulär. Manchmal muss auch ein Slot für den Privatflieger gebucht werden, drei Krankenzimmer nebeneinander - für die Bodyguards - und ein Unterhaltungsprogramm für die mitreisenden Familienangehörigen.

Konkurrenz bekommen Firmen wie Quartana von zwei Seiten: Manche Kliniken werben sehr erfolgreich für sich selbst im Ausland, weiß Experte Juszczak. Und dann gebe es noch ein „gigantisches Heer“ von Ein-Mann-Unternehmen, die „sehr unseriös, sehr unprofessionell, aber zum Glück auch meist sehr erfolglos“ arbeiten. Einen von ihnen traf Profi-Vermittler Baumgartner kürzlich in einem Wartezimmer: „Der sagte: Dieser Patient zahlt 5000 Euro - und 1000 davon bekomme ich." (dpa)

Quelle: HNA

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