Wechseljahre bei Frau und Mann: Sportlich in eine neue Lebensphase

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Aufregender Lebensabschnitt: In der ZDF-Satireserie „Klimawechsel“ (hier eine Szene mit Andrea Sawatzki) schildert Doris Dörrie die Wechseljahre augenzwinkernd als kleine Naturkatastrophe.

Wechseljahresbeschwerden bei Mann und Frau waren Thema des Forums Gesundheit im Gespräch, bei dem sich im gut gefüllten Saal des Vhs-Kreishauses Ärzte und Therapeuten den Fragen eines interessierten Publikums stellten.

Gegen Ende des fünften Lebensjahrzehnts durchlebt jede Frau eine Phase, die mehr oder weniger von der natürlichen Hormonproduktion ihres Körpers geprägt ist. In den Wechseljahren beginnt eine Hormonumstellung. Dieser natürliche Vorgang kann bis zu zehn Jahren dauern und bringt für viele Frauen spürbare Beeinträchtigungen mit sich. Diese können sich nicht nur gesundheitlich, sondern in vielen Fällen auch auf die Psyche auswirken.

Auch bei den Männern spricht man immer häufiger von Wechseljahren. Abnehmende Libido, Gewichtszunahme, nachlassender Elan. Auch bei ihnen können Hormone eine Rolle für die veränderte Sicht aufs eigene Leben spielen.

? Mit welchen Beschwerden muss während der Wechseljahre gerechnet werden?

! Aufgrund des Absackens der Östrogene im Körper lassen die Monatsblutungen der Frau langsam nach und werden unregelmäßig, bis sie schließlich ganz aufhören, erklärt Frauenarzt Dr. Janusch Walbeck. Durch die Hormonmangelsituation könne es zum Beispiel zu Hitzewallungen, Schweißausbrüchen, Schlafstörungen und Schwindelgefühlen kommen. Außerdem seien bei betroffenen Frauen auch häufiger Harndrang bis hin zu beginnender Inkontinenz, Blasenbeschwerden sowie Knochenschwund (Osteoporose) zu beobachten, fügt der Gynäkologe hinzu. Mitunter treten auch Herzrhythmusstörungen und vermehrte Nervosität auf.

Nur rund ein Drittel aller Frauen hätte behandlungsbedürftige Wechseljahresbeschwerden. Bei einem weiteren Drittel machten sich leichtere Symptome bemerkbar, und ein weiteres Drittel durchlebe diese Phase der Hormonumstellung völlig ohne Beeinträchtigungen.

? Gibt es die Wechseljahre auch beim Mann?

!Der Hormonhaushalt des Mannes sei sehr individuell, informierte Allgemeinmediziner Dr. Uwe Popert. Tatsache sei, dass der Testosteronspiegel in den Wechseljahren zu sinken beginne, allerdings sei dieser bei jedem Mann unterschiedlich, sodass sich keine allgemeingültigen Aussagen über ein Hormonmangel-Syndrom, wie bei der Frau, machen ließen. Die Pharmaindustrie habe in den vergangenen Jahren Salben und Pflaster entwickelt, die Testosteron enthalten. Ob und wie sie zur Anwendung kommen, müsse aber immer im Einzelfall entschieden werden, sagt Popert.

? Wann sollten Frauen eine Hormontherapie machen?

! Bei starken Beschwerden sei die Hormontherapie noch immer das Mittel der ersten Wahl, erläutert Walbeck. Es sei aber wichtig, dass sie immer von den individuellen Beschwerden ausgehe und nicht wahllos als vorbeugende Therapie eingesetzt wird. Außerdem gehöre sie in die Hand eines Experten. Die Hormone werden individuell dosiert, wobei Blutmessungen individuelle Einstellungen ermöglichten. Kontrollen sollten halbjährlich erfolgen. Nicht erwiesen habe sich, dass Hormone Krebserkrankungen auslösten. Walbeck verweist auf medizinische Studien. Allerdings könnten sie erwiesenermaßen das Wachstum bestehender Tumore beziehungsweise Krebsvorstufen fördern. Patientinnen mit Brustkrebsrisiko rät er deshalb auch von Medikamenten mit pflanzlichen Hormonen ab.

? Was sind die Alternativen zur Hormontherapie?

! Irmintrud Erika Dilcher von der Selbsthilfegruppe Alternativmedizin hat gute Erfahrungen mit pflanzlichen und homöopathischen Mitteln gegen Wechseljahresbeschwerden gemacht. Verschiedene pflanzliche Medikamente stünden zur Wahl, oft finde man erst nach einigem Ausprobieren das passende Mittel. Wichtig sei es aber auch, hierbei auf den Beipackzettel und mögliche Nebenwirkungen zu achten, ergänzt der Gynäkologe, denn ohne Nebenwirkungen komme auch pflanzliche Medizin nicht aus.

? Kann Wechseljahresbeschwerden durch eine gesunde und positive Lebensführung vorgebeugt werden?

! Alle Experten des Gesundheitsforums sind sich darüber einig, dass ein gesunder und ausgewogener Lebenswandel mit wenig Alkohol und möglichst ohne Nikotin einen positiven Einfluss auf die Lebensphase des Wechsels hätte. Mindestens dreimal die Woche 45 Minuten Sport treiben - allerdings immer im Rahmen der eigenen Leistungsmöglichkeiten und gegebenenfalls in Absprache mit dem Arzt -, sei ein wirksames Mittel, gesund und mit einer positiven Lebenseinstellung durch die Wechseljahre zu kommen.

Wichtig bei psychischen Problemen sei es, sich diesen zu stellen, nicht nur über die Lasten, sondern auch über die Chancen des Älterwerdens nachzudenken, betonten Dr. Ruth Gnirss, Fachärztin für psychotherapeutische Medizin, und Gabriele Wassermann von der Beratungsstelle des Arbeitskreises Gemeindenahe Gesundheitsversorgung AKGG. Auch sollte man sich in Krisensituationen nicht scheuen, professionelle Hilfe etwa bei Beratungsstellen zu suchen.

Quelle: HNA

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