Wenn der Zappelphilipp erwachsen wird

Menschen, die am Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätssyndrom (ADHS) leiden, haben Schwierigkeiten bei Aufgaben, die längere Aufmerksamkeit erfordern. Sie sind leicht ablenkbar und können begonnene Tätigkeiten häufig nicht zu Ende führen.

Diese Symptome haben massive Folgen für Arbeit und Privatleben: Der Arbeitsstil der Erkrankten ist meist desorganisiert und ineffizient. Misserfolge und Konflikte in Beruf, Ausbildung, Partnerschaft oder Kindererziehung sind die Folge. Neben der verminderten Konzentrationsfähigkeit sind Unruhe, Impulsivität und emotionale Labilität Begleiterscheinungen dieser psychosomatischen Erkrankung.

Stationäre Behandlung

In einer stationären Behandlung lernen Betroffene, ADHS zu kontrollieren und sich nicht durch die Erkrankung kontrollieren zu lassen. Für alle Patienten ist die Psychoedukation, also die Aufklärung und Wissensvermittlung über die Mechanismen der Erkrankung, wichtig.

Begleitend wird geprüft, ob eine medikamentöse Behandlung sinnvoll ist. Nur bei ausgeprägten Kernsymptomen ist der Einsatz von Medikamenten aus der Gruppe der sogenannten Psychostimulanzien oder verfügbarer, alternativer Substanzen, sinnvoll. Konzentrationsfähigkeit und Ausdauer können dadurch häufig verbessert, Impulsivität und innere Unruhe abgemildert werden. Bestimmte Antidepressiva, die ebenfalls die erwähnten Regelkreise im Zentralnervensystem ansprechen, können ebenfalls helfen.

Mehr Struktur im Alltag gibt Patienten Halt

Die Psychotherapie des ADHS besteht aus einzel- und gruppentherapeutischen Elementen. Ausgangspunkt ist immer der Patient. Mit ihm wird erarbeitet, was er verändern will und welche individuellen Ressourcen – wie besondere Fähigkeiten oder die Unterstützung durch die Familie – zur Verfügung stehen. In der ADHS-spezifischen Gruppentherapie werden wichtige Themen wie Alltagsstrukturierung, Organisationsplanung, Strategien zum Stressmanagement, Aufbau stabilisierender Rituale und Abläufe sowie Achtsamkeitsübungen zur verbesserten Selbstwahrnehmung vermittelt.

Zudem stehen Sport- und Bewegungstherapie, Biofeedback, progressive Muskelentspannung und Ergotherapie zur Verfügung. Ziel ist es am Ende, das ADHS zu kontrollieren und nicht von ihm kontrolliert zu werden. (nh)

Quelle: HNA

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