Wenn Mädchen spät in die Pubertät kommen  - Verzögerte Entwicklung immer abklären lassen

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Eine Anfrage zu einem häufigen Problem: „Meine Tochter ist fast 15 Jahre alt, scheint aber noch nicht in der Pubertät zu sein - sie hat beispielsweise noch keine Brustentwicklung. Ist das bedenklich?“

Dr. Marc Janos Willi, gynäkologischer Endokrinologe und Reproduktionsmediziner in Kassel, kann zunächst einmal beruhigen. „Die weitaus häufigste Ursache für eine verspätete Pubertätsentwicklung ist eine so genannte konstitutionelle Entwicklungsverzögerung (KEV). Sie ist lediglich eine Normvariante, also keine Krankheit im engeren Sinne und bedarf normalerweise keiner Therapie, da sich die Pubertät letztlich doch einstellen wird“, so der Mediziner. „In einigen Familien kommt sie gehäuft vor.“

Es sollten bei Kindern und Jugendlichen dennoch weiterführende Untersuchungen erfolgen, wenn bei Mädchen nach dem 13. Lebensjahr und bei Jungen nach dem 14. Lebensjahr noch keine Pubertätsmerkmale vorhanden sind. Beim Mädchen sind dies vor allem die Brustentwicklung, aber auch die Entwicklung der Schambehaarung und das Einsetzen der Regelblutung.

„Das verspätete Auftreten dieser körperlichen Veränderungen kann ein Begleitsymptom verschiedener anderer Krankheiten sein“, ergänzt Dr. Oswald Schmidt, Kollege von Dr. Willi am Kinderwunschzentrum Kassel. „Daher sollte bei verzögertem Auftreten der Reifezeichen in jedem Falle der Kinderarzt aufgesucht werden“.

Der Beginn der Pubertätsentwicklung wird durch die Aktivierung der zuständigen Hormonsysteme eingeleitet: Das Gehirn sendet über die Hirnanhangsdrüse Signale an die Eierstöcke (bei Jungen an die Hoden), die wiederum die Geschlechtshormone ausschütten. Nur so können die Geschlechtsmerkmale von Frau und Mann vollständig reifen.

In der Regel fallen Pubertätsverzögerungen im Rahmen der Vorsorgeuntersuchungen für Kinder und Jugendliche auf. In einigen Fällen kann es notwendig sein, durch Bluttests, Röntgenuntersuchungen oder weiterführende Tests den Ursachen auf den Grund zu gehen. Sollte eine Therapie notwendig sein, etwa um die körperliche Reifung einzuleiten oder Hormonmangel-Zuständen vorzubeugen, so erfolgt dies durch Medikamente. In seiner Hormonsprechstunde leistet das Kinderwunschzentrum Kassel Hilfestellung bei Diagnostik und Therapien. (nh)

Quelle: HNA

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