Übergewicht: Erster Magenschrittmacher implantiert

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So sieht er aus: Ein Arzt hält vor dem Bauch eines Patienten im Operationssaal einen Magenschrittmacher in der Hand.

Ärzte im bayerischen Schwabach haben einer übergewichtigen Patientin den deutschlandweit ersten zertifizierten Magenschrittmacher zur Behandlung von krankhaftem Übergewicht eingepflanzt.

Das 65 Gramm leichte Gerät in Größe einer Visitenkarte könne das Hungergefühl kontrollieren sowie Daten über Nahrungsaufnahme und körperliche Betätigung speichern und damit den Patienten helfen, dauerhaft abzunehmen, sagte der Chefarzt der chirurgischen Abteilung im Stadtkrankenhaus Schwabach, Thomas Horbach. Der Magenschrittmacher sendet elektrische Impulse an den Magen und löst dadurch ein Sättigungsgefühl aus.

Der Schrittmacher wurde laut Horbach in der vergangenen Woche bei einer 31-jährigen Frau aus Nürnberg in einer knapp einstündigen Operation an der äußeren Magenwand angebracht. Die 100 Kilogramm schwere Frau will eigenen Angaben zufolge damit 25 Kilogramm abnehmen.

Weltweit ist Deutschland nach Spanien das zweite Land, das auf diese neue operative Methode zur Bewältigung krankhafter Fettsucht setzt. Wesentlicher Bestandteil der Therapie ist die anschließende Begleitung der Patienten. Damit sie nicht nur die gegessene Menge reduzieren, sondern auch auf die Qualität ihrer Nahrungsmittel achten und sich mehr bewegen, werden die mittels Sensoren gewonnen Daten des Schrittmachers regelmäßig mit einem speziellen Gerät ausgelesen und dann mit dem Patienten besprochen. "Eine ganz wichtige Voraussetzung für den Erfolg ist eine hohe Kooperationsfähigkeit der Patienten", sagt Diplom-Ökotrophologin Friederike Eschenbacher. Die Testphase des Projekts begann nach Horbachs Angaben im Jahr 2007.

Insgesamt bekamen 60 stark übergewichtige Probanden das Gerät in drei bayerischen Kliniken eingesetzt: im Stadtkrankenhaus Schwabach, der Uniklinik in Würzburg und der Wolfartklinik in München. (dapd)

Quelle: HNA

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