Verstärkung für die Bauchwand

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Druck auf den Bauchraum: Brüche in der Bauchwand können auch durch Husten oder schweres Heben entstehen.

Gerade nach großen Bauchoperationen kann es zu Brüchen der Bauchwand im Bereich der Operationsnarben (Hernien) kommen. Oft sind dann komplizierte Eingriffe notwendig, die viel Erfahrung erfordern.

Das Hernienzentrum am Marienkrankenhaus Kassel ist auf solche Operationen spezialisiert und zählt mit inzwischen etwa 1000 Eingriffen pro Jahr zu den führenden Einrichtungen in Deutschland.

Dr. Michael Hoffmann, chirurgischer Chefarzt und Leiter des Hernienzentrums am Marienkrankenhaus Kassel, hat Anrufer während der Telefonsprechstunde am vergangenen Montag zum Thema Hernien beraten.

Ich bin 77 Jahre alt und wurde bereits mit der Schlüssellochtechnik an einem beidseitigen Leistenbruch operiert. Wenn ich meinen Oberkörper in liegender Position aufrichte, kommt es zu einer Ausbeulung zwischen dem untersten Rippenbogen und dem Bauchnabel. Beschwerden habe ich nicht. Steht das in Zusammenhang zu der Operation und ist das gefährlich? 

 

DR. MICHAEL HOFFMANN: Bei dieser Ausbeulung handelt es sich um eine Rektusdiastase, eine Schwäche des Bindegewebes zwischen den beiden geraden Bauchmuskeln, die keine Hernie im klassischen Sinn darstellt. Die dort befindliche Faserstruktur, Linea alba genannt, ist überdehnt, was zur Folge hat, dass sich die geraden Bauchmuskeln von der Mittellinie nach seitlich verlagern.

In den meisten Fällen handelt es sich um eine rein kosmetische Veränderung und sie ist nicht durch die Leistenbruchoperation ausgelöst worden. Eine Rektusdiastase ist in aller Regel symptomlos und Sie sollten auch keinen operativen Eingriff vornehmen lassen, da sich der erhebliche Aufwand sowie das Operationsrisiko nicht mit dem Nutzen decken.

Ich wurde vor zirka zwei Wochen an einer Leistenhernie operiert. Wie lange muss ich warten, bis ich mich wieder körperlich anstrengen kann? 

HOFFMANN: Grundsätzlich sollten Sie sich für etwa zwei Wochen körperlich schonen und auf eine gute Wundheilung achten. Danach ist eine uneingeschränkte, auch sportliche Belastung wieder erlaubt. Hören Sie aber auf Ihren Körper, der Ihnen signalisiert, welche Aktivitäten Ihnen gut tun.

Ich bin 68 Jahre alt und bei meiner Musterung wurde damals eine epigastrische Hernie diagnostiziert. Bisher hatte ich keine Schmerzen und konnte die Ausbeulung eindrücken, was seit kurzem aber nicht mehr möglich ist. Die betroffene Stelle verhärtet sich und wird auch größer. Was kann ich tun? 

HOFFMANN: Bei der epigastrischen Hernie handelt es sich um einen Bauchwandbruch am Oberbauch. Die von Ihnen beschriebenen Symptome deuten darauf hin, dass sich Fettgewebe aus dem Bauchraum in der Bruchlücke eingeklemmt hat. 50 Jahre lang konnten Sie gut mit dem Bruch leben, aber aufgrund der Verhärtung sollte der Bruch von einem Chirurgen untersucht und operiert werden. Es besteht sicher auch eine erhöhte Gefahr der Darmeinklemmung, die infolge einer unterbrochenen Blutzufuhr zu einer Notfalloperation führen kann. 

Ich bin 88 Jahre alt und leide seit einiger Zeit unter Schmerzen n der Leistengegend. Mein Hausarzt hat mich untersucht und vermutet einen Leistenbruch als Ursache. Was kann ich tun?   

HOFMANN: Schmerzen in der Leistenregion können vielfältige Ursachen haben. Ein Leistenbruch geht in der Regel mit nur geringen Beschwerden einher und er kann meist durch eine einfache klinische, in jedem Fall aber durch eine zusätzliche Ultraschalluntersuchung diagnostiziert werden. Ist ein Leistenbruch ausgeschlossen, erfolgt eine weitere Abklärung beispielsweise beim Orthopäden, wobei gegebenenfalls auch eine erweiterte Diagnostik mit Schichtaufnahmen des Beckens (MRT oder CT) erforderlich ist.

Wenn die Diagnose Leistenbruch eindeutig gestellt werden kann, sollte man in Ihrem Fall aufgrund des hohen Lebensalters die Entwicklung durchaus nur beobachten. Sollten sich die Schmerzen derart verstärken, dass Ihre Lebensqualität stark eingeschränkt ist, kann auch über eine Operation nachgedacht werden.

Vor zirka einem Jahr musste ich mich einer Darm-Operation unterziehen, bei der ein Stück des Darms entfernt wurde. Die Operationsnaht ist allerdings nicht vollständig verheilt. Ein kleines Stück der Naht hat sich entzündet und musste sekundär behandelt werden. Obwohl ich seitdem einen Bauchgurt trage, habe ich das Gefühl, dass mein Bauch instabil ist. Was kann ich tun?   

HOFFMANN: Die Vorgeschichte und Ihre Beschwerden sind typisch für einen Narbenbruch, den man operativ gut versorgen kann. Und das sollte in Ihrem Fall auch bald geschehen. Die Bindegewebsschwäche im Narbenbereich, die auch durch die Wundheilungsstörung ausgelöst wurde, verursacht das beschriebene Gefühl der Instabilität. Das Tragen eines Bauchgurtes verhindert nicht die allmähliche Vergrößerung des Bruches.

Sie sollten sich bei einem Spezialisten vorstellen, um die beste Operationsmethode zu finden. In jedem Fall muss ein Kunststoffnetz zur Stabilisierung der Bauchwand eingesetzt werden. Bei kleineren Bruchlücken kann dies minimal-invasiv erfolgen, bei ausgedehnten Brüchen sollte das Netz über einen größeren Bauchschnitt in der Bauchwand verankert werden.

Als aktiver Fußballspieler leide ich seit mehr als einem Jahr unter Leistenschmerzen auf der rechten Seite bei sportlicher Belastung. Ich bin 28 Jahre alt und möchte noch einige Jahre Fußball spielen. Kann mir eine Operation helfen? 

HOFFMANN: Ihre Beschwerden sind durchaus mit einer sogenannten Sportlerleiste oder weichen Leiste vereinbar. Betroffen sind meist Sportler, die eine dynamische Sportart, wie Fußball oder Eishockey, betreiben. Ausgelöst werden die Schmerzen durch eine chronische Reizung am Schambein oder die Druckschädigung eines Nerves im Leistenkanal. Häufig besteht zusätzlich ein kleiner Leistenbruch.

In der Regel führen konservative Behandlungen mit Physiotherapie, entzün- dungshemmenden Medikamenten und eine längere Sportpause zur Ausheilung. Bei etwa 10 bis 20 Prozent der Sportler ist jedoch eine Operation sinnvoll. Wir bevorzugen die minimalinvasive Leisten- verstärkung mit einem Kunststoffnetz. Alternativ kann auch eine offene Operation – ein „minimal repair“ –vorgenommen werden. Um diese Operationsindikation zu stellen sollte im Vorfeld eine eingehende Untersuchung beim Spezialisten erfolgen.

Von Sandra Köhler

Quelle: HNA

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