Letztes Mittel: Vorsorgliche Brustamputation

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Alternativen kennen: Prof. Dr. Thomas Dimpfl, Direktor der Frauenklinik am Klinikum Kassel und Leiter des Interdisziplinären Brustzentrums, bespricht mit Patientinnen mit erheblichem Brustkrebsrisiko alle Möglichkeiten der Vorsorge. Eine präventive Amputation kommt nur für Frauen infrage, die gut informiert sind und sich diesen Schritt wohl überlegt haben.

Es ist die große Angst vor einer Krebserkrankung, die manche Frauen dazu bringt, sich vorsorglich beide Brüste abnehmen zu lassen, also eine so genannte Mastektomie vornehmen zu lassen.

Die Frauen tragen nachweislich ein Brustkrebs-Gen in sich. Ihre Mütter oder Schwestern sind schon in jungen Jahren an Brustkrebs erkrankt, vielleicht sogar daran gestorben.

„In der Tat liegt bei diesen Frauen die Wahrscheinlichkeit, ebenfalls auch an Brustkrebs zu erkranken, bei bis zu 80 Prozent – und deshalb möchten sie das Risiko durch eine vorsorgliche Amputation weitgehend ausschalten“, erklärt Prof. Dr. Thomas Dimpfl, Direktor der Frauenklinik am Klinikum Kassel und Leiter des Interdisziplinären Brustzentrums (IBZ).

BRCA 1 und BRCA 2 sind die beiden Gene, an denen das Risiko für eine Brustkrebserkrankung abgelesen werden kann. „Sind sie verändert, kommt es nach den bisherigen Erkenntnissen mit hoher Wahrscheinlichkeit zur Ausbildung eines Brustkrebses“, sagt Prof. Dimpfl. Und: Die Genmutation kann jederzeit weitervererbt werden.

Es gibt Schätzungen, wonach von den fast 50 000 Frauen, bei denen allein in Deutschland jährlich ein neuer Brustkrebs diagnostiziert wird, etwa fünf Prozent aufgrund dieser genetischen Vorbelastung erkranken. „Verlässliche Statistiken über die Zahl der Betroffenen gibt es allerdings nicht“, sagt Prof. Dimpfl.

Frauen, in deren Familie bereits drei oder mehr Frauen in jungen Jahren an Brust- oder Eierstockkrebs erkrankt sind, empfiehlt er zunächst einen Gentest. „Wenn sich dann herausstellt, dass sie tatsächlich das veränderte Gen in sich tragen, muss es zunächst einmal um eine sehr intensive Aufklärung, Information über die vorhandenen Möglichkeiten und über die Risiken gehen“, erklärt Prof. Dimpfl.

Engmaschige Vorsorge

Vorgesehen ist in diesen Fällen eine ganz besonders intensive, engmaschige und hochqualifizierte Vorsorge – einschließlich Mammografie und Kernspintomographie –, um möglichst gegebenenfalls schon die Vorstufe eines Tumors entdecken und rechtzeitig mit der Therapie beginnen zu können.

Dennoch gibt es Frauen, denen das nicht reicht und die als radikalste aller Vorsorgemaßnahmen die Amputation der Brüste wünschen. „Wenn wir sehen, dass die betroffene Frau gut – auch über die Alternativen – informiert ist und auch die Tragweite ihrer Entscheidung erkennen kann, müssen wir ihren Wunsch respektieren“, sagt Prof. Dimpfl.

www.ibz-klinikum-kassel.de

Quelle: HNA

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