Wenn Bilder einfach nicht mehr weggehen wollen

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Psychische Traumata können viele Gründe haben. Auch Ereignisse wie Verkehrsunfälle oder sexuelle Gewalttaten können seelische Verletzungen zur Folge haben.

Die quälenden Bilder gehen den Betroffenen nicht mehr aus dem Kopf – sie leiden an einer Posttraumatischen Belastungsstörung (PTBS). In Folge traumatischer Ereignisse werden die Betroffenen von starken Gefühlen der Angst, Hilflosigkeit und Entsetzen überflutet.

Aus dieser heftigen emotionalen Überforderung heraus entwickeln sich drei zentrale Symptomgruppen. „Als Intrusion wird das anhaltende Wiedererinnern und Wiedererleben der psycho-traumatischen Ereignisse durch aufdringliche Nachhallerinnerungen, so genannte Flashbacks, oder sich wiederholende (Alp-)Träume bezeichnet“, erklärt Privatdozent Dr. Dr. Niels Bergemann, Ärztlicher Direktor und Chefarzt der Schön Klinik Bad Arolsen. Ausgelöst wird das Wiedererleben der Belastung durch Situationen, die an das Trauma erinnern. Es entsteht das Gefühl, als ob das Ereignis in der unmittelbaren Gegenwart geschieht. In der Folge dieses quälenden Wiedererlebens entsteht ein starkes Vermeidungsverhalten bezüglich der Umstände, die der Belastung ähneln oder mit ihr im Zusammenhang stehen. Zugleich entwickeln sich oft anhaltende Symptome einer erhöhten psychischen Empfindlichkeit sowie Ein- und Durchschlafstörungen, Reizbarkeit oder Wutausbrüche, Konzentrationsstörungen, Übererregung und erhöhte Schreckhaftigkeit. Auch stellen sich oft massive Erinnerungslücken bezüglich der traumatisierenden Ereignisse ein.

Späte Symptome

In aller Regel treten diese Beschwerden innerhalb von wenigen Monaten nach Ende des Traumas oder der Belastungsperiode auf, allerdings können die traumatisierenden Ereignisse auch noch nach Jahren reaktualisiert werden und die PTBS-Symptomatik damit deutlich später auftreten. Viele Menschen erleiden in ihrem Leben schwerwiegende Ereignisse, allerdings entwickeln nur wenige Traumatisierte eine PTBS. Bei den meisten Menschen kommt es zu einer Spontanerholung oder Zurückbildung der Symptome ohne Behandlung nach einer PTBS-Entwicklung. Wenn die Symptome längere Zeit anhalten, sollte allerdings ärztliche beziehungsweise psychotherapeutische Hilfe aufgesucht werden. Am Anfang der Behandlung, wie sie auch in der Schön Klinik Bad Arolsen durchgeführt wird, stehen eine ausführliche Aufklärung über die Natur der Erkrankung und der Aufbau einer vertrauensvollen und tragfähigen Beziehung zum Therapeuten. Das Ziel ist zunächst die psychische Stabilisierung. Dabei lernen die Betroffenen, die Reaktionen auf das Geschehene zu verstehen, Sicherheit und Vertrauen wieder zu gewinnen und Distanzierungsstrategien zu entwickeln. In einer zweiten Behandlungsphase erfolgt die Konfrontation mit den traumatisierenden Erlebnissen in der Einzeltherapie. Wird das Erlebte noch einmal durchgesprochen, können die Patienten ihre oft fragmenthaften Eindrücke im so genannten Traumagedächtnis erstmals identifizieren. Durch diese Integration der Erinnerungen wird das belastende unkontrollierbare Wiedererleben reduziert, und die Flashbacks lassen nach. In einem weiteren Schritt gilt es schließlich, das Geschehene anstatt zu verdrängen in die eigene Biographie zu integrieren. Diese Akzeptanz des Geschehenen nimmt den Bildern ihre Macht – und schafft so einen Raum für neue Erfahrungen. (nh)

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Quelle: HNA

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