Wenn Nieren krank sind

+
Kontrollbesuch: Dr. Michael Werner mit einem seiner Patienten, der gerade an einer Dialysemaschine angeschlossen ist.

Wenn die Nierenfunktion versagt, ist die Dialyse für viele nierenkranke Patienten die letzte Rettung. Doch was passiert eigentlich bei der Dialyse? Dr. Michael Werner vom Dialysezentrum in Bad Wildungen erläuterte die Problematik von Nierenerkrankungen und deren Therapie.

„Die Dialyse ist als Nierenersatztherapie eine lebensverlängernde Maßnahme“, bringt es der Facharzt für Nierenheilkunde auf den Punkt. Häufigster Grund für eine Nierenerkrankung sei der Diabetes mellitus als eine Folge der Wohlstandsgesellschaft. Rund die Hälfte seiner aktuell rund 50 Patienten ist davon betroffen. „Viele diese Menschen hatten über Jahre hinweg Übergewicht und etwa 20 Prozent der Betroffenen litten unter hohen Blutdruck“, sagt Dr. Werner.

Selten Schmerzen

Lediglich rund fünf Prozent haben angeborene Nierenerkrankungen. Im Alltag fallen Nierenerkrankungen kaum auf, weil die Nieren - außer bei einer Nierenbeckenentzündung oder Nierensteinen - keine Schmerzen verursachen. „Die wichtigste Untersuchung ist die Urinkontrolle. Blut und Eiweiß sollten dort nicht vorhanden sein. Außerdem sollte der Blutdruck regelmäßig kontrolliert werden“, so der Facharzt über Möglichkeiten der Früherkennung.

Drei Formen der Nierenersatztherapie gibt es. Blutwäsche und Bauchfelldialyse sind zwei Dialyseformen, die in Bad Wildungen durchgeführt werden.

Die dritte Form ist die Organtransplantation, die in hochspezialisierten Zentren durchgeführt wird. Doch der Weg zur Transplantation ist weit. Rund fünf Jahre Wartezeit verstreichen durchschnittlich, bis ein passendes Spenderorgan zur Verfügung steht. „In der Regel ist jeder Patient bis 70 Jahre transplantierbar“, sagt Dr. Werner. Wichtige Marker für eine Transplantation sind Vorerkrankungen des Patienten und eine ausreichende Durchblutung der Beine. Denn das Transplantat wird in der Leiste neben der Blase eingesetzt.

Bei der Blutwäsche wird das Blut des Patienten über Filter geleitet und von Giftstoffen gereinigt. Dieser Vorgang ist durchschnittlich drei Mal pro Woche für vier Stunden erforderlich und erfolgt in einem Dialysezentrum.

Der Erfolg der Blutwäsche lässt sich mittels der Indikatorsubstanz Harnstoff im Blutbild kontrollieren. „Die Werte dieser Kontrollen werden quartalsweise zur Qualitätssicherung der Kassenärztlichen Vereinigung gemeldet“, erklärt Dr. Werner.

Die schonendste Form

Die zweite Dialyseform ist die Bauchfelldialyse, die vom Patienten zuhause durchgeführt werden kann. Dabei wird zunächst ein Katheter in die Bauchhöhle gelegt. Über diesen Katheter werden zwei Liter zuckerhaltige Salzlösung in den Bauchraum eingefüllt. Nach vier Stunden wird die Lösung über den Katheter abgelassen und ein neuer Beutel Lösung eingefüllt. Diese Prozedur wird täglich um acht, zwölf, 16 und 20 Uhr wiederholt. „Das ist das schonendste und gleichmäßigste Verfahren für den Patienten.“ Bedingung für diese Dialyseform ist akkurates und sauberes Arbeiten mit dem Katheter, da ansonsten die Infektionsgefahr steigt und eine Bauchfellentzündung möglich würde. „Der Vorteil der Bauchfelldialyse ist die Flexibilität und Bewegungsfreiheit des Patienten“, so Dr. Werner. Der Katheter kann fünf Jahre und länger im Bachraum verbleiben.

Von Gaby Vich

Quelle: HNA

Kommentare