Individuelle Therapien für Patienten mit chronischen Rückenschmerzen im RKH

Wenn der Rücken zwickt

In der Schmerzklinik erstellen Dr. Andreas Böger und sein Team für jeden Patienten einen individuellen Behandlungsplan. Fotos: RKH/nh

Nahezu jeder Mensch in den Industrienationen verspürt einmal in seinem Leben Rückenschmerzen. Am häufigsten treten die Schmerzen im Alter zwischen 35 und 55 Jahren auf. Für die Entstehung von Rückenschmerzen existieren zahlreiche Ursachen: Dazu gehören sowohl körperliche und haltungsbedingte Faktoren als auch psychische Ursachen wie Stress und innere Anspannung. Auch als Folge von Erkrankungen wie Rheuma, Osteoporose oder Krebs treten Rückenschmerzen auf.

Doch was unterscheidet chronische Rückenschmerzen von akuten? Zum einen die Dauer: Leidet der Betroffene über drei Monate dauerhaft an Schmerzen, bezeichnet man diese als chronisch. Akute Schmerzen dauern hingegen nur wenige Tage bis Wochen. Zum anderen die Ursache: Chronische Schmerzen lassen sich oft nicht mehr auf eine konkrete Ursache zurückführen. „Akute Rückenschmerzen stellen beispielsweise ein Signal dafür dar, dass etwas zu Schweres gehoben, oder zu lange eine falsche Haltung eingenommen wurde. Schmerz besitzt somit aus biologischer Sicht eine schützende Funktion. Zusätzlich warnt er vor äußeren Reizen, die den Körper schädigen“, erklärt Dr. Andreas Böger, Chefarzt der Schmerzklinik des Roten Kreuz Krankenhauses in Kassel (RKH). Chronische Schmerzen besitzen diese Funktion nicht mehr. „Wirken längere Zeit Schmerzen auf den Körper ein, verselbstständigen sie sich. Der Schmerz wird zur eigenen Krankheit, die eine spezielle und individuelle Therapie erfordert“, so der Experte.

Noch mehr Schmerzen bei weniger Bewegung

Schmerzpatienten schränken sich durch die ständigen Schmerzen immer stärker ein und verstärken so ihr Leiden. „Chronische Schmerzen gleichen dann einem erlernten Programm, das der Körper automatisch abruft“, erläutert Böger. Patienten mit chronischen Rückenschmerzen fokussieren ständig den Schmerz und versuchen, jede schmerzhafte Bewegung zu vermeiden. Durch diese Vorwegnahme empfinden sie den Schmerz umso stärker, wenn er dann einsetzt. Auch das Sozialleben leidet, da der Betroffene, beispielsweise aus Angst nicht bequem sitzen zu können, Verabredungen ausschlägt - ein Teufelskreis entsteht.

Die Schmerzklinik bietet ihren Patienten einen Ausweg. „Der erste Schritt in Richtung Schmerzbewältigung bedeutet Aktivität. Bei uns lernen die Betroffenen, Bewegungen wieder aktiv und mit der Zeit auch schmerzfrei auszuüben“, so der Experte. Er setzt auf eine multimodale Schmerztherapie, die modernste wissenschaftlich fundierte Therapieform zur Behandlung von chronischen Schmerzen.

Diese umfasst neben den konventionellen medizinischen Behandlungen auch aktivierende Physio- und Ergotherapie, Bio-Feedback, Verhaltenstherapie, Naturheilverfahren wie Akupunktur und Muskelentspannungen nach Jacobson. In der Schmerzklinik arbeiten sieben Fachdisziplinen Hand in Hand: Neurologen, Anästhesisten, Psychiater, Psychologen, Physio- und Ergotherapeuten sowie speziell geschulte Pflegekräfte. Je nach den individuellen Bedürfnissen und dem Krankheitsverlauf stellt der Chefarzt mit diesem Team ein spezielles Behandlungskonzept für den Patienten zusammen. (nh)

Quelle: HNA

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