Der Traum aller Couchpotatoes: Braunes Fettgewebe verbennt Kalorien

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Tüchtig zulangen und dabei schlank bleiben - manche Menschen scheinen vor Übergewicht gefeit. Ihr Geheimnis ist womöglich hochaktives braunes Fettgewebe. Es verbrennt Kalorien statt sie wie sein weißer Zwilling zu speichern.

Zu wenig Fett im Leib kann dick machen. Klingt paradox, ist aber eine Tatsache. Gemeint ist aber nicht das ungeliebte weiße Fett, das die Figur von innen aufpolstert und im Übermaß gesundheitsbedenklich ist, sondern die braune Variante des Gewebes.

Braunes Fett ist extrem gut durchblutet - was die dunklere Tönung erklärt. Vor allem aber ist es mit besonders vielen Mitochondrien ausgestattet, den winzigen Kraftwerken der Körperzellen. Ihre Brennkraft macht es den Zellen möglich, enorm viele Kalorien zu verfeuern, um so Wärme zu erzeugen. Thermogenese nennt sich dieses Phänomen. Der Nebeneffekt: Aktives braunes Fettgewebe hält schlank.

Säugetiere wie Mäuse sind damit gut ausgestattet, aber auch kälteempfindliche Säuglinge. Lange glaubte man, dass das braune Fett beim Menschen mit dem Heranwachsen verschwindet. Erst die Fortschritte in den bildgebenden Techniken haben enthüllt, dass auch im Erwachsenenleib einiges an braunem Fettgewebe steckt.

Gelähmte Zellkraftwerke

Doch nicht nur die Menge braunen Fettgewebes ist entscheidend, sondern auch, dass es seine Brennwirkung voll entfalten kann. Dazu benötigt es aber ein bestimmtes Hormon: Orexin. In Versuchen mit Mäusen fand ein Forscherteam um Devanjan Sikder vom Sanford-Burnham's Medical Research Center in Orlando jetzt heraus, dass ein Mangel des im Gehirn produzierten Hormons die Brennkraft der braunen Fettzellen lähmt.

Mäuse, die genetisch auf einen Orexin-Mangel programmiert waren, brachten daher mehr auf die Waage als ihre genetisch unveränderten Artgenossen - und das obwohl sie weniger fraßen als diese.

Die Forscher stellten fest dass die Mäuse bereits im Mutterleib weniger braunes Fettgewebe anlegten als normale Nager. Erhielten sie in dieser Phase jedoch zusätzliche Injektionen von Orexin, entwickelten sie sich normal. Weitere Orexingaben bewirkten, dass die Tiere auch noch im ausgewachsenen Alter über aktives braunes Fettgewebe verfügten - und ihr Gewicht stabil blieb. Überflüssige Kalorien aus fettreicher Nahrung wurden dann zum großen Teil einfach verheizt.

Dick trotz Fasten

"Unsere Untersuchung liefert eine mögliche Erklärung dafür, warum manche Menschen übergewichtig sind, obwohl sie gar nicht zu viel essen", erklärt Studienleiter Sikder. Womöglich trägt auch bei ihnen eine Mangel an Orexin dazu bei, dass das braune Fett inaktiv bleibt und der Energieverbrauch gering ist.

Dass Orexin sich auch auf das menschliche Gewicht auswirkt, zeigt eine weiteres Ergebnis der Untersuchung. Menschen, die an Narkolepsie leiden, so fanden sie, sind nicht nur ständig schläfrig, sie legen auch deutlich an Gewicht zu - obwohl sie eher weniger essen als normalgewichtige Gesunde. Auch hier scheint eine Mangel an Orexin hinter dem Phänomen zu stecken.

In einem nächten Schritt wollen die Forscher nun testen, ob zusätzliche Gaben von Orexin tatsächlich beim Abspecken helfen. Möglicherweise würde ein entsprechendes Medikament allerdings nur bei Menschen mit einem echten Mangel an dem Hormon wirken. Wer dick ist, weil er einfach übermäßig futtert, bliebe dann auf seinen Pfunden sitzen.

Sikder hingegen hofft auf einen durchschlagenden Erfolg von Orexin:"Es bewirkt, dass man gleichzeitig mehr essen kann und trotzdem schneller abnimmt", sagt er. Während bisherige Abnehmpillen eher darauf abzielen, den Appetit zu zügeln, könnte Orexin wirken, indem es den Energieumsatz erhöht. "Das ist der Traum aller Couchpotatoes." (nh)

Quelle: HNA

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