Wenn der Schuh drückt

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Wenn der Fuß umknickt: Verletztes Sprunggelenk immer behandeln lassen.

Der Fuß ist für den Menschen von besonderer Bedeutung, da er die ganze Last des Körpers trägt. Jeder Zweite hat während seines Lebens mit Fußproblemen zu tun.

Wenn sich Fehlstellungen und Verschleißerkrankungen wie Arthrose, Hallux valgus und Hammerzehen nicht mit konservativen Therapien behandeln lassen, muss häufig operiert werden. Es handelt sich dabei meist um eine Kombination aus Weichteil- und Knochenoperationen. Bei den knöchernen Operationen wird versucht die Gelenke zu erhalten und die normale Form des Fußes wieder herzustellen.

Dr. Franz-Josef Müller, Leiter der Allgemeinen Orthopädie und Traumatologie der Orthopädischen Klinik Hessisch Lichtenau und Chefarzt des angeschlossenen Nachsorgezentrums, hat Anrufer während der Telefonsprechstunde am vergangenen Montag zum Thema Fußchirurgie beraten.

Ich bin 64 Jahre alt und habe seit längerer Zeit Probleme am linken Sprunggelenk. Wenn ich den Fuß belaste, kommt es zu einer Schwellung des Gelenks, was zu einer enormen Bewegungseinschränkung führt. Anhand einer Magnetresonanztomographie (MRT) wurde bei mir eine Osteochondrosis dissecans diagnostiziert. Was bedeutet das genau und kann mir nur eine Operation weiterhelfen?   

DR. MÜLLER: Ihre beschriebenen Beschwerden sind symptomatisch für eine Osteochondrosis dissecans. Dabei handelt es sich um eine Durchblutungsstörung von Teilen des Sprunggelenks, was zur Folge hat, dass der Knochen unter der Gelenkfläche langsam abstirbt.

Eine Osteochondrosis wird normalerweise operativ behandelt. Während einer den Patienten nur minimal belastenden Gelenkspiegelung (Ar- throskopie) wird der Krankheitsherd angebohrt, um die Durchblutung wieder herzustellen. Falls es bereits zu einer Schädigung des Gelenkknorpels gekommen ist, wird der abgestorbene Knochen durch körpereigene oder künstliche Knorpelknochentransplantate ersetzt.

Ich bin weiblich und leide seit einem Jahr unter stechenden Schmerzen im rechten Fuß. Bei einer Röntgenuntersuchung bestätigte sich der Anfangsverdacht meines Orthopäden. Er hateinen Hallux valgus diagnostiziert und rät zu einer Operation. Ist das wirklich die einzige Option?  

DR. MÜLLER: Bei Ihnen liegt eine massive Valgusstellung der Großzehe vor. Die Zugrichtung der Sehnen verändert sich und verstärkt die Verlagerung der Großzehe. Dabei weicht die Großzehe nach außen ab und es verbreitert sich der vordere Teil des Fußes. Durch die Fehlstellung der Großzehe können Gelenkknorpelschäden in Form einer Arthrose im Großzehengrundgelenk auftreten. Daher sollte zusätzlich noch eine belastete Röntgenaufnahme im Stand vom betroffenen Fuß gemacht werden, um den Schweregrad der Achsabweichung diagnostizieren zu können.

Während einer Operation, zu der ich in Ihrem Fall rate, wird die Fehlstellung korrigiert. Dazu wird der Mittelfußknochen durchtrennt, die Fehlstellung korrigiert und der korrigierte Knochen mit einer oder zwei Titanschrauben stabilisiert.

Ich bin weiblich und 66 Jahre alt. Bei einem Unfall vor zehn Jahren wurde mein Sprunggelenk im rechten Fuß zertrümmert. Bei einer Operation wurde das obere Sprunggelenk versteift, das untere Sprunggelenk wurde erhalten. In letzter Zeit werden die Schmerzen im Fuß immer schlimmer und ich bin in meiner Bewegung stark eingeschränkt. Bei einer Röntgenuntersuchung wurde zusätzlich eine Arthrose im unteren Sprunggelenk diagnostiziert. Was raten Sie mir? 

DR. MÜLLER: Durch die Versteifung des oberen Sprunggelenks muss das untere Sprunggelenk mehr aushalten. Das untere Sprunggelenk ist nun auch verschlissen. Daher ist in Ihrem Fall die Versteifung des unteren Sprunggelenks – gerade im Hinblick auf die vorliegende Arthrose – die Methode der Wahl. Da der Bewegungsumfang im unteren Sprunggelenk nicht sehr groß ist, wird Ihr Gangbild nach der Versteifung nicht wesentlich beeinträchtigt. 

Ich bin männlich, treibe viel Sport und leide seit einiger Zeit an einem schmerzenden oberen Fersensporn. Mein Orthopäde hat eine Haglund-Ferse diagnostiziert und rät mir zu einer Operation. Ich habe aber Angst, dass die Achillessehne dabei verletzt werden könnte. Was raten Sie mir? 

DR. MÜLLER: Zunächst muss man festhalten, dass ein Fersensporn eine langwierige Erkrankung ist. Zunächst empfehle ich eine konservative Therapie. Sollte keine merkliche Besserung eintreten, gibt es die Möglichkeit, die obere Fersenbeinecke operativ zu entfernen. Die Achillessehne wird während des Eingriffs zur Seite geschoben und bleibt erhalten. Ihre Sorge ist also unbegründet. 

Ich bin weiblich und trage gern Schuhe mit hohen Absätzen. Leider hat sich bei mir eine Krallenzehe gebildet, die es mir fast unmöglich macht, meine Lieblingsschuhe zu tragen. Bisher haben mir Hühneraugenpflaster etwas Linderung verschafft, aber inzwischen kann ich nicht mehr ohne große Schmerzen laufen. Was raten Sie mir? 

DR. MÜLLER: Eine Krallenzehe entsteht meist aufgrund einer Fußfehlstellung, wie beispielsweise eines Senk-Spreiz-Fußes. In einem frühen Stadium kann die Fehlstellung konservativ behandelt werden. Ist der Zeh allerdings schon in seiner Funktion eingeschränkt, rate ich Ihnen zu einer Operation. Während des minimalen Eingriffs wird das fehlgestellte Gelenk korrigiert und in der neuen Position versteift. 

Von Sandra Köhler

Quelle: HNA

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