Übelkeit und Haarausfall können Nebenwirkungen einer Chemotherapie sein

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Martin Wolf

Rund 80 Prozent aller Krebspatienten vertragen eine Chemotherapie heutzutage gut“, sagt Prof. Dr. Martin Wolf, Leiter der Onkologischen Klinik am Klinikum Kassel.

Sie können ein eingeschränktes, aber normales Leben führen, sagt der Mediziner. Durch die große Bandbreite der modernen Chemotherapie komme es auch zu unterschiedlichen Nebenwirkungen. So wie die auf den Patienten abgestimmte Therapie hängen auch die Nebenwirkungen vom individuellen Krankheitsbild ab.

? Wie gelangen die Chemotherapeutika in den Körper?

!Wenn sicher ist, dass eine Chemotherapie rund ein halbes Jahr dauern wird oder ein Patient ungeeignete Venen hat, legt man heutzutage meist einen Port, der während der gesamten Therapie im Körper bleibt. Venenreizungen und Punktionen an den Armen werden so vermieden. In einer ambulanten Operation wird der Port-Katheter (ähnlich einem kleinen Metallkästchen) unter die Haut - meist unterhalb des rechten oder linken Schlüsselbeins - eingesetzt. Von diesem führt ein Schlauch in die große Vene vor dem rechten Herzen. Das Metallkästchen ist von außen nicht sichtbar, kann aber ertastet und von außen mit einer speziellen Nadel anpunktiert werden. Über diese kann Blut abgenommen werden und an die Nadel können Infusionen angeschlossen werden.

? Welche Nebenwirkungen können auftreten?

!Übelkeit und Erbrechen zählen zu den häufigsten Begleiterscheinungen einer Chemotherapie. In 80 Prozent der Fälle lassen sich diese aber mit neuen und sehr wirksamen Medikamenten gut kontrollieren. Oft werden diese Medikamente bereits im Vorfeld verabreicht. So kann auch einer vorausahnenden Übelkeit entgegengewirkt werden, die bei vielen Patienten auftritt. Ein weiterer Nebeneffekt einer Chemotherapie sind Blutbildveränderungen.

Durch die Abnahme der weißen Blutkörperchen während der Behandlung sinken die Abwehrkräfte und das Infektionsrisiko steigt. Ein- bis zweimal wöchentliche Blutbildkontrollen sind daher besonders wichtig. In Risikofällen wird vorbeugend ein Antibiotikum gegeben.

Da die Zytostatika auch andere schnell wachsende Gewebe wie zum Beispiel die Schleimhäute angreifen, kann es während einer Chemotherapie leicht zu Entzündungen im Mundraum kommen, die dann schlecht heilen. Vorsicht beim Essen und Trinken sowie beim Zähneputzen hilft, Verletzungen zu vermeiden.

Einige Chemotherapeutika verursachen Polyneuropathie. Hierbei kommt es zu Taubheitsgefühlen in den Fingern und Zehen, sodass Patienten diese mitunter nicht mehr spüren. Reißverschlüsse oder Knöpfe schließen wird so schwieriger, das Laufen kann erschwert sein, wenn der Patient den Boden nicht mehr richtig fühlen kann. Polyneuropathie kann man nur schwer behandeln, wichtig ist, sie rechtzeitig zu erkennen und dann die auslösenden Medikamente rechtzeitig ab- oder umzusetzen. Eingetretene Schäden bilden sich nur sehr langsam zurück.

Beim Hand-Fuß-Syndrom können sich Entzündungen an den Handinnenflächen und Fußsohlen bilden, mitunter sind auch andere Körperstellen mit stärkerer Beanspruchung oder Druckbelastungen zum Beispiel durch enge Kleidung betroffen. Hier hilft gute Hautpflege und Vermeidung der Hautbelastung.

? Müssen Chemo-Patienten mit Haarausfall rechnen?

!Haarausfall kommt heutzutage nur noch bei rund der Hälfte aller Chemotherapie-Patienten vor. Das Risiko, die Haare zu verlieren, lässt sich im Vorfeld abschätzen und die potenziell Betroffenen werden rechtzeitig aufgeklärt und erhalten ein Rezept für eine Perücke. Wenn die Haare ausfallen, ist dies meist zwei bis drei Wochen nach Beginn der Chemotherapie der Fall. Dann ist neben dem Kopfhaar meist der komplette Körper betroffen, sodass auch die Wimpern und Augenbrauen ausfallen. Ungefähr vier Wochen nach dem Therapie-Ende beginnt das Haarwachstum wieder.

In den allermeisten Fällen findet die Behandlung ambulant statt. In Klinik oder Praxis werden zunächst Blutwerte bestimmt. Während in der Apotheke die Medikamente für die Chemotherapie zusammengestellt werden, erhält der Patient Vorbehandlungen wie eine Flüssigkeitsinfusion und Medikamente gegen Übelkeit und Erbrechen oder zur Vorbeugung gegen mögliche allergische Reaktionen. Die Infusion wird meist über einen Port direkt in die Venen des Patienten geleitet.

In der Regel erfolgt die Chemotherapie in Zyklen, die nach der Verabreichung einer Medikamenten-Infusion eine Pause von drei oder vier Wochen beinhalten. Die meisten Therapien umfassen vier bis sechs Zyklen und dauern zwischen drei und sechs Monaten. Je nach Tumorart und Zustand des Betroffenen sind sowohl deutlich längere als auch deutlich kürzere Zyklen möglich. Eine Behandlung dauert durchschnittlich drei Stunden. Es gibt aber auch Methoden, bei denen der Patient eine Spritzen-Infusion erhält. Möglich sind auch Dauer-Infusionen, die über mehrere Tage geringe Mengen Zellstopper ins Blut abgeben. Dabei erhält der Patient eine tragbare Infusions-Pumpe (pdb)

Quelle: HNA

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