Gesundheitssprechstunde: Dr.Sven Fischer berät zu Behandlungsmöglichkeiten von Enddarmerkrankungen

Wenn der Stuhlgang unhaltbar ist

Inkontinenz und Analerkrankungen sind Themen, über die viele Menschen nicht leicht sprechen können. Dabei kommen diese Erkrankungen sehr häufig vor: Etwa 1,5 Millionen Menschen in Deutschland sind allein von Stuhlinkontinenz betroffen.

Verlust oder Einschränkung der Kontinenz sind mit starker körperlicher und seelischer Belastung verbunden. Die Betroffenen haben meist einen langen Leidensweg hinter sich.

Dr. Sven Fischer, Oberarzt am Elisabeth-Krankenhaus Kassel, hat Anrufer während der Telefonsprechstunde am vergangenen Montag zu Behandlungsmöglichkeiten von Inkontinenz und Analerkrankungen beraten.

Ich bin weiblich, 48 Jahre alt und leide über die Hälfte meines Lebens unter Beschwerden, die den Darm betreffen. Mir wurde in mehreren Operationen der vollständige Dickdarm entfernt. Was mich besonders belastet, ist der flüssige Stuhl, den ich zwar kontrollieren kann, aber gern unterbinden möchte. Wäre ein Schrittmacher für mich geeignet?

Dr. Fischer: Sie haben einen langen Leidensweg mit vielen Operationen hinter sich, die einen erheblichen Einfluss auf die Darmtätigkeit haben.

Da Ihr Dickdarm entfernt wurde, fehlt das Instrument für die Eindickung des Stuhls. Daher wird das Problem des flüssigen Stuhlgangs bleiben, der jedoch konservativ gut behandelbar ist. Neben einer medikamentösen Versorgung kann auch die Ernährung einen Einfluss auf die Festigkeit des Stuhls nehmen. Sie sollten versuchen, den Stuhl so fest wie möglich zu bekommen.

Um eine funktionelle Störung des Schließmuskels ausschließen zu können, sollte zunächst eine ausführliche Untersuchung erfolgen. Bei normaler Schließmuskelfunktion und flüssigem Stuhl wird aber auch eine sakrale Nervenstimulation nicht erfolgversprechend sein.

Ich bin weiblich, 78 Jahre alt und leide unter einer altersbedingten Reizblase. Im Alltag benutze ich eine Slipeinlage, da ich immer wieder einige Tröpfchen Urin verliere. Meinen Stuhlgang kann ich noch kontrollieren, aber wenn ich zwei Stunden nach dem letzten Stuhlgang auf die Toilette gehe und uriniere, tritt trotzdem zusätzlich bräunliche Schmiere aus. Was kann ich tun?

Dr. Fischer: In Bezug auf Ihre Urininkontinenz sollten Sie sich bei einem Urologen vorstellen und Ihre Probleme schildern. Der Einsatz eines sakralen Nervenstimulators halte ich in Ihrem Fall für nicht angesagt, da Sie den Stuhlgang noch einhalten können.

Die Ursache für das Stuhlschmieren liegt meist in einer Beeinträchtigung der Schleimhaut in den letzten zehn Zentimetern des Darms. Verantwortlich dafür können Hämorrhoiden sein. Eine zuverlässige Diagnose liefert eine Enddarmspiegelung, zu der ich Ihnen rate.

Ich bin männlich, 75 Jahre alt und bei mir wurde vor zehn Jahren der komplette Mastdarm aufgrund einer Krebserkrankung entfernt. Seitdem muss ich häufig auf die Toilette. Wenn der Stuhl fest ist, ist es kein Problem. Aber bei weichem Stuhl bin ich dauernd am Rennen und schaffe es manchmal nicht, den Stuhl bis zur Toilette einzuhalten. Können Sie mir weiterhelfen?

Dr. Fischer: Nach Operationen am Enddarm klagen Patienten nicht selten über Probleme beim Stuhlgang. Am Enddarm treffen sich in großer Dichte Nerven und Gefäße, wobei sowohl die bewusste Innervierung für Bewegung und für Sensibilität als auch das vegetative Nervensystem und das eigene Nervensystem des Darmes sich hier auf engstem Raum finden. Die Entfernung des Enddarmes schädigt dieses System, was nun einen Einfluss auf Ihre Stuhlregulation hat.

Vor einem operativen Eingriff sollte zunächst versucht werden, Ihre Probleme konservativ mithilfe von Medikamenten und Krankengymnastik, wie Beckenbodengymnastik und Biofeedbacktraining, zu behandeln. Sollte sich jedoch innerhalb von sechs Monaten keine deutliche Besserung einstellen, könnte ein Schrittmacher Linderung verschaffen.

Beim Einsatz eines sakralen Stimulators handelt es sich um einen relativ einfachen operativen Eingriff. Zunächst wird unter Narkose über den Rückenbereich eine Sonde an die Sakralnerven geführt, die für Darm und Blase zuständig sind. Ähnlich einem Herzschrittmacher werden die Stromimpulse von einem Generator abgegeben, der im Hüftbereich unter der Haut implantiert. Die elektrischen Impulse regen die Nerven an, die zum Beckenboden und der Schließmuskulatur von Darm und Blase führen und stellen somit die Kontrolle des Organs wieder her.

Von Sandra Köhler

Quelle: HNA

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