Warum Schwule von der Blutspende ausgeschlossen sind

Täglich mehr als tausend Menschen haben sich an der Blutspendeaktion im Regierungspräsidium beteiligt. Auf hna.de kritisiert ein Leser, dass Schwule von der Spende ausgeschlossen sind. Dr. med. Andreas Opitz, stellvertretender Leiter des Instituts Kassel vom DRK-Blutspendedienst Hessen, erklärt warum. Ein Interview:

Warum dürfen Homosexuelle kein Blut spenden?

Dr. med. Andreas Opitz: Homosexuelle werden als Risikogruppe definiert. Bei ihnen ist das Vorkommen von HIV bzw. Aids und von Hepatitis B und C deutlich höher als im Durchschnitt der Bevölkerung. Fast zwei Drittel der HIV-Neuinfizierten sind Männer, die mit Männern Sex haben. Deshalb ist es durch die Bundesoberbehörde vorgeschrieben, dass diese Gruppe nicht spenden darf. Frauen, die homosexuell sind, haben übrigens kein erhöhtes Risiko. Sie dürfen Blut spenden.

Aber es gibt doch viele Schwule, die in monogamen Beziehungen leben und keine Risikokandidaten sind.

Opitz: Das ist richtig. Ich kann auch nachvollziehen, dass sich Homosexuelle, die gern mit einer Blutspende helfen wollen, diskriminiert fühlen. Aber wir müssen ausschließen, dass mit der Spende Krankheiten an den Empfänger übertragen werden. Maximale Sicherheit gibt es dabei nur durch die Kombination der Systeme: Zum einen den Fragebogen, über den Risikospender ausgeschlossen werden, zum anderen der Selbstausschluss von Menschen, die wissen, dass es Gründe gibt, warum sie nicht spenden sollen. Und zum Dritten die Testung der Blutproben auf HIV und andere Infektionskrankheiten.

Warum reicht der Test nicht aus? Bei infizierten Schwulen könnte man das Blut doch immer noch aus dem Verkehr ziehen?

Opitz: Vor einigen Jahren ist es noch mal zu einer HIV-Übertragung gekommen. Der Spender war homosexuell und hatte sein Risikoverhalten nicht angegeben. Das Testsystem hatte aufgrund einer Variante des HI-Virus nicht angesprochen. So etwas müssen wir nach Möglichkeit ausschließen. Sicherheit hat absoluten Vorrang. Die Datenlage, was die Infektionsraten angeht, ist deutlich, da können wir die Statistik nicht ignorieren. Das ist für den Einzelfall bedauerlich, aber anders derzeit nicht umsetzbar. Es gibt aber in der Transfusionsmedizin durchaus die Diskussion, ob man eher Risikoverhalten - also häufig wechselnde Sexualpartner - abfragt, anstatt die ganze Gruppe auszuschließen.

Ausgeschlossen von der Spende sind auch Menschen, die einmal eine Blutspende erhalten haben. Warum?

Opitz: Das hängt damit zusammen, dass es in der BSE-Zeit das Risiko gab, dass Erreger bei Blutspenden übertragen wurden. In England gab es solche Fälle. Die Creutzfeldt-Jakob-Erkrankung kann man aber nicht testen. Daher wird das hypothetische Risiko, dass ein Empfänger einer Blutspende infiziert sein könnte, ausgeschlossen.

Aus diesem Grund wird in dem Fragebogen übrigens auch nach England-Aufenthalten zwischen 1980 und 1996 gefragt. Auch hier gilt: Man setzt die Sicherheitsstandards sehr hoch, um das Risiko zu minimieren.(rud)

 

Quelle: HNA

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