Experten der Kleinkindambulanz in Wilhelmshöhe helfen bei Beziehungsstörungen

Umgang mit Trotzköpfen

Im Beratungsgespräch: Jutta Henning im Gespräch mit Mutter und Kind. Foto: Ralf Heinemann / nh

Im Alter von zwei bis drei Jahren sind Kinder besonders niedlich, aber oft auch besonders anstrengend: Dann beginnt die Trotzphase, die Eltern mitunter überfordert. In vielen Fällen wenden sie sich dann zum Beispiel an die Baby- und Kleinkindambulanz an der Vitos Klinik Bad Wilhelmshöhe für Kinder- und Jugendpsychiatrie Kassel.

Sie berichten über regelmäßige Tobsuchtsanfälle an der Supermarktkasse, weil ein kleiner Trotzkopf unbedingt Süßigkeiten haben will. Oder davon, dass das Kind sich verweigert, widerspricht, um sich schlägt, schreit oder beißt. „Wichtig ist, dass Eltern gelassen reagieren, sich von der oft peinlichen Situation und kopfschüttelnden Zuschauern nicht unter Druck setzen lassen. Denn geben die Eltern nach, lernt das Kind, Trotz als erfolgreiche Strategie auch in anderen Situationen einzusetzen“, erklärt Jutta Henning, Leiterin der Baby- und Kleinkindambulanz.

Gelegentlicher Trotz sei Ausdruck des Autonomiebestrebens des Kindes. Doch könne ein Kind in diesem Alter die Folgen seiner Reaktion nicht abschätzen, betont sie. Jutta Henning: „Es ist auch nicht - wie viele Eltern glauben - ein Ausdruck von Ungehorsam. Denn Kinder möchten gehorchen, weil sie die Liebe und Zuwendung der Eltern wollen.“ Aber sie möchten auch eigene Gedanken haben und sich durchsetzen. Und auch dazu brauchen sie ihre Eltern.

Diese sollten möglichst einen Mittelweg zwischen ständigem Nachgeben und übertriebener Strenge finden. Denn beides könnte sich negativ auf die Entwicklung des Kindes und die Eltern-Kind-Beziehung auswirken. Bei Trotzreaktionen helfe es häufig, das Kind abzulenken. Henning: „Kommt es dennoch zur Trotzreaktion, hilft nur Gelassenheit und Konsequenz.“ Damit helfe man auch dem Kind, ohne Gesichtsverlust aus dieser Situation herauszukommen.

Zum Problem werde kindliches Trotzverhalten, wenn es zum Dauerzustand wird: Das Kind ist aggressiv, widerspricht ständig, die Eltern fühlen sich machtlos und finden keinen Zugang zu ihrem Nachwuchs. Dann liege eine ernst zu nehmende Beziehungsstörung vor, weil das Kind seine Ablehnung gegenüber Einschränkungen oder auch Überforderung auf die Eltern generell überträgt. „Eine solche Beziehungsstörung ist aber kein Grund zur Verzweiflung, denn es gibt entsprechende Beratung und Hilfe“, macht Jutta Henning Eltern Mut.

Die Vitos Klinik Bad Wilhelmshöhe für Kinder- und Jugendpsychiatrie Kassel bietet seit vier Jahren in der Baby- und Kleinkindambulanz Spezialsprechstunden für Eltern mit Kindern bis zu drei Jahren an. Ansprechpartner sind eine Psychologin, Familientherapeutin, Kinderärztin und Heilpädagogin.

Sprechstunden nach telefonischer Vereinbarung, Tel. 05 61/ 3 10 06-0.

Quelle: HNA

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