Wenn die Gallenblase Steine hat

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Gallensteine entstehen meist in der Gallenblase: Die kalkhaltigen Ablagerungen können sich je- doch auch im Gallengang sammeln und zu Komplikationen führen.

Gallensteine sind sehr häufig: Expertenschätzungen zufolge sind rund 20 von 100 Frauen und 10 von 100 Männern ab einem Alter von 40 Jahren betroffen. Ohne Beschwerden sind Gallensteine meist ungefährlich. Sie können jedoch zu ernsten Komplikationen führen.

Typische Symptome sind Druckschmerz oder schmerzhafte Koliken im rechten Obernbauch. Treten starke oder regelmäßige und anhaltende Schmerzen auf, sollte die Gallenblase operativ entfernt werden. ´

Dr. Johannes Heimbucher, Chefarzt der Chirurgischen Klinik im Marienkrankenhaus Kassel, hat Anrufer während der Telefonsprechstunde am vergangenen Montag zu Risiken, Diagnostik und Therapie von Gallensteinen beraten.

Im vergangenen Jahr wurde bei mir eine Ultraschalluntersuchung vorgenommen, bei der sich herausstellte, dass meine Gallenblase voll mit Steinen ist. Bisher bin ich beschwerdefrei aber ein Bluttest im Dezember dieses Jahres ergab einen Gamma-GT-Wert von 148. Sollte ich die Gallenblase operativ entfernen lassen?   

DR. JOHANNES HEIMBUCHER: Der Gamma-GT-Wert zählt zu den unspezifischen Leberwerten. Eine hohe Konzentration des Enzyms kann auf unterschiedliche Erkrankungen der Leber oder der Gallengänge hinweisen. Da Sie noch keine Beschwerden haben, muss Ihnen die Gallenblase nicht unbedingt entfernt werden.

Sollte Sie jedoch der Gedanke an die Gallensteine belasten, ist in Ihrem Fall die Entfernung aufgrund der nachgewiesenen Steine begründbar. Da Sie auch sonst gesundheitlich fit sind, stellt diese Operation keine übermäßige Belastung dar. Nach dem Eingriff sind auch keine weiteren Beeinträchtigungen zu erwarten, insbesondere müssen Sie keine spezielle Diät einhalten.

Ich bin männlich, 69 Jahre alt und bei einer Blutuntersuchung im Oktober dieses Jahres betrug der Bilirubin-Wert 2,18, eine Kontrolle ergab jetzt wieder einen normalen Wert. Bei einer Ultraschalluntersuchung wurden Gallensteine festgestellt, aber Beschwerden habe ich bisher nicht. Was raten Sie mir? 

DR. HEIMBUCHER: In Ihrem Fall kann man von einer typischen „Männergalle“ sprechen. Denn bei Männern treten Beschwerden in Form von Koliken meist erst in einem fortgeschrittenen Stadium auf. Allerdings war Ihr erhöhter Bilirubin-Wert signifikant und könnte durch eine Passage eines Gallensteines durch den Gallengang hervorgerufen worden sein.

Der Bilirubin-Wert sollte weiterhin beobachtet werden. Auch eine Kontrolluntersuchung mit Ultraschall ist erforderlich. Ein Anstieg der Konzentration von Bilirubin im Blut kann allerdings auch ein Indiz für eine Störung der Leberfunktion darstellen. Eine Operation ist in Ihrem Fall derzeit noch nicht angezeigt, aber falls es zu einer erneuten Bilirubin-Erhöhung kommen soll.

Ich bin weiblich, 50 Jahre alt und habe leichtes Übergewicht. Bei mir wurde ein 4,3 Zentimeter großer Stein in der Gallenblase diagnostiziert. Bisher habe ich keine Schmerzen. Was raten Sie mir?   

DR. HEIMBUCHER: Prinzipiell lässt sich sagen, dass ein Stein, der keine Probleme macht, auch nicht operiert werden muss. Aber in Ihrem Fall spricht die Größe dafür, dennoch einzugreifen, da der Stein wahrscheinlich die gesamte Gallenblase ausfüllt und somit Druck auf die Gallenwand ausübt. Dadurch werden auf lange Sicht weitere Schäden hervorgerufen.

Da Sie noch jung sind, ist diese Operation auch eine Investition in die Zukunft. Denn je älter Sie werden, um so belastender könnte eine Operation für Sie werden. Sie sollten also nach Ihrem persönlichen Empfinden das Für und Wider abwägen.   

Ich bin männlich und 25 Jahre alt. In meiner Familie gibt es mehrere Vorfälle mit Gallensteinen. Gibt es erbliche Faktoren, die die Entstehung von Gallensteinen begünstigt und sollte ich die Gallenblase vorsorglich entfernen lassen? 

DR. HEIMBUCHER: Es gibt tatsächlich erbliche Faktoren, die ein erhöhtes Vorkommen von Gallensteinen mit sich bringen. Betroffen sind vor allem Frauen – 80 Prozent der Gallensteinträger sind weiblich. Aber zur Bildung von Gallensteinen spielen noch viele weitere Faktoren eine Rolle, wie zum Beispiel das Alter und die Ernährung.

In Ihrem Fall ist die Gefahr, an Gallensteinen zu erkranken, relativ gering. Ich rate Ihnen davon ab, die Gallenblase prophylaktisch entfernen zu lassen.

Bei mir wurde eine Vielzahl an Gallensteinen diagnostiziert und der Arzt rät mir zu einer Operation. Ich fürchte mich jedoch riesig vor einem operativen Eingriff. Gibt es auch die Möglichkeit, die Gallensteine medikamentös zu behandeln? 

DR. HEIMBUCHER: Eine medikamentöse Behandlung ist bei manchen Sorten von Gallensteinen möglich. Da es jedoch in fast allen Fällen nach einer Auflösung der Steine zu erneuter Steinbildung kommt, diese Behandlung nur in seltenen Ausnahmen zu begründen.

Auch die Zertrümmerung der Gallensteine mit Stoßwellen hat sich nicht bewährt, weil sich die kleinen Fragmente, die dabei entstehen, häufig im Gal- lengang einklemmen. Und auch nach dieser Behandlungsform haben sich in fast allen Fällen erneut Gallensteine gebildet. Die Entfernung der Gallenblase erfolgt in den meisten Fällen minimal-invasiv. Es werden dabei nur minimale Schnitte in die Bauchwand vorgenommen, nennenswerter Blutverlust ist selten und das Problem definitiv gelöst

Von Sandra Köhler

Quelle: HNA

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