Neue Therapieverfahren ermöglichen noch individuellere Anpassung der Behandlung – Blutverdünnung gehört meist dazu

Vorhofflimmern erhöht Schlaganfallrisiko

Feinabstimmung: Die Pumpleistung des Herzens ist das Resultat eines perfekten Zusammenspiels von Herzklappen und Muskelarbeit der Vorhöfe und der Kammern. Foto:  Deutsche Herzstiftung / Bearbeitung Berger

Vorhofflimmern ist seit mehreren hundert Jahren in der Medizin als Herzrhythmusstörung bekannt. Sie ist die häufigste anhaltende Herzrhythmusstörung und betrifft etwa ein Prozent der Bevölkerung.

Verschiedene Bedingungen begünstigen die Erkrankung an Vorhofflimmern. Dazu gehören Erkrankungen wie hoher Blutdruck, Herzschwäche, Erkrankungen der Herzkranzgefäße, der Herzklappen, Lungenerkrankungen, auch Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes und Störungen der Schilddrüsenfunktion. Mit zunehmendem Lebensalter steigt die Erkankungsrate.

Risiko Schlaganfall

Obwohl der Patient ein Vorhofflimmern meist als akutes Ereignis empfindet, hat es eine längere Vorgeschichte. Ein hoher Blutdruck beispielsweise muss viele Jahre bestehen, um am Herzmuskel Veränderungen zu schaffen, die zu einem Vorhofflimmern führen. Diese Veränderungen sind dann oft nicht mehr vollständig rückgängig zu machen.

Für den Patienten hat das Auftreten von Vorhofflimmern einige Konsequenzen: Er verliert an Leistungsfähigkeit und Lebensqualität. Die Wahrscheinlichkeit für das Auftreten einer Herzschwäche steigt ebenso wie die, früher zu sterben. Das Risiko für das Auftreten von Schlaganfällen ist deutlich erhöht.

Die Behandlung von Vorhofflimmern verlangt für jeden Patienten eine individuelle Strategie, weil die Vorerkrankungen und Befunde unterschiedlich sind. Risiken und Nutzen der Behandlungsverfahren müssen bei jedem Patienten genau beurteilt werden.

Die Medizinische Klinik II am Klinikum Kassel hat sich seit Jahren der bestmöglichen Diagnostik und Behandlung von Vorhofflimmern verschrieben. Diese Verfahren werden kontinuierlich den neuesten Erkenntnissen angepasst.

Neue Behandlungsmethode

Ende der neunziger Jahre wurde die Katheterablation von Vorhofflimmern als Verfahren eingeführt. Dabei wird versucht, die Rhythmusstörungen ohne den längerfristigen Einsatz von Medikamenten zu beherrschen. Die Untersuchungen sind aufwändig und dauern drei bis sechs Stunden. Gerade bei dieser Therapie ist die individuelle Beurteilung von Nutzen und Risiko von größter Bedeutung.

In der Medizinischen Klinik II wird die Ablation von Vorhofflimmern seit sechs Jahren vorgenommen. Je nach notwendigem Umfang des geplanten Kathetereingriffs werden zwei unterschiedliche Verfahrensweisen angeboten.

Die Planung erfolgt im Rahmen einer ambulanten Untersuchung. Der stationäre Aufenthalt nach dem Eingriff dauert vier bis fünf Tage.

Wissenschaftlich unumstritten ist die Reduzierung des Schlaganfallrisikos durch die Gabe von blutverdünnenden Mitteln. Studien belegen, dass die Verabreichung von Marcumar anderen Medikamenten wie Adsin und Plavix überlegen ist. Für die Entscheidung, welcher Patient mit Vorhofflimmern eine Therapie mit Marcumar erhalten sollte, sind eindeutige Leitlinien der unterschiedlichen Arrhythmie-Arbeitsgruppen veröffentlich. Auch hier müssen Therapienutzen und -risiko sorgfältig abgewogen werden. Die regelmäßige Kontrolle der Blutwerte lässt riskante Abweichungen erkennen und ermöglicht eine Anpassung der Dosierung.

Neues Therapieverfahren

Bei Vorhofflimmern verlieren die Herzvorhöfe die Muskelkraft zum Bluttransport. Die Folge ist ein Blutstau und die Bildung von Blutgerinnseln. Das passiert besonders oft in dem Herzohr der linken Herzvorkammer, einer Muskelausstülpung der Herzvorkammer. Dieser Blindsack hat einen Durchmesser von 15 bis 20 Millimetern. Hier entstehen fast alle Gerinnsel, die einen Schlaganfall bedingen können.

Das neue Behandlungsverfahren heißt Vorhofohroccluder und besteht darin, den Eingang zum Blindsack mittels eines Kathetereingriffs zu verschließen. Anschließend kann der Patient einzig mit Aspirin behandelt werden

Die Behandlung von Patienten mit Vorhofflimmern verlangt immer eine individuelle Konzeption der Therapiemaßnahmen. Alle modernen Verfahren zur Behandlung von Patienten mit Vorhofflimmern werden an der Medizinischen Klinik II am Klinikum Kassel angeboten, seit diesem Jahr auch der Vorhoohroccluder. (nh)

Quelle: HNA

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